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Elektromobilität:Die Vespa fährt bald elektrisch

2017 soll die Elettrica auf den Markt kommen. Doch schon jetzt gibt es Alternativen. Die sehen ähnlich aus, sind billiger - und kommen allesamt aus Deutschland.

Von Felix Reek

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Die Präsentation der Vespa Elettrico

Quelle: AFP

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Die Innenstädte Italiens sind ohne das laute Knattern der Vespas kaum vorstellbar. Seit Jahrzehnten schlängeln sich die Roller und ihre Fahrer durch den Verkehr der Städte und Dörfer. Kaum ein Verkehrsmittel drückt so sehr das italienische Lebensgefühl aus wie die Vespa.

Ab der zweiten Hälfte des nächsten Jahres könnte sich die Geräuschkulisse jedoch ändern. Branchenprimus Piaggio hat auf der Motorradmesse EICMA in Mailand angekündigt, mit der Elettrica eine elektrische Version seiner Vespa auf den Markt zu bringen. Eine ihrer wichtigsten Eigenschaften: Sie fährt vollkommen geräuschlos.

Die Piaggio Vespa Elettrica

Quelle: Piaggio

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Optisch unterscheidet sich die E-Vespa kaum von dem Klassiker, der seit den Fünfzigerjahren 18 Millionen Mal verkauft wurde. Die blauen Zierleisten an Felgen und Karosserie symbolisieren den umweltfreundlichen Elektro-Antrieb. Die Fahreigenschaften entsprechen den Modellen mit Zwei- oder Viertaktmotor - sagt zumindest Piaggio. Hinzu kommen "innovative Konnektivitätslösungen", wie es nebulös heißt. Mehr Informationen gibt es nicht.

Die Italiener zeigten ihre Vespa in Mailand und schwiegen sich über den Rest aus. Keine Angaben über Reichweite, Leistung, Geschwindigkeit, verbaute Akkus, geschweige denn den Preis. Piaggio kann nicht verhehlen, dass das Unternehmen den Trend zur Elektromobilität verschlafen hat. Schon seit Jahren gibt es Elektroroller zu kaufen. Viele von ihnen sehen so aus wie die Elettrica - und kommen aus Deutschland.

Unu E-Roller

Quelle: Daniel Hofer

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Das deutsche Unternehmen Unu aus Berlin beispielsweise bietet drei Motorisierungen für seine elektrischen Roller an. Entweder mit 1000, 2000 oder 3000 Watt. Das sorgt für mitunter rasante Beschleunigung, die aber bei 45 km/h abgeregelt wird. Mit einem Gewicht von gerade einmal 60 Kilogramm soll der Roller eine Reichweite von 50 Kilometern schaffen - die er im SZ-Test auch erreichte. Zum Laden lässt sich der Akku unter dem Sitz herausnehmen.

Billiger als die Vespa Elettrica dürfte der Unu außerdem sein. Die Einstiegsversion mit 1000 Watt gibt es ab 1699 Euro, die stärkste Variante mit 3000 Watt für 2799 Euro. Die günstigste Vespa mit Benzinmotor, die Primavera 50 2T, an der sich die Elektroversion preislich wahrscheinlich orientieren wird, kostet mindestens 3350 Euro.

Der Kumpan Mobile 1953 Vespa E-Roller

Quelle: Kumpan

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Die Elektroroller von Kumpan machen keinen Hehl daraus, dass sie das klassische Design der Vespas kopieren. Sie seien "inspiriert vom meditterran-leichten Leben der Fünfzigerjahre", heißt es auf der Webseite des 2010 in Bonn gegründeten Unternehmens.

Das Modell 1953, das im Bild zu sehen ist, schafft es mit einer Batteriekapazität von etwa 2000 Wattstunden auf eine Reichweite von 50 Kilometern. Per Boost erhöht sich die Leistung auf bis zu 2500 Watt, was natürlich zu Lasten des Energieverbrauchs geht. Aufgeladen sind die Batterien innerhalb von vier Stunden. Der Preis: ab 3849 Euro.

Der Etropolis Retro Lithium Roller

Quelle: Etropolis

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Die Roller von Etropolis sind laut eigener Aussage die meistverkauften in Italien. Und somit die direkte Konkurrenz von Piaggio. Das Unternehmen, das unter anderem den Retro Lithium (im Bild) baut, stammt allerdings aus Deutschland.

Dank eines größeren Akkus soll der Roller eine Reichweite von 80 Kilometern schaffen. Er braucht aber auch sechs bis acht Stunden, bis er voll aufgeladen ist. Wie die meisten E-Roller orientiert sich der etwa 3500 Euro teure Retro Lithium an den EU-Vorgaben und ist auf eine Geschwindigkeit von maximal 45 km/h begrenzt. Somit kann er auch von 16-Jährigen mit dem Führerschein der Klasse AM gefahren werden.

Govecs Elektroroller

Quelle: Govecs

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Die elektrischen Roller von Govecs kennen vor allem Münchner aus dem Alltag. Das Unternehmen aus der bayerischen Landeshauptstadt hat für eine Pizzakette ein Transportmodell mit mehr Stauraum entwickelt.

Den normalen Roller Go für private Kunden gibt es in vier Leistungsvarianten. In der stärksten Motorisierung schafft er eine Geschwindigkeit von bis zu 83 km/h. Die Reichweite liegt zwischen 70 und 100 Kilometern. Vier PS ermöglichen zügige Beschleunigung, doch am Berg wird es wegen des hohen Gewichts von 115 Kilogramm zäh. Der Preis hingegen ist wieder ein Spitzenwert: 4785 Euro kostet der Govecs Go 2.4.

Der Emco Nova R 2000 Elektroroller

Quelle: Emco

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Viel nostalgischer als der Emco Nova R 2000 kann ein Roller kaum aussehen. Alles an dem mit Chromdetails verzierten Roller schreit nach dem klassischen Design der Fünfziger- und Sechzigerjahre. Das niedersächsische Unternehmen Emco aus Lingen an der Ems baut seit 2011 umweltfreundliche Roller und bietet insgesamt sechs unterschiedliche Modelle an.

Der Nova R 2000 soll auf eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern kommen und lässt sich an jeder Steckdose in drei bis vier Stunden laden. Per App können die Fahrmodi eingestellt und der Leistungsstand der Batterie abgerufen werden. Mit einem Akku kostet der Nova 3649 Euro. Wer die volle Reichweite von 100 Kilometern benötigt, zahlt 4539 Euro für das Modell mit zwei Batterieeinheiten.

© Süddeutsche.de/harl/dd
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