E-Scooter Scrooser im Test Nichts für die letzte Meile

Der Scrooser fällt vor allem durch seine breiten Reifen auf.

(Foto: Scrooser)

Der Scrooser wird weder die Mobilitätsprobleme in den Städten lösen, noch passt er in die U-Bahn. Spaß macht er trotzdem. Wenn nur nicht die Reichweite wäre.

Von Felix Reek

Plötzlich ist Schluss. Der Scrooser rollt einfach aus. Nach 20 Kilometern ist offenbar der Akku leer. Aber verspricht nicht der Hersteller auf seiner Webseite eine großzügige Reichweite von 55 Kilometern? Wer sich Elektromobilität beschäftigt, weiß: Das ist meist mehr Wunschdenken unter Idealbedingungen. Auch Autos mit dem alternativen Antrieb erreichen kaum die Entfernungen, mit denen die Werbeprospekte Kunden locken. Wobei nicht einmal die Hälfte der angegebenen Maximal-Kilometer bitter ist. Zumal, wenn es bei der ersten Ausfahrt in Strömen regnet und nach einigen Metern klar wird: Ab jetzt wird geschoben. In ein Auto passt der 2900 Euro teure Scrooser genausowenig wie in die U-Bahn. Selbst mit dem Fuß abstoßen ist auf dem 56 Kilogramm schweren Monster-Roller eine Quälerei.

Um es gleich vorweg zu sagen: Der Scrooser wird die Mobilitätsprobleme in unseren Städten nicht lösen. Rein rechtlich gilt er als Mofa und darf nur mit Führerschein bewegt werden. Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h. Fahrradwege sind tabu. Für die sogenannte "letzte Meile" von der S-Bahn bis zur Arbeitsstelle taugt er ebenfalls nicht. Die kann mit dem Scrooser sogar noch viel länger werden, da der E-Scooter mit seinen überdimensionierten Reifen außerordentlich schwer ist. Tragen ist keine Option - und schieben auch nicht gerade ein Vergnügen. Zumal in unserem Test dabei mehrmals der Impulsmotor anspringt und der Roller auf dem Bürgersteig nach vorne schießt.

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Der Scrooser ist vielmehr das, was gemeinhin als "Spaßmobil" umschrieben wird. Seit 2016 ist der E-Scooter auf deutschen Straßen unterwegs und somit lange bevor die Elektromobilität zum Allheilmittel all unserer Verkehrsprobleme überhöht wurde. Das erklärt auch, warum "praktisch" oder "sinnvoll" zwei Begriffe sind, die für dieses Elektrogefährt vollkommen fehl am Platz sind. Es taugt weder zum Pendeln noch für den Transport im öffentlichen Verkehr. Sein Alleinstellungsmerkmal sind die Breitreifen, die ein wenig an das Motorrad von Batman aus der "The Dark Knight"-Reihe erinnern. Sie führen auch zum einzigartigen Fahrgefühl des Scooters.

Durch die überdimensionalen Pneus besitzt der Roller besonders viel Grip, so dass sich der Fahrer regelrecht in die Kurven legen kann. Was er allerdings auch muss, denn der Scrooser ist nicht gerade ein wendiges Gefährt, am ehesten vielleicht mit einem Motorrad-Chopper zu vergleichen. Die breiten Reifen sorgen dafür, dass der Fahrer in Kurven immer einen gewissen Widerstand spürt, quasi die Kante des Profils, die es erst einmal zu überwinden gilt. Schnell reagieren lässt sich so nicht, was gerade im Stadtverkehr anstrengend sein kann. Der Scrooser braucht Platz, damit er das ausspielen kann, was sein Name schon sagt: cruisen.

Auf dem Scrooser nimmt der Fahrer wie auf einem Chopper Platz.

(Foto: Mika Ceron; Scrooser)

Ist der vorhanden, bietet sich ein Fahrgefühl, dass irgendwo zwischen E-Scooter und Vespa liegt. Theoretisch kann der Fahrer auch auf dem Scrooser im Stehen fahren, angenehmer ist das Sitzen auf der Bank. Beschleunigt wird wie bei einem Motorrad per Drehen des rechten Griffes am Lenkrad. Das funktioniert schnell und flüssig, nur an langen Steigungen tut sich der Scrooser schwer und verliert an Tempo, vor allem im Eco-Modus, der nur mit viel Geduld eine Geschwindigkeit von 20 km/h schafft. Wenn die Straße besonders eben ist.

Eine Bremse befindet sich links am Steuer, die andere unter dem Sitz auf dem Trittbrett, wo sie mit der Hacke bedient werden kann. Sonderlich praktisch ist das nicht, da das Pedal verhältnismäßig klein ausgefallen ist, so dass der Fahrer sich immer wieder dabei ertappt, nach der Bremse zu suchen oder wahlweise die Ferse immer darauf zu lassen. Zwei Bremsen am Lenker wären sicher die bessere Lösung. Abgesehen davon hält der Scrooser das, was er verspricht: Er macht einfach Spaß. Zumindest so lange der Akku hält.

Wie lange das wirklich ist, verrät nach einigem Suchen der Blick in das Handbuch des E-Scooters. Auf der allerletzten Seite stellt sich heraus: In den beiden Modi "Hand" und "Sport" schafft der Scrooser maximal 25 Kilometer, in "Comfort" bis zu 40 Kilometer. Die auf der Webseite versprochenen 55 Kilometer erreicht der Scrooser nur im "Eco"-Modus. Von einem "Spaßmobil" kann man dann aber nicht mehr sprechen.

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