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Elektromobilität:Die Zeit der neuen Elektroautos bricht an

Gestern noch Prototypen, morgen im Verkaufsraum: 2018 startet endlich eine neue Generation E-Autos. Dieses saubere Dutzend kommt in den nächsten drei Jahren auf den Markt.

Von Thomas Harloff

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Quelle: Audi AG

Allmählich kommt die Elektromobilität in Deutschland in Schwung. Sichere Anzeichen dafür: Endlich existiert das von BMW, Daimler, Ford und Volkswagen gegründete Unternehmen Ionity, das bis 2020 in ganz Europa 400 Elektro-Tankstellen mit Tausenden Ladesäulen aufbauen will. Und immer mehr Hersteller erreichen bei der Entwicklung ihrer neuen Elektroautos die entscheidende Phase.

Audi e-tron Quattro (2018)

Zum Beispiel Audi mit seinem e-tron. 2015 war das Elektro-SUV noch Messedeko auf Audis IAA-Stand. Nun werden immer öfter mehr oder weniger vermummte Erprobungsfahrzeuge gesichtet, für Ende 2018 ist die Markteinführung geplant. Das Elektroauto wird der einstigen Studie optisch stark ähneln und etwas größer sein als ein Q5. Konkrete Aussagen zur Technik lassen zwar noch auf sich warten. Aber Experten erwarten drei Versionen mit Batteriekapazitäten von 70 bis 105 Kilowattstunden und Motorleistungen von 230 bis 320 kW (314 bis 436 PS). Audi peilt eine Reichweite von 500 Kilometern pro Batterieladung an. Die sind wohl auch nötig, um möglichst viele Kunden vom Umstieg in den e-tron zu überzeugen. Schließlich wird er nicht ganz billig: Von Startpreisen zwischen 60 000 und 80 000 Euro ist die Rede. Für 1000 Euro lässt sich der e-tron Quattro in einigen Ländern, Österreich zum Beispiel, schon jetzt reservieren.

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Porsche Mission E (2019)

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Quelle: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

Porsche wird voraussichtlich ein Jahr länger brauchen, um sein erstes vollelektrisches Auto auf den Markt zu bringen. Dabei handelt es sich um die Serienversion der Mission-E-Studie von 2015, die einen Viertürer mit coupéhafter Linienführung ankündigte. Einige technische Details verriet Porsche-Chef Oliver Blume kürzlich dem britischen Magazin Car: So wird es verschiedene Leistungswerte geben, und der Grundpreis soll sich auf dem Niveau eines Basis-Panamera bewegen, der aktuell bei gut 90 000 Euro startet. Das Mission-E-Topmodell dürfte sich mit seinen technischen Daten der Studie nähern: bis zu 440 kW (600 PS) Leistung, 1000 Newtonmeter Drehmoment und ein Aktionsradius von gut 500 Kilometern pro Batterieladung. Um die zu erreichen, sollte das Beschleunigungsvermögen - Null auf Hundert in 3,5 Sekunden, 250 km/h Höchstgeschwindigkeit - aber nicht zu oft ausgereizt werden.

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Volkswagen I.D. (2020)

Die Volkswagen I.D. Familie

Quelle: Volkswagen AG

Bevor Missverständnisse aufkommen: Der VW-Konzern plant nicht ausschließlich hochpreisige Tesla-Konkurrenten mit den Emblemen seiner Nobelmarken. Ein fair eingepreistes Elektroauto - im Gespräch sind 25 000 bis 30 000 Euro - im Golf-Format soll von 2019 oder 2020 an die Modellpalette der Kernmarke bereichern. Der 125 oder 150 kW (170 oder 204 PS) starke VW I.D. (links im Bild) soll eine 83-Kilowattstunden-Batterie erhalten, die eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern ermöglichen soll. Doch beim Standard-I.D. wird es nicht bleiben: Die Palette wird schnell um mindestens zwei weitere E-Autos wachsen: ein SUV mit dem Beinamen Crozz (rechts) und ein Bulli-Ableger namens Buzz (Mitte). Die entsprechenden Studien hat VW bereits auf diversen Shows und Messen präsentiert.

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BMW i Vision Dynamics / i5 (2019 bis 2021)

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Quelle: BMW Group

BMW zielt mit seinem neuen Stromer auf die Mittelklasse. Die Serienversion der 2017er IAA-Studie i Vision Dynamics wird wohl etwas größer als ein 3er BMW, schließlich muss das Batteriepaket mit einer Kapazität von etwa 100 Kilowattstunden Platz an Bord finden. Die Energie soll für bis zu 600 Kilometer Reichweite langen. Die IAA-Studie hat je einen Motor pro Achse und beschleunigt in nur vier Sekunden von Null auf Hundert. Die Serienversion, die etwa 50 000 Euro kosten soll, dürfte i5 heißen. Die Experten sind sich jedoch noch uneinig, wann das Auto auf den Markt kommen wird. Optimisten sprechen von 2019, aber auch die Jahreszahlen 2020 und 2021 werden immer wieder genannt.

Gesichert ist, dass 2019 ein elektrischer Mini auf den Markt kommt. Viele seiner Antriebs- und Batteriekomponenten stammen von den aktuellen BMW-Modellen i3 und i8. Das bedeutet: Die Reichweite dürfte im optimalen Fall lediglich 300 Kilometer betragen. Ein Jahr später soll der elektrifizierte X3 auf den Markt kommen.

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Mercedes EQ C (2019)

Generation EQ, 2016

Quelle: Daimler AG

Wie es aussieht, wird Mercedes seinem Münchner Konkurrenten zuvorkommen. Bereits für 2019 ist das erste Modell der Elektro-Submarke EQ angekündigt: das mittelgroße SUV EQ C, das sich von der im Mai vorgestellten Studie EQ Concept (Foto) ableitet. Daimler plant mehrere Versionen des E-Autos, mit Batteriekapazitäten von 70 bis 110 Kilowattstunden, Leistungswerten bis zu 300 kW (409 PS) und einem Drehmoment-Maximum von 700 Newtonmetern. Die Reichweite des EQ C soll im Bereich der magischen 500 Kilometer liegen. Nach dessen Debüt soll die EQ-Palette schrittweise ausgebaut werden - nach unten mit den ab 2020 erhältlichen Modellen EQ A und EQ B, aber auch nach oben mit weiteren SUVs und Limousinen.

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Tesla Model 3 (2018)

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Quelle: Tesla Motors

In dieser Auflistung darf das Model 3 des E-Auto-Pioniers Tesla nicht fehlen. Wie das erste kompakte Auto der Marke aussieht, ist schon lange bekannt. Genau wie die technischen Details: Die Basisversion wird 35 000 US-Dollar kosten (derzeit knapp 30 000 Euro) und eine realistische Reichweite von 350 Kilometern bieten. Die Daten der kräftigeren Version: 44 000 Dollar (gut 37 000 Euro) und bis zu 500 Kilometer Aktionsradius. Das Problem: Keiner weiß, wann Teslas erstes Volumenauto tatsächlich auch das nötige Volumen erreicht. Eigentlich sollte es längst im großen Stil produziert werden, aber diverse Probleme in den Tesla-Fabriken lassen das derzeit nicht zu. Und so müssen europäische Kunden wohl bis Ende 2018 warten, um ihr Tesla Model 3 zu erhalten. Wenn sie Glück haben.

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Jaguar I-Pace (2018)

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Quelle: Nick Dimbleby; Jaguar / Land Rover

Und so könnte es sein, dass Jaguar die Kalifornier überholen wird. Bislang hatte die britische Nobelmarke nicht viel mit Elektromobilität zu tun - und könnte mit dem I-Pace eine Überraschung landen. Im Laufe des kommenden Jahres soll die Mixtur aus SUV und Coupé auf den Markt kommen. Mit zwei Elektromotoren, die gemeinsam 294 kW (400 PS) leisten und den I-Pace zum Allrader machen, indem sie je eine Achse antreiben. Und mit einer 90-Kilowattstunden-Batterie, in der Hightech-Zellen zum Einsatz kommen und die für eine Reichweite von 500 Kilometern gut sein soll. Typisch Jaguar ist der Preis: Der I-Pace wird zwischen 70 000 und 80 000 Euro kosten.

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Nissan Leaf 2 (2018)

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Quelle: Nissan

Die erste Generation des Nissan Leaf war langsam, wahrlich nicht schön und hatte eine eher geringe Reichweite. Trotzdem hat sich der Japaner den Status als meistverkauftes Elektroauto der Welt erworben. Im Januar 2018 kommt der Nachfolger auf den Markt, und die Chancen stehen gut, dass er den Erfolg weiterführt. Weil er von 80 kW / 109 PS auf 110 kW / 150 erstarkt, gefälliger aussieht und dank seines besseren Batteriepakets deutlich weiter fährt. Die Akkukapazität wächst von 30 auf 40 Kilowattstunden, was eine NEFZ-Reichweite von 378 statt 250 Kilometer nach sich zieht. Ein weiteres Argument für den Leaf: Mit einem Grundpreis von 31 950 Euro gehört er nach wie vor zu den günstigeren Elektroautos.

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Honda Urban EV (2019)

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Quelle: Honda Motor Corp.

Man weiß noch nicht, wie er heißen oder in seiner endgültigen Version aussehen wird. Auch die technischen Details sind unbekannt, ebenso wie Daten zum Energieverbrauch oder zur Reichweite. Fest steht bislang nur: Honda wird 2019 in Europa einen Elektro-Kleinwagen auf den Markt bringen, der auf der Studie Urban EV Concept basiert, die im September auf der Frankfurter IAA enthüllt wurde. Bleibt zu hoffen, dass Honda das charmante Achtzigerjahre-Retro-Design in die Serie übernimmt und auch der kürzlich auf der Tokio Motor Show gezeigten Elektro-Sportwagenstudie eine Marktchance gibt. Denn mit kompakten, clever konstruierten Stadtstromern könnte Elektromobilität tatsächlich zum Massenphänomen werden.

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Ford Model E (2019 oder 2020)

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Quelle: Ford-Werke GmbH

Mit dem Model T und dem Model A machte Ford das Automobil in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zum Massenprodukt. Gelingt den Amerikanern etwa 100 Jahre später mit dem Model E Ähnliches bei den Elektroautos? Das ist derzeit ebenso wenig abzusehen wie das Design jenes Autos, das Fords enormen Rückstand in der Elektromobilität aufholen soll. Bisher hält sich der Hersteller zum Stand der Entwicklung sehr bedeckt. Doch zwei Fakten sprechen dafür, dass sich bald Konkretes vermelden lässt: Ford hat sich die Modellbezeichnung Model E schon vor einigen Jahren schützen lassen. Und der Hersteller wäre wohl kaum Gründungsmitglied des europäischen Ladesäulen-Joint-Ventures Ionity, wenn er nicht bald Elektroautos in sein Programm aufnehmen würde.

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Peugeot 208 und 2008 (2019 und 2020)

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Quelle: ; Peugeot

Zum Thema Elektromobilität hatte Peugeot bisher nur den Winzling iOn und einen Lieferwagen beizutragen. Doch dabei bleibt es nicht, denn die Franzosen werden die nächste Generation des Kleinwagens 208 (im Bild die derzeitige Generation) und von dessen SUV-Variante 2008 auch als Elektroversion anbieten. Das berichten mehrere britische Medien übereinstimmend. Von der neuen Plattform, die dafür entwickelt wird, werden auch die Marken Citroën und DS profitieren, die zusammen mit Peugeot zum PSA-Konzern gehören.

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Opel Ampera-e (seit 2017... eigentlich)

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Quelle: Adam Opel AG

Auch Opel wird die Technik der neuen Konzernmutter PSA zeitnah übernehmen. Bis 2020 wollen die Rüsselsheimer vier E-Modelle anbieten, die auf PSA-Plattformen basieren - darunter den neuen Corsa. Später soll es von allen Baureihen eine Elektrovariante geben. Der zuletzt so gefeierte Ampera-e wird dann längst nicht mehr zum Angebot gehören. Schon jetzt lässt sich das kompakte Elektroauto, wie vor Kurzem noch möglich, nicht mehr für 1000 Euro reservieren. Zwar mit Verweis auf eine angeblich hohe Nachfrage, aber der wahre Grund hat mit der PSA-Übernahme zu tun: Der Ampera-e ist eine Entwicklung des General-Motors-Konzerns, wird in den USA gebaut und dort als Chevrolet Bolt EV verkauft. Um den Stromer als Ampera-e nach Europa zu holen, muss Opel Lizenzgebühren an den alten Partner zahlen, was für die Deutschen auf ein Zuschussgeschäft hinausläuft. Deshalb ist das Gros der wenigen Exemplare, die es bislang über den Atlantik geschafft haben, lediglich in den Leitmärkten Norwegen und Niederlande verkauft worden. In Deutschland wurden dem Kraftfahrt-Bundesamt zufolge bis Ende Oktober nur 127 Ampera-e zugelassen.

Vor diesem Hintergrund ist es schon ein wenig absurd, dass Opel immer noch so tut, als hätte der Ampera-e eine Zukunft im eigenen Angebot. Erst Anfang November ließ sich Entwicklungschef Christian Müller das Goldene Lenkrad für das E-Auto überreichen - begleitet von den üblichen Bekanntmachungen der hauseigenen PR-Abteilung. Der Preis selbst erscheint verdient, schließlich kommt der Ampera-e nach NEFZ-Norm bis zu 520 Kilometer weit (im Alltag dürften es etwa 380 sein). Damit wäre er derzeit das reichweitenstärkste Elektroauto nach den Tesla-Modellen und ein willkommener Imageträger für Opel - wenn er denn tatsächlich erhältlich wäre.

© SZ.de/harl/ihe/ghe

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