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Elektromobilität:Sogar der EnBW-Chef bremst er die Erwartungen

Gerade hat auch die Kanzlerin, die promovierte Physikerin, in einem Interview mit der Wirtschaftswoche erklärt, dass auch sie nicht wisse, "wie schnell diese Transformation vorangehen soll". Sie halte den sehr sparsamen Verbrennungsmotor, vielleicht in Kombination mit einem Elektromotor, "noch für eine ganze Zeit lang" für vernünftig. Kretschmann hat sich übrigens vor einigen Wochen privat einen Diesel gekauft.

Aber wie verhält es sich mit dem Tanken, das eigentlich Aufladen heißt, für diejenigen, die sich schon jetzt einen Elektrowagen kaufen? Es ist das zweite große Problem neben der Batterie, weiterhin. "Das heutige Stromnetz ist noch nicht darauf ausgelegt, das gleichzeitige Aufladen einer wachsenden und am Ende hoffentlich großen Zahl von Elektrofahrzeugen reibungslos zu ermöglichen", sagt Frank Mastiaux, Vorstandschef des Energieversorgers EnBW. Er ist ein ungeduldiger Mensch, ein intensiver Gesprächspartner von Kretschmann, und ihm ist am Verkauf von Strom gelegen. Und ausgerechnet so einer bremst die Erwartungen?

Es fehlen die Elektrotankstellen

In seinem Unternehmen, dem drittgrößten Versorger Deutschlands, rechnen sie wie folgt: Eine Million Elektroautos würden bei durchschnittlich 14 000 Kilometern Fahrleistung jährlich 2,5 Terawattstunden Strom verbrauchen. Das ist relativ gesehen nur ein halbes Prozent des gesamten Stromverbrauchs im Land. Klingt nach nicht viel. Aber die Frage ist: Wie kommt der Strom in die Fahrzeuge?

"Wir müssen uns doch darum kümmern, dass es überhaupt funktioniert", forderte Kretschmann in seiner Wutrede - er befürchtet lange Staus an den wenigen Elektrotankstellen, weil der Ausbau so lange dauern könnte. Weil auch das Aufladen tatsächlich nicht so schnell geht wie das Tanken von Benzin, spricht die Autoindustrie von Ladeparks - 400 solcher Orte will ein Konsortium von Autobauern schaffen, aber noch stockt dieses wichtige Symbolprojekt ein wenig. Kartellfreigaben fehlen und die Gespräche mit den Geschäftspartnern vor Ort laufen zäh. Den ersten Termin haben sie schon gerissen: Eigentlich wollte man bereits im Frühjahr mit dem Bau von Ladesäulen beginnen.

"Eine Jahrhundertaufgabe"

Aber der Strom soll künftig nicht nur an solchen Plätzen fließen, sondern vor allem in den Garagen daheim oder am Arbeitsplatz. Das Problem: Dafür sind die Netze und Steckdosen nicht gemacht, es würde sie überfordern. Firmenparkhäuser müssten nach Einschätzung der EnBW an das Hochspannungsnetz angeschlossen werden. Und auch die Kabel zum Privatparkplatz müssten wohl teils neu verlegt werden. Denn bislang ist jeder Haushaltsanschluss in Deutschland nur auf durchschnittlich zwei Kilowatt Verbrauch ausgelegt, was etwa zwei Herdplatten entspricht. Wenn nun jeder fünfte Haushalt elektrisch fahren würde und alle gleichzeitig ihre Elektrofahrzeug laden möchten - dann wäre das heutige Netz überlastet und bräche zusammen. Black Out.

Pufferbatterien würden helfen, aber da ist die Erfahrung der Stromversorger: Manche Kommunen erlauben das aus Brandschutzgründen gar nicht. Auch intelligente Ladesteuerungen bräuchte es: Wenn alle E-Autos vernetzt sind, dann könnten Computer das Laden zeitlich staffeln. Aber das ist nicht schnell umsetzbar, sagt Gabriel Seiberth, Mobilitätsexperte bei der Unternehmensberatung Accenture. Schon jetzt sollten in vielen Haushalten Smartmeters statt der alten Stromzähler hängen. Doch kaum irgendwo in Deutschland ist dies der Fall und in den kommenden Jahren wird sich das wohl nur langsam ändern. Und dann erinnert Seiberth an das Internet: Wie lange habe es gedauert, bis überall die Infrastruktur bereitstehe? Auch jetzt sei noch nicht überall eine schnelle Verbindung möglich. "Der Wandel hin zur Elektromobilität wird noch viele Jahre dauern", sagt er. Kretschmann wird das nicht gefallen - aber er wird beipflichten.

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