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·:Einfach fett Gas geben

Nur einmal habe er Rindertalg getankt und sei damit auf eine Alm gefahren. Damals, sagt er, hätten Kühe sein Auto von oben bis unten abgeschleckt und mit ihren Kuhglocken verkratzt. Kann passieren.

Auch die Menschen reagieren auf sein Auto. Sie staunen immer, wenn sie sehen, was er sich in den Tank schüttet. Und sind neugierig, wenn er mit seinem Bio-Car vorfährt, und rüsten dann, wenn überhaupt, doch meist auf Gas um.

"Und warum? Weil das von oben, von der Politik kommt", sagt Georg Lohmann, der wütende Lohmann. Aber er lässt sich nicht beirren, er kämpft seit Jahren schon. An der Wand in seiner Garage hängt eine Deutschlandkarte, in der viele kleine Fähnchen stecken, die meisten im Süden. Doch die Fähnchen breiten sich aus, vermehren sich, Richtung Norden. Lauter Kunden.

Keiner schüttet Rapsöl in eine S-Klasse

Aber auch wenn er sich in diesem Jahr vor Arbeit kaum retten kann, durchgesetzt hat sich Lohmann nicht. Im Winter geht das Geschäft ohnehin zurück. Die Kälte arbeitet gegen das Rapsöl. Und die Partikelfilter, die sich mit dem Rapsöl nicht vertragen.

Und die Leute, die sagen, dass Rapsöl nur durch Subventionen marktfähig ist. Und die Autohersteller und Einspritzpumpenhersteller auch, sagt Lohmann. Er hat zwar die ganze Szene mit seinem Bausatz gefüttert. Aber die Szene ist klein.

Rapsöl, sagt Lohmann, ist eine Sache von Spinnern und Bauern. Keiner schüttet das in einen neuen S-Klasse-Mercedes. Nicht nur, weil die Garantie verfällt. Es ist auch der Geruch, wenn man das Auto anlässt. Süßlich. Den findet einer wie Lohmann lustig, andere peinlich. Lohmann sagt: "Herrgott, da sind die Deutschen mal wieder in etwas führend, und machen nichts draus, die Knallköpfe."

Je neuer das Auto, desto schwerer umrüstbar

So einfach ist es also nicht, das mit dem Raps und dem Auto und dem Geldsparen. Im Gegenteil. Lohmann wird nicht ernst genommen. Er sieht das so: In diesem Land arbeitet die Zukunft gegen die Zukunft. Je neuer die Autos, desto weniger gut sind sie umrüstbar.

Lohmann beschäftigt sich jetzt viel mit Verschwörungstheorien. Das Thema werde totgeschwiegen, weil eine Menge Leute gar kein Interesse daran hätten, dass es sich durchsetzt. Und die Bauern hätten nicht das Geld, um für ihr Produkt zu werben. Einmal sei er für einen Film bei BMW vorgefahren mit seinem Rapsauto. Schon länger her. Ein paar Ingenieure hätten sich seine Konstruktion mit dem Zweittank angeschaut, dann hätten sie rumgedruckst und gesagt, Diesel sei ohnehin nur eine Nische. Gesendet wurde es nie.

"Eine Nische", Lohmann lacht, wie Menschen lachen, die eigentlich schon aufgegeben haben. "Diese Ingenieure haben alle einen Röhrenblick. Wir haben ein Klimaproblem, pusten weiter Kohlenstoff in die Atmosphäre und das Zeug ist noch dazu endlich. Und dann dieses Blabla der Ahnungslosen."

Dann knackst das Glas mit dem Fett am Ofen. Es ist heiß, Lohmann nimmt es in die Hand, schwenkt es wie einen Rotweinkelch. Das Fett ist jetzt flüssig. Gelblich-trüber Treibstoff. Lohmann lächelt. Vielleicht auch, weil er weiß, dass er nicht ganz alleine ist. Es gibt einige, die Geld sparen, Klima schützen, Fett verfahren wollen.

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