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Eisenbahnnetz in Europa:Geisterzüge in Italien

Europa ermöglicht es der Deutschen Bahn, Verbindungen nach Italien in Konkurrenz zur dortigen Staatsbahn anzubieten - aber im offiziellen Fahrplan sind die nicht zu finden.

Wo bitte geht es hier nach München? Wer sich in Mailands Hauptbahnhof nach einer Zugverbindung in die Bayerische Landeshauptstadt erkundigt, wird auf einen Nachtzug verwiesen. Die Internetseite der Italienischen Staatsbahnen (Trenitalia) bietet ebenfalls nur selbigen Nachtzug an.

Mailand Hauptbahnhof

Abgefahren: Von Mailand nach München in sauberen Zügen mit gutem Service - dieses Angebot der Deutschen Bahn kennen nur wirklich Eingeweihte.

Gerüchteweise ist jedoch zu hören, es gebe einen neuen Zug nicht von der Centrale aus, sondern von der Stazione Porta Garibaldi morgens kurz vor sieben. Beim eben erst umgebauten Garibaldi-Bahnhof, der hauptsächlich für den Regionalverkehr genutzt wird, gibt es zwar kein Auskunftsbüro, aber am Fahrkartenschalter des Bahnhofs bekommt man endlich einen ersten Hinweis.

Der freundliche Beamte weiß von einem Zug Abfahrt Porta Garibaldi um 6.59 Uhr. Der werde allerdings nicht von der Trenitalia, sondern von Le Nord, der Regionalbahn der Lombardei gestellt. Fahrkarten könne er deshalb keine verkaufen, die gebe es am Bahnhof Cadorna, dem Bahnhof der Nord-Linien.

Also auf zum dritten größeren Bahnhof der Stadt, nach Milano-Cadorna. Nein, erklärt dann aber die Dame bei der Auskunft immerhin höflich, am Bahnhof sei das leider nicht möglich, aber das könne man im Zug machen, ohne Aufpreis.

Am nächsten Morgen, kurz vor sieben, trifft man im Garibaldi-Bahnhof auf ein Häuflein Verschworener. Sie warten unter der großen Anzeigetafel. Und wirklich, ja, da steht es: "München Hbf". Das Gleis erscheint allerdings erst in letzter Sekunde, es ist Nummer 20, das letzte am äußersten Ende des Kopfbahnhofs. Als schäme man sich eines Geisterzuges.

Doch der zeigt sich alles andere als gespenstisch. Es sind blitzsaubere Wagen der ÖBB und im Speisewagen wartet bereits das Frühstücksangebot. Das Personal an Bord ist mehrsprachig und die Fahrkarte gibt's tatsächlich zum Normalpreis (83,90 Euro) vom Schaffner.

Der Zug ist ein Joint Venture zwischen der Deutschen Bahn und der Österreichischen Bundesbahn. Sie haben die Liberalisierung im europäischen Zugverkehr genutzt, um Reiseverbindungen zwischen Süddeutschland und Norditalien anzubieten, nachdem sich Verhandlungen mit den Italienischen Staatsbahnen zerschlagen hatten.

RailJet

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