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Elektromobilität:BMW sucht seinen "Tesla-Killer"

BMW auf der IAA Frankfurt 2017

BMW verrät noch nicht, wie der "Tesla-Killer" aussieht. Vom modernisierten i3, der ebenfalls auf der IAA debütiert, gibt es dagegen schon offizielle Fotos.

(Foto: obs)
  • Noch bevor nächste Woche die IAA startet, kündigt BMW in München eine Elektroauto-Offensive an.
  • Bis 2025 will die Marke 25 Elektromodelle auf den Markt bringen: 12 reine Elektroautos und 13 Plug-in-Hybride.
  • Auf der IAA will der Hersteller seinen "Tesla-Killer" vorstellen. Dabei könnte es sich um einen elektrifizierten 3er BMW handeln.

Die Automesse IAA war immer der Ort, an dem die Konzerne einen Ausblick gaben auf das, was in den kommenden Monaten und Jahren so alles geplant ist. Und auch, um zu erfahren, was die Konkurrenz plante oder eben nicht plante. Relativ neu ist nun, dass man jetzt schon Tage vorher einen Ausblick auf den Ausblick gibt - so wie bei BMW.

Wenn also die Münchner an diesem Donnerstag in ihr Museum am Olympiapark luden, um ihre kommenden Modelle zu zeigen, dann konnte man das durchaus so verstehen: Die Zeit wird immer knapper und der Wettbewerb immer härter - warum also bis nächste Woche warten, wenn VW bis 2025 Weltmarktführer bei Elektroautos sein und bis dahin mehr als 30 neue Elektroautos entwickeln will? Und Daimler ebenfalls groß plant und zehn neue Elektroautos bis 2022 ankündigt? Und wenn dann auch noch der US-Konkurrent Tesla von Kalifornien aus den Markt mit Elektroautos für die breite Masse aufrollt?

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Allerhöchste Zeit also, dass auch BMW im großen Wettbewerb der Ankündigungen liefert - und Konzernchef Harald Krüger tat es: 25 Elektromodelle will der Konzern im Jahr 2025 auf dem Markt haben - 12 reine Elektroautos und 13 sogenannte "Plug-in-Hybride", also eine Mischung aus Elektro- und Verbrennungsmotor. "Elektromobilität hat für uns absolute Priorität", sagte Krüger. Oder, wie es BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich formulierte: "Electric is the new normal." Elektromobilität als Normalität? Auch das ist neu in dieser Branche.

Nun ist es nicht so, dass die Münchner den Trend verschlafen hätten - sie galten vor vier Jahren, als sie ihren elektrischen Kleinwagen i3 auf den Markt brachten, als Pioniere. Ein Auto aus leichtem Carbon-Baustoff, neu konzipiert - der eine oder andere Wettbewerber schüttelte den Kopf. An die 40 000 Euro für einen Kleinwagen, dessen Batterie am Anfang noch für höchstens 130 Kilometer reichte, und das alles bei einem äußerst spartanischen Ladenetz? Tatsächlich wurde der i3 bis heute kein Gassenhauer.

Nicht nur BMW steht vor einem großen Dilemma

Die Jahre vergingen, und BMW verdiente sein Geld - trotz Elektroauto i3 - nach wie vor mit großen, spritschluckenden Limousinen und SUVs. Doch dann kam alles zusammen: Der Dieselskandal bei Volkswagen, der über Nacht eine ganze Motoren-Gattung diskreditierte. Drohende Fahrverbote in Großstädten. Tesla mit neuen, attraktiven E-Autos. Und die immer strengeren CO₂-Abgasnormen, von denen man lange glaubte, man könne sie mit Dieselmotoren einhalten. Dieselmotoren sind zwar für Feinstaub und giftiges Stickoxid verantwortlich, stoßen dafür aber weniger Klimagas CO₂ aus.

Jetzt, wo der Dieselabsatz zurückgeht und Fahrverbote in den Städten drohen, steht nicht nur BMW vor dem großen Dilemma: Wie lassen sich die strikten CO₂-Ziele der kommenden Jahre einhalten, wenn der Dieselanteil im Portfolio gleichzeitig zurückgeht? Die Antwort lautet: mehr Elektroautos. Man werde bald "in der Lage sein, jedes Modell mit jedem beliebigen Antrieb auszustatten", so Krüger. Jedes Modell mit jedem Antrieb in jedem Werk, das ist eine klare Ansage.

BMW muss aus der Elektro-Nische herausfahren

BMW würde das so vielleicht nicht sagen, aber: Die Zeit, in der man mit dem i3 in der Nische herumfuhr, ist vorbei. Um aus der Nische herauszufahren, braucht es aber nun mehr als die richtigen Modelle und ein flächendeckendes Netz von Ladesäulen - auch der Preis muss stimmen.

Die Hersteller müssten sich "fragen, wie es weitergehen soll, wenn der Absatz bei Dieselfahrzeugen weiter zurückgeht, während gleichzeitig wieder mehr klassische Benziner verkauft werden", sagt der Automobilexperte Marcus Berret von der Unternehmensberatung Roland Berger. Dann müssten sich die Hersteller vielleicht "dazu durchringen, Elektroautos billiger zu verkaufen und sie damit selbst zu subventionieren". Eine Maßnahme, die - je nachdem, wie lange man an ihr festhalten würde - auf die Gewinnmargen der Autoindustrie drücken dürfte.

Es läuft auf einen elektrifizierten 3er hinaus

Die Hersteller wollen in den kommenden Jahren jedenfalls die Kosten weiter drücken, um sich all das leisten zu können, ohne dass die Renditen zurückgehen. "Die Nachfrage kann man nicht erzwingen", sagt Krüger. Erzwingen vielleicht nicht - aber einiges lässt sich schon machen, um die Nachfrage anzukurbeln.

Zum Beispiel attraktive Autos auf den Markt bringen. Der ganz große Wurf ist für kommenden Dienstag geplant - dann will BMW einen neuen viertürigen Elektrowagen vorstellen. Größer als der i3, kleiner aber als das teurere, sportliche Hybridmodell i8. Ein Auto, wie es aus BMW-Kreisen heißt, mit einigen Hundert Kilometern Reichweite, das - so sieht es die neue Konzernräson vor - aus Kostengründen auf den gleichen Bändern gefertigt werden kann, auf denen jetzt schon ganz normale Modelle mit Verbrennungsmotoren gebaut werden. Ein Auto, das Insidern zufolge am Ende auf eine Art elektrifizierten 3er BMW herauslaufen könnte, wäre nicht nur vom Preis her interessant.

Der 3er gilt auch als das Brot- und Buttergeschäft der Münchner. Ein Modell, das im Konzern "Tesla-Killer" genannt wird. Das aber ist so eine Sache: Viele Autobauer haben inzwischen sportliche Elektroautos in der Mache, die sie "Tesla-Killer" nennen. Das allein zeigt aber auch, wovor sich die Hersteller am meisten fürchten. In München steht dieses Auto nun in einer BMW-Halle, allerdings verdeckt. So weit geht der Ausblick auf den Ausblick dann auch wieder nicht.

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