bedeckt München 32°

Elektromobilität:Der Bau von Oberleitungen würde 14,25 Milliarden Euro kosten

In den ersten Monaten ist der Testbetrieb nach Siemens-Angaben problemlos verlaufen, auch bei Schnee funktionierten die Oberleitungen gut. Schweden plant nun, die Teststrecke auszuweiten, schließlich soll dort der Verkehr schon von 2030 an schadstofffrei sein. Das nächste Ziel: Zwischen der Industrieregion Dalarna und dem Ostseehafen Gävle sollen Hybrid-Lkws pendeln. "Auf solchen Strecken kann ich mir gut vorstellen, dass sich das System erst mal beweisen darf", sagt Grünjes, "um es dann später vielleicht auf das nationale Autobahn-Netz auszuweiten."

In Deutschland erprobt Siemens seit 2011 auf einem ehemaligen Militärflugplatz in Groß-Dölln nördlich von Berlin den Oberleitungs-Lkw und gab so die Vorlage für das Projekt in Schweden. Auf den neuen Teststrecken in Hessen und Schleswig-Holstein wollen bislang vier Speditionen umgerüstete Lkws fahren lassen. Hierzulande wäre es auch in Zukunft gar nicht nötig, alle Straßen umzubauen. Denn 60 Prozent des Verkehrs bewegt sich Grünjes zufolge auf gerade mal zwei Prozent der Straßen. 2012 schlug der Sachverständigenrat für Umweltfragen vor, die Autobahnen A1 bis A9 mit Oberleitungen auszurüsten. Das würde 14,25 Milliarden Euro kosten, berechneten die Experten. Die Netzbetreiber könnten das über höhere Strompreise für Lkws wieder einspielen.

"Wir sollten nicht darauf warten, dass etwas Besseres kommt."

Noch gibt es viele offene Fragen: Funktioniert die Technik in einem Transitland wie Deutschland, wo täglich Tausende Laster aus den Nachbarländern einfahren? Europäische Standards etwa für die Höhe der Oberleitungen wären nötig. Auch kann die Logistikbranche sich wenig Unterbrechungen leisten, das System müsste bei jeder Witterung extrem zuverlässig arbeiten. Und es bräuchte Tausende Kilometer neuer Leitungen. "Das E-Highway-System führt zu einem optischen Eingriff in das Erscheinungsbild der Autobahn", gibt Grünjes zu. Für die Eisenbahn ist das akzeptiert - aber gilt das auch für den Lkw?

Ein andere Technik hat dieses Problem nicht: das induktive, drahtlose Laden. Das Prinzip: Im Boden ist eine Spule eingelassen, die ein Magnetfeld erzeugt. Eine zweite Spule ist im Lkw befestigt. Fährt dieser über die Ladeplatte im Boden, überträgt sich die Energie von dort ins Fahrzeug - und die Batterie des Lkw lädt sich auf. Das kann auf Straßen beim Überfahren passieren oder an Raststätten beim Parken. Seit mehr als einem Jahr fährt ein Bus der Linie 204 mit dem System durch Berlin.

Die erste 400 Meter lange Teststrecke für dieses Induktionssystem, auf der seit 2012 Lkws rollen, befindet sich ebenfalls in Schweden. Magnus Ernström wirbt für eine Mischung der Technologien - wenn sie sich denn lohnen: "Wir sollten nicht darauf warten, dass etwas besseres kommt", sagt er.

© SZ vom 09.02.2017/harl
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB