Erinnerungen aus 40 Jahren Mein Golf, dein Golf, unser Golf

1974 kommt der erste VW Golf auf den Markt.

(Foto: Wolfgang Weihs/dpa)

Wir lieben und wir hassen ihn. Fuhren ihn mit 211 PS und mit 55. Erlebten Traumreisen und bauten Unfälle. Der VW Golf wird 40 Jahre alt. Kein anderes Auto hat Deutschland so geprägt. Süddeutsche.de-Mitarbeiter erzählen von ihren Erinnerungen.

Der VW Golf ist der Bestseller unter den deutschen Autos. Er gab einem Fahrzeugsegment ("Golf-Klasse") und einem Menschenschlag ("Generation Golf") einen neuen Namen und "ist das Herz der Marke Volkswagen", wie es Konzernchef Martin Winterkorn ausdrückt. Auch die Mitarbeiter von Süddeutsche.de haben ihre Erfahrungen mit dem kompakten Wolfsburger gesammelt. Hier erzählen sie von ihren Erlebnissen.

Einkaufswagen mit 211 PS

Mein erstes Auto, ein weißer Golf I, wurde im September 1982 geboren. Ich kam fünf Monate später zur Welt. Streng genommen gehörte der Golf meinem Vater. Aber mit ihm fängt meine automobile Erinnerung an. Meine Eltern waren zuvor in einem 3er BMW mit 100 PS unterwegs gewesen, der "keinen Hering vom Rost zog", wie meine Mutter noch heute klagt. Der Golf hingegen war "für damalige Verhältnisse ganz gut", sagt mein Vater. Der Dieselmotor hatte knapp 55 PS und einen bemerkenswert geringen Spritverbrauch.

40 Jahre VW Golf

Golf? Klasse!

Ich bin in einer Golf-Familie aufgewachsen, meine Oma hatte auch einen. Einen Golf II in goldener Lackierung. Heute lachen wir, wenn wir uns an die Farbe erinnern. Wenn wir damals unterwegs waren, sagte meine Oma zu mir und meinem Bruder: "Ihr braucht Euch nicht anzuschnallen, haltet euch nur gut fest." Das fanden meine Eltern nicht so lustig.

Mein Vater kaufte später mehrere Kombis und dann eine Bahncard 100. Er arbeitete eine Zeit lang in Süddeutschland und war nur am Wochenende zu Hause. Das muss eine entbehrungsreiche, weil Auto-arme Zeit für ihn gewesen sein. Jedenfalls gab es bei uns zu Hause bald wieder einen Golf. Einen Golf GTI mit 211 PS und Doppelkupplungsgetriebe. Meine Mutter fuhr damit bei schlechtem Wetter zur Arbeit (1,3 Kilometer), zum Einkaufen (1,1 Kilometer) und zu meiner Oma (11,9 Kilometer).

Als ich den GTI zum ersten Mal fuhr, sagte meine Mutter zu mir: "Du musst beim Überholen erst auf die linke Spur wechseln und dann den Sport-Knopf drücken. Sonst sitzt du dem Vordermann im Kofferraum." Oft durfte ich den GTI nicht fahren, denn ich war meist am Wochenende zu Hause. Mein Vater auch. Und wenn mein Vater zu Hause war, dann fuhr er den Golf.

Als mein Vater aufhörte zu arbeiten, erklärte er die 211 PS des GTI für nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen stehen nun zwei vernünftigere Autos vor der Tür meiner Eltern. Es sind zwei VW Golf, ein Golf VII und ein Golf VI Cabrio. Wir sind bis heute eine Golf-Familie geblieben. (Michael König, Politikredakteur)

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Fahrbericht VW E-Golf

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Elektroautos sind im deutschen Straßenbild - wohlwollend ausgedrückt - eine Randerscheinung. Der VW Golf mit E-Antrieb soll das von Sommer an ändern. Erste Probefahrt in einem Auto, das teuer ist, aber vieles richtig macht.   Von Thomas Harloff

Das Schlimmste war die Farbe

Kein anderer Konsumgegenstand ist in Deutschland mit so vielen Wertungen und Klischees beladen wie das Auto. Wer ein SUV fährt, ist eine Umweltsau. Porschefahrer haben Minderwertigkeitskomplexe. Im Toyota sitzen Vernunftmenschen. Wer Opel fährt, hat keinen Geschmack. Außerdem gilt: Berliner Architektinnen fahren Saab, Freiburger Geografielehrer Volvo und Münchner Werbekauffrauen einen Mini.

Das einzige Auto, das es Deutschen erlaubt zu fahren, ohne ernsthafte Reaktionen auszulösen, ist der VW Golf. Ganz am Anfang, da war sein Design mal ganz fortschrittlich, das ist aber schon lange her. Der Golf verwaltet brav seinen Erfolg und erlaubt es seinem Fahrer, im besten Sinne anonym zu bleiben. Bei einem Golffahrer weiß keiner, ob er CDU oder Grüne wählt, ob er arm oder reich ist, ob er für Bayern oder 1860 München oder grundsätzlich gegen Fußball ist.

Der VW Golf ist ein Auto für Menschen, denen Autos eher egal sind.

Menschen wie mich. Und meine Freundin. Deshalb war es mir auch egal, dass sie ohne mich losfuhr, um unser erstes gemeinsames Auto zu kaufen. Es war ja klar, dass es ein Golf ist. Und es war ein gutes Angebot. 13 Jahre alt, aber nur 65.000 Kilometer. 2000 Euro. Kann man nichts falsch machen. Als ich nach Hause kam, stand er vor der Tür. Er hatte: Sportsitze. Alufelgen. Breitreifen. Einen Spoiler. Das Schlimmste war die Farbe: Lila. (Wolfgang Jaschensky, Homepage-Chef)

Sie kennen auch Anekdoten, die Sie mit dem VW Golf verbinden und den Lesern von Süddeutsche.de gerne mitteilen möchten? Schicken Sie Ihre Geschichte an auto-online@sueddeutsche.de.