Digitaler Fuhrpark:Steuern mit dem Smartphone

Daniel Pfeifenberger, Imkermeister & Vorsitzender Bienenlieb - mehrdafon GmbH

Daniel Pfeifenberger, Imkermeister und Vorsitzender der Bienenlieb GmbH, nutzt Elektrofahrzeuge und den digitalen Flottenmanager im Fuhrpark.

(Foto: Vimcar)

Viele mittelständischen Firmen tun sich schwer bei der Umstellung auf Elektroautos. Wie IT-Experten ihnen dabei helfen.

Von Joachim Becker

Verkehrswende bei den Dienstwagen: Der Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen in Flotten hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. Auch studierte Freiberufler finden zunehmend Gefallen an den Stromern. Die im vergangenen Jahr nochmals erweiterte steuerliche Bevorteilung von Firmenwagen mit umweltfreundlichen Antriebsformen zeigt also Wirkung. Das ergibt eine neue Auswertung von Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes durch das Marktforschungsunternehmen Acxiom.

Aber wie läuft die Umstellung auf die E-Mobilität im Detail - vor allem in den Firmenfuhrparks, auf die mehr als 60 Prozent der bundesweiten Fahrzeug-Neuzulassungen entfallen? Nach Angaben des Zentrum Technik und Gesellschaft der FU Berlin sind Firmenautos für drei Viertel der CO2-Emissionen von Neuwagen hierzulande verantwortlich. Nirgends hätte die Antriebswende einen größeren Effekt als in diesem Fahrzeugsegment.

Nur relativ wenige Firmenwagen gehören in Deutschland zu großen Flotten. "Der Handwerksbetrieb, der Pflegedienst, der Kommunalbetrieb, der Gartengroßhandel. Das ist der eigentliche Massenmarkt", sagt Andreas Schneider, Mitbegründer der Software-Firma Vimcar: "Die ganz großen Flotten sind ja eher die Ausnahme. 80 Prozent der Firmenwagen sind in Fuhrparks mit weniger als 50 Fahrzeugen unterwegs, viele davon als betriebliche Funktionsfahrzeuge."

Bei diesen Vans sei der Managementbedarf viel höher und der Kostendruck auch größer als bei persönlich zugewiesenen Dienstwagen, die als Gehaltskomponente fungieren, so der Experte. Vimcar bietet digitale Fuhrparklösungen vor allem für kleine und mittlere mittelständische Unternehmen an. Bei diesen Flotten mit durchschnittlich etwa zehn Fahrzeugen gibt es keinen hauptberuflichen Fuhrparkmanager. Auch deshalb fällt die Umstellung auf die E-Mobilität hier besonders schwer.

Mehr als fünf Millionen Fahrzeuge mit einem gewerblichen Halter gab es im Jahr 2020 in Deutschland - elf Prozent vom Gesamtbestand. Allerdings werden viele Firmenwagen nur für wenige Jahre geleast und ausgetauscht, bevor der Wertverlust zu hoch ist. Die Firmenflotten erneuern sich also schneller als der Gesamtbestand mit einem durchschnittlichen Fahrzeugalter von fast zehn Jahren.

"Wir merken, dass sich unsere Kunden zunehmend mit der Elektrifizierung beschäftigen - dabei aber ganz am Anfang stehen", berichtet Andrea Schneider. Eine Auswertung der Vimcar-Mobilitätsdaten zeigt, dass unter den 87 000 betreuten Fahrzeugen nur zwei Prozent reine E-Mobile sind. Dabei liegt die durchschnittliche Fahrstrecke bei lediglich 26,8 Kilometern. Reichweitenangst ist also nicht die größte Hürde. Insgesamt gebe es noch viele Fragezeichen rund um die Elektrifizierung. "Da geht es nicht nur um Kosten, sondern auch um die Lade- und Einsatzmöglichkeiten", so Schneider.

Laden statt tanken, das ist nur die eine Seite des Wandels. "Generell sehen wir, dass die Digitalisierung bei den kleineren Betrieben jetzt Fahrt aufnimmt. Das hat sich durch die Corona-Krise eher beschleunigt." Digitale Assistenten sollen für die Fragen der Nutzer rund um die Uhr da sein: "Für diese Zielgruppe braucht man eine proaktive Software, die klare Entscheidungshilfen liefert und nicht viel Zeit in Anspruch nimmt." Das System meldet sich etwa, wenn der Kraftstoffverbrauch eines Fahrzeugs zu hoch ist oder der Leasing-Vertrag in einigen Monaten ausläuft. Schneider: "Das gibt es als Lösung für den Web-Browser, aber wir sehen gerade auch in Großbritannien, dass die App-Anwendung immer wichtiger wird. Da fragen immer mehr Firmen, ob sie nicht auch die Verwaltung über das Smartphone machen können."

Das vernetzte Kleinprogramm ist immer zur Hand und kann dem Fahrer ganz praktische Hilfestellung leisten - als Buchungskalender für die Fahrzeugbelegung oder in Form eines digitalen Schadensmanagements bei einem Unfall. Außerdem lassen sich die Autos per Smartphone öffnen; der Schlüsseltausch muss also nicht mehr über einen Empfang organisiert werden. Vor allem kennt der digitale Fuhrparkleiter jedes einzelne Fahrzeug genau. "In einem Report erfährt der Kunde etwa, welche Strecken er relativ einfach elektrifizieren kann und wo er eine Ladestation installieren soll", erklärt Andreas Schneider. Dafür wertet das Unternehmen anonymisierte Fahrzeugdaten zu üblichen Routen und Parkstandorten aus und zeigt dem Betreiber individuell auf, welcher Teil der Flotte sich problemlos elektrifizieren ließe.

"Über den Diagnose-Stecker (OBD) lesen wir automatisch die Fahrgestellnummer und die Fahrtzeiten aus, schließlich hat Vimcar mit einem elektronischen Fahrtenbuch angefangen", sagt der 34-jährige Firmenchef. 2013 hob er den Software-Dienstleister kurz nach dem Betriebswirtschaftsstudium aus der Taufe, heute arbeiten in Berlin mehr als 200 Mitarbeiter an Lösungen für das vernetzte Fahrzeug. Frei nach dem Motto: Jedes Unternehmen sitze auf einem Datenschatz, der sich auch für die Elektrifizierung nutzen lasse. Schließlich gibt das digitale Logbuch auch Antwort auf die Frage, ob sich ein Fahrzeug komplett durch Synergien einsparen lässt. "Das hilft ja auch bei der CO2-Bilanz und spart pro Fahrzeug etwa 10 000 Euro pro Jahr", sagt Andreas Schneider.

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