Elektroroller von BMW Endlich alltagstauglich

Trotz der langen Zweiradtradition im Hause BMW haben die Autos im Konzern immer noch Vorfahrt. Deshalb bringt BMW zuerst seine Elektroautos auf den Markt, ehe der Elektroroller C Evolution erhältlich ist. Schade, denn schon jetzt ist der E-Scooter praktisch serienreif.

Von Thilo Kozik

Vor ziemlich genau einem Jahr ließ BMW auf seinem Innovationstag den Prototypen eines Elektrorollers lautlos auf die Bühne gleiten. Die Aussage war offensichtlich: Der Konzern meint es ernst mit der einspurigen Elektromobilität und scheint dabei weiter als die anderen großen Zweiradhersteller zu sein. Wie weit, konnte man damals noch nicht ahnen. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: BMW präsentiert mit dem C Evolution schon jetzt eine seriennahe Version, die in einer Pilotphase unter realen Einsatzbedingungen und in unterschiedlichen praxisnahen Gebieten erprobt wird.

Gedacht ist das in schickem Weiß und Hellgrün gehaltene Vehikel als Lückenfüller zwischen kleinen Fünfziger-Rollern und ausgewachsenen Elektroautos, mit dem in der Zukunft der tägliche Pendelverkehr zwischen Stadtrand und Zentrum erledigt werden kann. Grundvoraussetzungen dafür sind natürlich Fahrleistungen auf dem Niveau heutiger Maxi-Scooter mit Verbrennungsmotor, vor allem aber eine jederzeit ausreichende Reichweite unter realen Einsatzbedingungen. Für den C Evolution verspricht BMW einen zuverlässigen Aktionsradius von bis zu 100 Kilometern sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h - das sollte auch für anspruchsvolle Pendler mit langen Wegen ins Büro gut und gerne ausreichen.

Bei der Entwicklung profitierte die Zweiradsparte von den Errungenschaften im hauseigenen Automobilbereich, wo BMW die vierrädrige Elektromobilität unter dem Label Project i gebündelt hat. So kommen im C Evolution die gleichen Lithium-Ionen-Speichermodule wie im BMW i3 (Verkaufsstart 2013) zum Einsatz, insgesamt stellt die Batterie mit acht Kilowattstunden eine ungewöhnlich großzügige Speicherkapazität bereit. Speziell für den Einsatz im Automatik-Roller ist dagegen der kompakte Elektromotor konzipiert, der auf eine Dauerleistung von 15 PS sowie eine kurzzeitige Spitzenleistung von knapp 48 PS ausgelegt ist.

Die Integration der neuen Antriebskomponenten erforderte neue Wege in der Fahrwerkskonzeption. Weil der bei herkömmlichen Scootern übliche Hauptrahmen nicht mehr um die ausladende Batterie passt, wird diese kurzerhand zum tragenden Element und stellt die Verbindung zwischen Telegabel und Hinterradführung her. Das stabile Batteriegehäuse aus Aluminium-Druckguss beherbergt jedoch nicht nur die Zellen, sondern auch das Batteriemanagement. Unmittelbar dahinter sind die Steuerungselektronik und der in die Hinterradschwinge integrierte E-Motor untergebracht. Letzterer leitet seine Leistung über einen leisen Zahnriemen an ein Riemenrad weiter, von dort wird die Kraft über ein Planetengetriebe ans Hinterrad übertragen.