bedeckt München 31°

Elektroautos:Das Alarmsignal war deutlich

Dann kamen die Franzosen. Peugeot mit seinem iOn oder die Renault-Modelle Fluence, Kangoo, Twizy und Zoe. Kleine Wagen, die nicht wirklich so aussahen, als wären sie schon der ganz große Wurf. Allesamt keine Statussymbole, also auch keine Konkurrenz für die hiesigen Hersteller. Aber doch ein Alarmsignal, laut und deutlich: Es passiert etwas da draußen in der Autowelt. Es kam aber auch der kalifornische Elektroautobauer Tesla mit seinem Model S. Fast 500 Kilometer Reichweite, 200 km/h Spitzengeschwindigkeit. Verzichtserklärung? Von wegen.

Viele glauben, dass das Elektroauto-Zeitalter in Deutschland nun bald beginnt. In Deutschland kommt in einigen Monaten BMW mit seinem Elektroauto i3 auf den Markt, einem Stromer aus dem Leichtbaumaterial Carbon. Ein kleines Auto, das an die 40.000 Euro kosten soll. Reichweite: 160 Kilometer, bei 170 PS. BMW geht gerade am Anfang nicht davon aus, dass viele Privatleute zugreifen - vor allem für Fuhrparks und Firmenflotten biete sich der i3 an, heißt es im Konzern. Und doch ist der i3 ein Test: Setzt er sich durch, hat BMW mit seiner Strategie richtig gelegen. Läuft das Geschäft schleppend, wäre dies ein Punkt für die Elektroauto-Skeptiker. Zum Beispiel die Manager bei Audi und VW, die zurzeit lieber auf Autos mit Hybridantrieben setzen. Ein "Marathon" sei die Elektrifizierung der Autos, "kein Sprint", sagt Audi-Chef Rupert Stadler.

Endpunkt unbekannt

Und selbst bei diesem Marathon weiß niemand, wo und wann genau der Endpunkt kommt. Die Lage ist derzeit konfus. Studien werden in Monatsintervallen geschrieben. Studien, die dem Elektroauto eine große Zukunft bescheinigen. Und skeptische Studien, die ausrechnen, warum sich der Bau von Elektroautos wegen der hohen Preise weder für die Hersteller noch für die Kunden lohnt. Dazu: die teuren und anfälligen Riesenbatterien unter der Fahrgastzelle, die wenigen Aufladestationen vor allem im ländlichen Bereich, der Streit um den Aufladestecker-Standard.

Und doch glaubt VDA-Präsident Matthias Wissmann an das Elektroauto. Der Chef des Verbands der Autoindustrie erwartet fürs zweite Halbjahr 2013 und für 2014 steigende Verkaufszahlen bei Elektroautos. Bis 2014 kämen immerhin an die 16 Modelle neu auf den Markt. "Wir werden dann über einige Zehntausend Fahrzeuge reden und Mitte des Jahrzehnts hoffentlich auch über eine sechsstellige Zahl", sagte er neulich. Die Prognose ist deshalb bemerkenswert, weil sie aus der Industrie kommt. Daher, wo man Elektroautos noch bis vor Kurzem in etwa für so dynamisch hielt wie handbemalte Hollandräder. Vieles spricht dafür, dass Wissmann mit der Prognose nicht ganz daneben liegt. Gewiss, es wird viele neue Elektro- und Hybridmodelle geben. Aber es wird auch daran liegen, dass den Herstellern wegen der strengeren CO2-Auflagen aus Brüssel gar nichts anderes übrig bleibt.

© SZ vom 26.06.2013

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite