Süddeutsche Zeitung

Einmal im Leben:Silvester in Rio

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Was für ein schöner Brauch: In der Silvesternacht ist es üblich, ins Wasser zu waten und Blumen in die Wellen zu werfen. Und danach wird gefeiert.

Von Jochen Temsch

Die erste Warnung, die Touristen in Rio de Janeiro zu hören bekommen, ist: Geh bloß nicht nachts an den Strand. In der Dunkelheit und Einsamkeit sind naive Urlauber leichte Beute für Diebe. Diese Regel gilt an 364 Tagen im Jahr, aber nicht am 31. Dezember. Denn an diesem Tag ist nichts mit Einsamkeit. Dann stehen ungefähr zwei Millionen Menschen am Saum des Meeres an der Copacabana oder in Ipanema. Und in die Dunkelheit strahlen Scheinwerfer von mehreren Bühnen, auf denen Bands spielen oder DJs auflegen. Die meisten Cariocas tragen Weiß, auch viele Touristen halten sich an den Brauch, mit heller Kleidung einen neuen, reinen Anfang zu symbolisieren.

Außerdem ist es in der Silvesternacht üblich, ins Wasser zu waten und Blumen in die Wellen zu werfen. Dabei wünscht man sich was. Adressatin ist die Göttin Lemanjá. Sie ist in den in Afrika wurzelnden, in Brasilien lebhaft praktizierten Naturreligionen zuständig für Meer und Mutterschaft. Ist das erledigt, geht man tanzen oder setzt sich und steckt seine Zehen in den warmen Sand. Selbst nachts hat es in Rio jetzt Temperaturen um die 30 Grad. Dezember ist Sommer in Brasilien. Abkühlung verschaffen die fliegenden Händler, die Caipirinha anbieten - im Gegensatz zur europäischen Variante mit ganzen Eiswürfeln statt zerstoßenen (schmelzen langsamer) und mit weißem Industriezucker statt braunem Rohrzucker (wie kann man bloß schmutzigen Süßstoff nehmen, wenn es auch sauberen gibt?).

Das gigantische Feuerwerk wird auf dem Wasser von Schiffen und Flößen aus gezündet. Die Party dauert bis Sonnenaufgang. Das Jahr fängt schon mal gut an. Jochen Temsch

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