bedeckt München 18°

E-Autos nachhaltig laden:Mein Haus, meine Ladestation

Illustration: Stefan Dimitrov

900 Euro Förderung für eine Wallbox: Was Antragsteller bei dem leistungsstarken Privatanschluss für ihr Elektroauto beachten müssen.

Von Ramona Dinauer

Der Bund hat einen Boom bei privaten Ladestationen ausgelöst. Bis zum 22. Februar wurden etwa 238 000 Förderanträge für knapp 294 000 Ladepunkte gestellt. Obwohl der Etat bereits von 200 auf 300 Millionen Euro aufgestockt wurde, ist das Geld bald aufgebraucht - nur ein Rest von 35 Millionen Euro steht laut KfW aktuell noch zur Verfügung.

Wer in absehbarer Zeit die Anschaffung eines Stromer plant, sollte die Förderung also möglichst bald beantragen. E-Mobile liegen im Trend: Im vergangenen Jahr haben die Deutschen die Innovationsprämie für den Kauf von insgesamt einer Viertelmillion elektrifizierter Fahrzeuge beantragt. "Es müssen alternative Möglichkeiten für Ladestationen gefunden werden, weil man mit dem Ausbau der öffentlichen Ladestationen nicht hinterherkommt", sagt Frank Müller, Gründungsmitglied des Bundesverbands E-Mobilität. Vornehmlich sollen die vielen E-Autos zu Hause geladen werden.

Mit der Förderung der privaten Ladestationen sind also große Hoffnungen verbunden: "Damit kommen wir unserem Ziel - Laden für alle, immer und überall - einen entscheidenden Schritt näher", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Oktober. Seit November können nun Eigentümer von Häusern und Wohnungen sowie Vermieter von Wohnraum den Zuschuss beantragen. Vorausgesetzt die Ladestationen gehören zu privaten Stellplätzen oder Garagen. Auch Mieter selbst können den Förderantrag mit der Zustimmung des Vermieters stellen. Dann tragen sie jedoch auch die Installationskosten, die über die Zuschusssumme von 900 Euro für jeden privaten Ladepunkt hinausgehen.

Bund, Länder und auch einige Kommunen schütten Fördermittel momentan mit der Gießkanne aus. Um die Kunden zum Umstieg auf umweltfreundliche Autos zu animieren, gibt es 9000 Euro Innovationsprämie für die Anschaffung eines reinen Batteriefahrzeugs sowie 6750 Euro bei Plug-in-Hybriden. Ein elektrisches Fahrzeug sei aber ökologisch nur dann sinnvoll, "wenn es auch mit grünem Strom fährt", betont Müller. In diesem Sinne erhöht die KfW-Förderung nicht nur die Zahl der Ladepunkte, sondern gibt auch einen gezielten Anreiz zur Nutzung von Öko-Strom: Der Abschluss eines "grünen" Strom-Vertrags ist die Voraussetzung für die Förderung. Auch für private Fotovoltaikanlagen und Energiespeicher gibt es günstige KfW-Kredite, damit möglichst viel nachhaltig erzeugte Energie möglichst effizient ins Auto fließt.

Kundinnen und Kunden werden mit den 900 Euro Zuschuss vom Staat kaum alle Kosten rund um die private Wallbox decken. Denn neben der Anschaffung werden noch die Installation durch einen Elektriker und das Energiemanagementsystem zur Steuerung der Ladestation fällig. Insgesamt kommen schnell mehr als 2000 Euro zusammen. Hat die gewünschte Ladestation mehr als einen Ladepunkt, ist der Zuschuss höher - allerdings nur, solange pro Ladepunkt mehr als 900 Euro anfallen. Bei zwei Ladepunkten muss also der Schwellenwert von 1800 Euro überschritten werden, bei drei Punkten entsprechend 2700 Euro. Für eine Förderung muss die Ladestation noch weitere Bedingungen erfüllen: Sie muss intelligent gesteuert werden, um beispielsweise die Ladedauer zu begrenzen. Und es muss wie gesagt Ökostrom mit maximal elf Kilowatt (kW) in die Station fließen. Ein Anschluss mit mehr als elf kW sei für den Hausgebrauch auch nicht nötig, sagt Müller.

Beantragen sollten E-Autofahrer und Fahrerinnen den Zuschuss so schnell wie möglich, empfiehlt auch der Experte. Schließlich ist der schon einmal aufgefüllte Fördertopf bald leer. Der Antrag muss online beim Zuschussportal der KfW gestellt werden. Unter dem Suchbegriff "KfW-Programm 440" ist die entsprechende Webseite einfach zu finden. Wer mag, kann einen Kostenvoranschlag bei dem Elektriker einzuholen, der die Ladestation installieren soll. Viele Autohersteller bieten ihre Wallboxen auch mit einem Installations-Service an. Wichtig ist, dass der Auftrag vor der Antragstellung noch nicht vergeben ist.

Ist der Zuschuss einmal bestätigt, müssen die Antragsteller noch ihre Identität, meist per Schufa-Identitätscheck, nachweisen. Danach kann eine Wallbox aus der KfW-Liste der zulässigen Modelle bestellt und ihr Anschluss in Auftrag gegeben werden. Die Auszahlung der Förderung erfolgt erst, nachdem die Installation ausgeführt und die entsprechenden Rechnungsnachweise eingereicht wurden.

Zu Beginn des KfW-Programms gingen mehr als zehntausend Anträge pro Tag ein. Bei diesem Ansturm gerieten andere Förderformen für E-Ladestationen schnell in den Hintergrund. Zuschüsse gibt es aber auch von manchen Bundesländern und auf kommunaler Ebene. Einige dieser Programme sind im vergangenen Jahr ausgelaufen. Es gibt aber auch Ausnahmen: In Hamburg zum Beispiel können unter anderem Unternehmen, Arbeitgeber, Vereine und Wohnungsbaugesellschaften eine Förderung für Ladestationen erhalten. Zwischen 40 und 60 Prozent der Kosten für Hardware, Installation und Betriebsführung der Stationen fördert die Hansestadt auf privatem Grund.

Ein ähnliches Programm bietet auch die Stadt München. Mit bis zu 6000 Euro pro Ladepunkt fördert die Stadt größere Ladeinfrastrukturprojekte mit mindestens elf Ladepunkten. Fördermittel seien noch genügend vorhanden, teilt die Stadt mit. Bis September 2022 läuft das Programm "Laden in München" vornehmlich für Gewerbebetriebe und Wohnungseigentümergemeinschaften. Mit der KfW-Förderung lässt sich dieser Zuschuss nicht kombinieren.

© SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema