Elon Musk auf der Detroit Motor Show:Tesla ist weit davon entfernt, profitabel zu sein

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New all-wheel-drive versions of the Tesla Model S car are lined up for test drives in Hawthorne, California

Teslas neues Modell: das Model S P85D mit mehr Leistung und Allradantrieb.

(Foto: REUTERS)

So viel Altruismus hat man selten in der Industrie, und glaubt man dem Meister, dann geht es ihm mehr um den Klimawandel als das große Geld. "Wir machen das nicht, weil wir damit reich werden wollen", sagt er. Ganz bestimmt nicht.

Das klingt selbstlos, aber es hat wohl auch etwas mit der finanziellen Lage von Tesla zu tun. Denn was soll er sonst auch sagen, der Elektroautopionier - Tesla ist ja weit davon entfernt, profitabel zu sein. Erst im Jahre 2020, sagte Musk nun, werde man Gewinne machen. Bis dahin: Autos bauen, Marktanteile gewinnen, die anderen kräftig unter Druck setzen. Mit anderen Worten: investieren. Allein eine Riesenfabrik für Batterien im Bundesstaat Nevada soll fünf Milliarden Dollar verschlingen. "Wenn wir nicht in Wachstum investieren würden, könnten wir schneller Gewinne schreiben", sagt Musk. Wer so plant, braucht einen langen Atem. Der Multimilliardär hat ihn offenbar. Oder tut er nur so?

Kaum hatte der Elektropapst jedenfalls gesprochen, plumpste der Aktienkurs seiner Firma in die Tiefe - zeitweise um zehn Prozent. Nun ist Musk nicht der Typ Manager, der sich über die Bewegungen von Aktienkursen groß Gedanken macht. Er denkt in Jahrzehnten, nicht in Quartalen.

"Ich habe ein Problem mit Pünktlichkeit"

Er denkt zum Beispiel an das Jahr 2025. Dann werde Tesla "ein paar Millionen Autos" pro Jahr verkaufen. Bislang hatte er immer von 500 000 Wagen im Jahr 2020 gesprochen, ein großer Plan also. Das Ziel wird er nur erreichen, wenn er das Modell für den Massenmarkt tatsächlich bauen kann, das er schon seit einer Weile verspricht. Es soll Model 3 heißen, gut 35 000 Dollar kosten und von 2017 an ausgeliefert werden. Derzeit verkauft Tesla nur das Model S, eine sportliche Limousine. Im kommenden Sommer soll das Model X folgen, ein SUV.

Den Start hat Musk schon mehrfach verschoben, die Technik war noch nicht so weit. "Ich habe ein Problem mit Pünktlichkeit", witzelt Musk in Detroit. Er sei eben Optimist und glaube deshalb immer, dass seine Mitarbeiter Dinge schneller erledigen können, als es dann am Ende klappt - kein gutes Zeichen für den pünktlichen Start des Model 3, das den Durchbruch vom Nischenhersteller zum echten Wettbewerber für die großen Autobauer bringen soll. Und: Tesla soll mindestens drei weitere Fabriken eröffnen in den kommenden Jahren, nicht nur in den USA, sondern auch in China und Europa.

Tesla hat die berühmtesten Kunden

Träumen, Denken und Planen, und das alles in Jahrzehnten. Musk kennt seine Außenseiterrolle. Er weiß, was die Leute über ihn denken: "Von Anfang an hat uns niemand ernst genommen", meinte er, und das Publikum lacht. Er ist für viele der Typ aus den Klatschblättern, im Internet unterhalten sich Abertausende über Musks Lieblingsgerichte, Klamotten und Körperpflegegewohnheiten (ja, er duscht gern täglich).

Er hat die berühmtesten Kunden: die Hollywood-Stars Ben Affleck, James Cameron, Demi Moore, Cameron Diaz, Morgan Freeman, Will Smith, Steven Spielberg, den Rapper Jay-Z, Apple-Co-Gründer Steve Wozniak und Anthony Kiedas, den Sänger der Red Hot Chili Peppers. Solche Leute hat nicht jeder Manager in seinem Adressbuch. Man halte ihn daher für einen "exzentrischen Reichen", der sein Geld irgendwann schon noch verlieren werde. Was für ein Missverständnis: Als ob es ihm um so schnöde Dinge wie Geld gehen würde. Den anderen vielleicht, aber ihm?

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