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Elektroautos:Es lade Licht

Ein BMW i3 an der Stromtankstelle

Bisher werden Elektroautos wie der BMW i3 an speziellen Ladesäulen "getankt". Die sind aber teuer und kosten im Schnitt 10 000 Euro pro Stück.

(Foto: oh)

Wie kommt der Strom ins Elektroauto? Mehrere Städte wollen Straßenlaternen als Ladestationen nutzen - was einfacher klingt, als es ist.

Dass in Deutschland kaum Elektroautos verkauft werden, liegt nicht nur an ihrer geringen Reichweite. Sondern auch daran, dass es kaum öffentliche Ladesäulen gibt. Wer nicht die Möglichkeit hat, die Batterie seines E-Autos in der heimischen Garage mit elektrischer Energie zu versorgen, braucht derzeit noch viel Glück, um sich einen der begehrten Parkplätze an einer "Stromtankstelle" zu sichern.

Zwar bieten Apps Übersicht, wo Elektroautos geladen werden können, doch die angebotenen Stationen arbeiten nicht systemübergreifend. Das heißt, nicht jedes Modell kann überall an den Strom angeschlossen werden. Hinzu kommen viele unterschiedliche Bezahlmodelle, die zusätzlich Verwirrung stiften.

Light And Charge System von BMW
(Foto: BMW)

Um das zu vereinfachen, hat BMW eine LED-Straßenlampe vorgestellt, die gleichzeitig als Ladesäule für Elektroautos dient. Diese soll durch einen standardisierten Anschluss für alle Fabrikate nutzbar sein. Zwei Prototypen stehen vor dem Firmengebäude in München, im Frühjahr startet in Zusammenarbeit mit der bayerischen Landeshauptstadt ein erstes Pilotprojekt unter dem Namen "Light And Charge". So soll ein flächendeckendes System in München vorangetrieben werden. Laut BMW soll dafür keine gesonderte Infrastruktur nötig sein. Bezahlt wird bargeldlos per App.

BMW ist nicht das erste Unternehmen, das auf die Idee gekommen ist, Straßenlaternen als Ladestationen für Elektroautos zu nutzen. Die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) stellte bereits im vergangenen Jahr ein ähnliches System vor, das zusammen mit den lokalen Stadtwerken koordiniert wird und noch bis 2015 läuft. Die aufladenden Straßenlaternen aus Sachsen können per App, Ladekarte oder TAN-Verfahren genutzt werden.

Erste Prototypen 2015 in Leipzig

Ursprünglich war geplant, dass der scheckkartengroße Computer an bestehenden Laternen angebracht werden sollte, doch das Stromnetz Leipzigs ist dafür nicht geeignet und es müssen nun neue Stromleitungen gelegt werden. Hinzu kommen behördliche Maßnahmen, Regulierungen und Genehmigungen, die die Stadtverwaltung erst einholen muss. "Das ist schwierig", so Prof. Dr.-Ing. Andreas Pretschner von der Uni Leipzig. "Ich bin froh, dass wir das nicht machen müssen." Von technischer Seite sei man jedoch bereit. Die ersten Prototypen sollen voraussichtlich in einem Leipziger Straßenzug im nächsten Jahr in Betrieb genommen werden.

In Berlin rüstet das Unternehmen Ubitricity insgesamt 100 Lichtmasten um. Das Start-up hat ein simples System entwickelt, mit dem sich potenziell 5000 der bestehenden 180 000 Straßenlaternen als Ladestationen nutzen lassen: Ubitricity baut einfach Steckdosen in die Säulen ein. "Die Besonderheit unserer Lösung liegt darin, dass die Autofahrer einen mobilen Stromzähler eingebaut im Ladekabel zum Ladepunkt mitbringen", erklärt Sprecherin Nina Keim.

Die SIM-Karte überträgt Menge und Abrechnungsdaten. Die meisten anderen Anbieter rechnen direkt an der Dose ab. Den kommerziellen Start peilt Ubitricity für 2015 an, wenn der Anschluss in der Laterne in Serie gehen, für 300 Euro pro Stück. Zum Vergleich: Eine eigene Ladesäule für Elektroautos kostet laut Energieversorgern rund 10 000 Euro.

Die Realität sieht anders aus

Doch was in der Theorie einfach klingt, sieht in der Praxis ganz anders aus. Auch wenn die Kombination von Lichtmasten und Ladestationen auf den ersten Blick als nächstliegende und sinnvolle Kombination erscheint, sind in der Realität einige Hürden zu überwinden.

Zu allererst müssten Parkplätze nur für Elektroautos vor den Laternen reserviert werden. Was sich in urbanen Ballungszentren schwierig gestaltet, in denen chronische Not an Abstellplätzen herrscht. Dann ist zu klären, wie man sicherstellt, dass nur grüner Strom verwendet wird. Denn was nützt das umweltfreundlichste Elektroauto, wenn es mit Kernenergie gespeist wird? Und drittens: In vielen Städten hängen die Laternen an Drähten über der Straße - und sind so nicht als Ladestation geeignet. Von rechtlichen Verordnungen, in die jeweils andere Ämter eingebunden sind, einmal ganz abgesehen. Der Verwaltungsaufwand ist enorm.

Deswegen entschied sich der Berliner Senat für ein kompliziertes Vergabeverfahren, bei dem verschiedene Technologien in Wettbewerb treten sollen. Darauf blicken alle gespannt, da die dortige Entscheidung den Impuls geben könnte, welche Technologie sich im Rest der Bundesrepublik durchsetzt. Ein Jahr ist man deswegen mittlerweile in Verzug. In Berlin geht es um 188 000 Straßenlaternen, 5000 kommen für das Projekt in Frage. Gernot Lobenberg, Chef der Berliner Agentur für Elektromobilität übt sich trotzdem in Geduld: "Wir bauen hier nicht einfach eine Straße", erklärte er der Süddeutschen Zeitung. "Lieber machen wir ein vernünftiges Verfahren als einen Schnellschuss."