bedeckt München 20°
vgwortpixel

Elektro-Boote:Selbst bei Vollgas herrscht Ruhe

Ganz Elovation Epox mit Torqueedo Deep Blue 80i

Das Boot Ganz Elovation Epox 6.8 wird vom Elektromotor Torqeedo Deep Blue 80i angetrieben.

(Foto: Torqeedo)

Inzwischen fahren sogar Yachten elektrisch: Eine neue Generation von E-Antrieben revolutioniert den Bootsbau. Weltmarktführer ist eine Firma aus Bayern.

Es fehlt nur das Röhren am Heck. Und der Benzingestank. Sonst ist alles, wie man es von einem kräftigen Motorboot kennt. Ist der Gashebel vorwärts geschoben, drückt es die Insassen in ihre Sitze, und nach nur drei Sekunden hebt sich das Boot spürbar aus dem Wasser. Der Rumpf wälzt keine träge Bugwelle mehr vor sich her, sondern rast in Gleitfahrt über die Kräusel des an diesem Tag leicht kabbeligen Starnberger Sees. Am Heck sprudelt es und eine weiße Schaumschleppe bildet sich. Mit mehr als 30 km/h peitscht das 3,70 Meter lange Festrumpf-Schlauchboot über das nasse Element. Nur der charakteristische Lärm eines Zwei- oder Viertakters fehlt. Doch, ganz ehrlich, der fehlt ganz und gar nicht.

Mit Elektrobooten an den Touristenstegen, neun Euro die halbe Stunde, hat das hier nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun. In weniger als fünf Minuten ist der See von West nach Ost überquert. In einer guten halben Stunde wäre Seeshaupt am Südende des knapp 20 Kilometer langen Gewässers erreicht. Steuermann und Passagier können sich bei voller Fahrt in Zimmerlautstärke unterhalten.

Wasserschlitten Badespaß mit Hightech und Elektromotor
Wasserschlitten im Test

Badespaß mit Hightech und Elektromotor

Mit dem Seabob F5 S kann man sich über die Wasseroberfläche ziehen lassen und bis zu 40 Meter tief tauchen. Das ideale Spielzeug für den Strand- oder Segelurlaub - allerdings ein sehr teures.   Test von Roland Löwisch

Ein völlig neues Bootsgefühl

Es ist ein völlig neues Bootsgefühl, das der weltweit führende Hersteller von Elektro-Bootsantrieben anlässlich einer Vorführung auf dem Starnberger See eindrucksvoll vermittelt. Torqeedo heißt die vor zehn Jahren gegründete und mittlerweile in Gilching ansässige Firma. Der Name ist ein Kunstwort aus torque (Drehmoment) und speed (Geschwindigkeit). Standardprodukt sind bislang kleinere, tragbare Elektroaußenborder für Kajaks, Tender oder Segelboote.

Vor allem Segler sind froh, wenn sie für Hafenmanöver und Extremflauten keinen knatternden Zweitakter mehr anwerfen müssen und auf das dafür nötige Benzin an Bord verzichten können. 50 000 dieser Torqueedo-Außenborder, vor allem der "Travel"-Baureihe, sind weltweit bereits im Einsatz. Und so wie in der Autowelt visionäre Hersteller wie Tesla nun Oberklasse-Limousinen elektrifizieren, geht es nun auch in der Bootswelt in höhere Ligen.

Es kommt auf den Vortrieb an

Um zu verstehen, was moderne Elektroantriebe in der Welt der Boote und Yachten bewirken, sei ein kurzer Exkurs in die Physik erlaubt: Bootsmotoren werden üblicherweise mit PS beziffert, so wie Autoantriebe. Diese Maßeinheit ist jedoch trügerisch. Sie beschreibt lediglich die Leistung des Aggregats, also die pro Zeit verbratene Energie. Wie viel dieser Energie dafür draufgeht, den Motor - und somit die Umwelt - zu erhitzen oder das Wasser sinnlos zu verquirlen, ist damit nicht gesagt. 20 PS können also sehr Unterschiedliches bedeuten. Die physikalisch entscheidende Größe ist der Vortrieb. Und diesen kann ein Elektroantrieb gepaart mit einer präzise abgestimmten Schraube auf erstaunliche Weise zur Geltung bringen.

"Cruise 10.0" nennt Torqueedo eines seiner neuen Aggregate. Unauffällig wie ein kleiner Außenborder hängt der modern designte Motor am Heck und bringt das eingangs genannte Schlauchboot auf Touren. Der Vortrieb entspricht einem klassischen 20-PS-Außenborder.