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Studie:Was vom E-Scooter-Hype geblieben ist

Nutzloser Elektroschrott für Touristen oder nützliches Verkehrsmittel für Städte? Eine Studie zeigt, wie das erste Fazit von Stadtbewohnern zu E-Scootern ausfällt.

Braucht's das wirklich? Bei kaum einem anderen Thema wurde diese Frage in den letzten Monaten so oft gestellt wie bei den E-Scootern, diesen kleinen elektrischen Stehrollern, die seit diesem Sommer auch in deutschen Städten an jeder Ecke stehen. Elektroschrotthaufen, Knochenbrüche und Anarchie auf Radwegen und Straßen wurden vorhergesagt. Und dass sich der Hype um die kleinen Flitzer schnell wieder legen würde, weil es ja doch recht teuer sei, damit von A nach B zu kommen. Doch wie sieht die erste Bilanz der Stadtbewohner aus? Bleiben die E-Scooter wirklich eine vorübergehende Erscheinung oder haben sie bereits treue Fans? Eine Studie der Strategieberatung Nunatak hat jeweils 250 Menschen in München, Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt. Dabei zeigt sich: Gerade für jüngere Menschen sind E-Scooter schon nach wenigen Monaten zu einem wichtigen Verkehrsmittel geworden.

17,7 Prozent der Befragten gaben an, die elektrischen Stehroller zu nutzen. Nur der öffentliche Nahverkehr sowie Car- und Bikesharing erreichten bei der Umfrage höhere Werte. Was sich auch zeigt: Wer E-Scooter nutzt, tut das oft mehrfach pro Woche. Diese Zahlen sind umso bemerkenswerter, da nur Menschen befragt wurden, die tatsächlich in einer der fünf Städte leben. Andere Umfragen hatten ergeben, dass E-Scooter hauptsächlich von Touristen genutzt wurden und für die eigentliche Stadtbevölkerung eher eine zusätzliche Belastung als ein alltägliches Verkehrsmittel seien.

Was die Studienmacher außerdem herausfanden: Es wächst offenbar eine Generation in den Städten heran, für es selbstverständlich ist, Mobilitätsservices wie Leihroller, Fahrdienste oder Carsharing zu nutzen. Bei den 18-25-Jährigen gaben 70 Prozent an, mindestens einen dieser Dienste zu nutzen. Bei den 56-65-Jährigen sind es dagegen bislang nur 24 Prozent. Auch die E-Scooter sind besonders bei jungen Menschen beliebt.

Für welche Fahrten werden die elektrischen Stehroller tatsächlich genutzt? Darauf gibt die Befragung eine klare Antwort: E-Scooter ersetzen hauptsächlich Fahrten mit dem ÖPNV oder Fußwege. Bei der Frage, welches Verkehrsmittel die Menschen sonst genommen hätten, gaben zwei Drittel an, mit dem E-Scooter eine Bus- oder Bahnfahrt ersetzt zu haben. Immerhin 20 Prozent der E-Scooter-Strecken wären sonst mit dem eigenen Auto zurückgelegt worden. Dennoch stützen die Studienergebnisse auch die These, dass die E-Stehroller im Zusammenspiel mit dem ÖPNV funktionieren können: 80 Prozent der regelmäßigen E-Scooter-Nutzer fahren auch mehrmals pro Woche mit dem ÖPNV.

Bei der Zufriedenheit mit den neuen Mobilitätsangeboten liegen die E-Scooter in der jungen Zielgruppe vorn. Bei den 26-35-Jährigen schaffen sie es zumindest noch auf Platz zwei hinter dem Car-Sharing. Bei den Altersgruppen über 35 reicht es für die E-Stehroller dagegen nicht mehr für einen der ersten drei Plätze. Es bleibt spannend, ob sich die Gewohnheiten der jetzt jungen E-Scooter-Fans ändern, wenn sie älter werden oder ob der Markt für die E-Flitzer sich weiter vergrößert.

Aus Anbietersicht geht es vor allem darum, möglichst viele Kunden für den eigenen Sharing-Dienst zu gewinnen. In manchen Städten hatten mehr als zehn Firmen angekündigt, E-Scooter aufzustellen. Tatsächlich sind es bisher meist nicht mehr als fünf Marken, zwischen denen die Nutzer wählen können. Welcher Leihscooter es am Ende wird, hängt dabei laut der Nunatak-Befragung in erster Linie von der Verfügbarkeit der Gefährte ab, erst danach schauen die Kunden auf den günstigsten Preis. Weniger wichtig ist dagegen der Fahrkomfort, der nur für 36,3 Prozent relevant ist.

Die Studie gibt auch einen Eindruck, was sich die Menschen in den Städten von der Politik erwarten - und wie sie die Mobilitätswende bisher beurteilen. Was die Politik bisher umgesetzt hat, bewerten 66,4 Prozent als befriedigend. Dabei sind die jüngeren Befragten viel positiver als die Älteren. 36,4 Prozent der 18-25-Jährigen bewerten die bisherigen Maßnahmen der Politik als "gut" oder "sehr gut", bei den 56-65-Jährigen sehen das nur 20 Prozent so.

Aber was würden die Menschen selbst ändern, wenn sie in ihrer Stadt das Sagen hätten? Die Frage wurde offen formuliert, die häufigsten Antworten: Den ÖPNV verbessern (63%), bessere Fahrradwege (56,6%), mehr E-Ladesäulen (22,4%), Parkplätze in Grünflächen umwandeln (18,4%) und eine City-Maut einführen (15,4%). Interessant dabei: Die meisten Befürworter einer City-Maut und höherer Parkgebühren in den Innenstädten kamen aus München.

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