Elektromobilität:Wie lange hält die Batterie?

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Elektromobilität: Antriebsakku mit austauschbaren Zellmodulen - hier am Beispiel des vollelektrischen VW ID Buzz.

Antriebsakku mit austauschbaren Zellmodulen - hier am Beispiel des vollelektrischen VW ID Buzz.

(Foto: VW)

Sind E-Autos eher Dauerläufer oder droht mit zunehmendem Alter ein kapitaler Batterieschaden? Erste Langstrecken-Tests stimmen relativ zuversichtlich.

Von Joachim Becker

Alle paar Jahre die Akkus tauschen: Was bei Handys oder E-Bike-Akkus fast schon zur Routine gehört, wäre bei Elektroautos ein kapitaler Schaden. Die Austauschbatterien können je nach Modell bis zu 30 000 Euro inklusive Einbau kosten. Bei einem Gebrauchtwagen rentiert sich das meist nicht, allerdings lassen sich auch einzelne Zellmodule tauschen. Zum Glück sind die mächtigen Batteriepakete in E-Autos keine schnelllebigen Verschleißteile. Darauf weisen die stabilen Restwerte von modernen Elektroautos hin. Zumal die meisten Autohersteller eine achtjährige Batterie-Garantie bis zu 160 000 Kilometer Laufleistung geben.

Aber da geht noch mehr: Der Autovermieter Tesloop in Kalifornien sorgte für Aufsehen, weil in seiner Flotte mehrere Tesla Model S im Dauereinsatz bereits mehr als 800 000 Kilometer abgespult hatten. "Die Autos sterben nie aus Altersgründen", sagte Tesloop-Gründer Haydn Sonnad: "Der Antriebsstrang hält praktisch ewig." In eine große Tesla-Batterie passt etwa 1000 Mal mehr Energie als in ein Handy. Eine Software steuert den Stromfluss und kontrolliert jede einzelne Zelle beim Be- und Entladen.

Auch der ADAC gibt Entwarnung in Hinblick auf vorzeitige Zellalterung: Bei mehreren Langzeittests hätten die Akkus der ersten Elektroautos auf dem Markt eine akzeptable Lebensdauer erzielt. Beispiel BMW i3, Baujahr 2014: Nach fünf Jahren und 100 000 Kilometern betrug die verfügbare Energiekapazität immerhin noch 86 Prozent. Die Ingenieure des ADAC gehen davon aus, dass die Kapazität erst nach etwa 200 000 Kilometern auf 70 Prozent sinkt. Das wäre hochgerechnet nach zehn Jahren.

Etwas anders sieht die Datenauswertung der österreichischen Batterieanalyse-Firma Aviloo aus: "Meist treten die Defekte bei Lithium-Ionen-Akkus erst mit dem Alter auf", erklärt Nikolaus Mayerhofer, Mitgründer und technischer Leiter bei Aviloo im Gespräch mit der Zeitschrift Auto Motor und Sport. "Unsachgemäße Handhabung der Akkus beschleunigt das Altern aber enorm." So könne ein Renault Kangoo mit rund 100 000 Kilometern noch etwa rund 70 Prozent Kapazität haben - oder auch nur noch 34 Prozent der ursprünglichen Reichweite. Häufiges Schnellladen oder eine Tiefentladung lassen die Zellen schneller altern. Es kommt also nicht nur auf den Zelltyp, sondern auch auf den Fahrer und sein Ladeverhalten an.

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