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Driving over Leopold (1): BMW 745d:Der Stoiber-Faktor

Präsidialer Chic oder Statusstress? Die Toplimousine von BMW mag vieles können und verursachen - nur zum Flirten taugt sie nicht. Ein spezieller Autotest mit Lebensgefühl.

Die Redaktion von sueddeutsche.de fährt Auto. Wir wollen wissen, was wir mit unterschiedlichen Autotypen zwischen der Münchner Leopoldstraße, der Allianz Arena und dem Starnberger See so alles erleben. Und zwar ganz ohne Brems- und Beschleunigungstests.

BMW 745d

Was will jemand, der mit diesem Auto vorfährt, zum Ausdruck bringen? Ich hab's geschafft? Ich bin wer, ich hab Geld? Oder einfach nur: Platz da?

(Foto: Foto: Hersteller)

So ein großes karbonschwarzes Auto, mit dem zum Beispiel der Herr Ministerpräsident Bayerns fährt, kann das Leben ganz schön verändern. Die Kinder beispielsweise werden noch Wochen später von dem einzig wahren Dienstwagen sprechen, den der Vater jemals gesteuert hat. Das liegt vor allem daran, dass der Fernsehempfang in dem BMW Modell 745d am Morgen auf dem Weg in die Schule wirklich tadellos ist. So schauen die Neun- und die Zwölfjährige - pädagogisch vielleicht etwas inkorrekt - für diesen Autotest im Kinderkanal sogar jene "Teletubbies", die sie eigentlich längst als "babish" vergessen haben. Frühes Glück im Autofond!

Die Kleinen loben den vielen Platz im Innenraum. Sie streichen über das Holz und kommen gut mit iDrive zurecht, dem elektronischen Bediensystem. Es läuft über einen einzigen Knopf, an dem gedreht oder gedrückt wird, je nachdem. Spielend leicht wechseln die Kids zwischen CD und Radio. Ihr Erziehungsberechtigter tut sich schwerer.

Wir fahren nicht, wir schweben - ein ganz neues Erlebnis

Dieses Auto macht eine Fahrt von München zum Ammersee und wieder zurück zum Schwebeerlebnis. Die Außengeräusche sind wie weggepanzert, es dominiert das Gefühl der Ruhe. Das Gefährt liegt sportlich und doch irgendwie robust auf der Straße; bei kleinen Lücken auf der Überholspur macht das Produkt bayerischer Motorenwerkkunst auf leichten Gaspedaldruck hin einen kleinen Satz. Theoretisch beschleunigt der BMW 745d in sieben Sekunden von null auf 100 Kilometer, aber das lässt sich zwischen Oberfaffenhofen und Greifenberg nicht ausprobieren. Als das Gefährt einmal kurz 200 Stundenkilometer erreicht (geregeltes Limit: 250), wirkt es, als gleite man mit 140 durch die Landschaft. Diese 40-Kilometer-Strecke hat noch nie so viel Spaß gemacht.

Da der Verbrauch mit etwas weniger als zehn Litern Diesel pro 100 Kilometer die Geldbörse schont, könnte man fast von einem Familienauto sprechen, wenn es nicht doch in erster Linie für Chefs gemacht wäre.

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