Elektromobilität:Das Auto muss der Anreiz sein

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Nicht das Steuermodell ist der Anreiz. Das Auto selbst muss der Anreiz sein. Elektroautos werden dann Erfolg haben, wenn den Fahrern eine flächendeckende Infrastruktur zum Aufladen ihrer Fahrzeuge zur Verfügung steht, und das möglichst unkompliziert. Davon ist Deutschland noch weit entfernt. Sie werden sich verkaufen, wenn die Reichweite der Batterien größer ist als heute. Wenn die Industrie ausreichend Produkte hat und Kunden zwischen vielen interessanten Modellen auswählen können. An die 20 Modelle haben die Konzerne derzeit im Angebot, und es werden mehr - das lässt hoffen.

Die Befürworter von staatlichen Verkaufs-Maßnahmen argumentieren, dass Elektroautos allein wegen ihres hohen Preises auf den Höfen der Händler stehen bleiben. So gesehen ließe sich der Absatz der Ladenhüter schon mit einigen gezielten finanziellen Anreizen ankurbeln. Wahr ist, dass Elektroautos heute einige tausend Euro mehr kosten als vergleichbare Benziner, nicht zuletzt wegen der teuren Groß-Batterien. Doch ist es wirklich der Preis, der die Käufer abschreckt?

Ist es wirklich eine Frage des Preises?

Noch nie haben die Premiumbauer aus Ingolstadt, Stuttgart und München so viele Oberklasse-Autos verkauft wie in den vergangenen Jahren. SUVs boomen, obwohl es für die Kunden genug billigere Alternativen gäbe. Und in Kalifornien macht der Elektroautobauer Tesla gerade vor, wie man teure sportliche Limousinen verkauft. Eine Frage des Preises?

Es ist eine besondere, wohl historische Situation, eine Phase des Umbruchs: Die Industrie muss Milliarden in eine neue Autogeneration investieren, ohne dass sie damit zurzeit schon Geld verdienen würde. Insofern hat der SUV-Boom auch sein Gutes. Er liefert der Industrie jenes Geld, das sie in ihre Zukunft investieren muss.

Sorgen machen muss man sich um die Autokonzerne im Moment zumindest keine. Gemeinsam fuhren die drei Premiumhersteller im vergangenen Jahr an die 25 Milliarden Euro Gewinn ein.

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