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Digitale Zukunft im Auto:Automat auf Abwegen

Autounfall zwischen einem Toyota Verso und einem VW Passat.

Wer hat Schuld, wenn's kracht: Mit der Zunahme von Fahrassistenten stellt sich die Frage nach der Verantwortung immer drängender.

(Foto: dpa)
  • Es wird nicht mehr lange dauern, bis teil- und hochautomatisertes Fahren Realität ist.
  • Um den Fahrer bei einem Unfall zu entlasten, fordern Juristen Datenschreiber im Auto. In den USA ist dieser bereits vorgeschrieben.
  • Doch viele Autofahrer haben Angst, dass ihr Wagen im Zweifelsfall gegen sie aussagt. Steckt in jedem Auto künftig ein perfekter Spion?

Sie sind längst unter uns. Wie von Geisterhand drehen Stau- und Parkassistenten am Steuer. Ein unsichtbarer Chauffeur hält den neuen BMW Siebener sogar bis zu 210 km/h in der Fahrbahnmitte und weicht anderen Fahrzeugen beim Spurwechsel aus. Vom Herbst dieses Jahres an muss der Fahrer nicht einmal hinter dem Lenkrad sitzen: Aussteigen und auf den Funkschlüssel drücken - schon fädelt sich das BMW-Topmodell vollautomatisch in enge Parklücken ein.

Zugegeben, der Spuk funktioniert nur bei Schritttempo und der Autobahnassistent braucht (noch) die beruhigende Hand des Fahrers auf dem Lenkradkranz. Doch die deutschen Autohersteller liefern sich längst ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Entwicklung des Roboterautos. Je mehr Kollege Computer ins Steuer greift, desto deutlicher werden die Risiken und Nebenwirkungen.

Tiefe Gesetzeslücken auf dem Weg zum automatisierten Fahren

"Wir werden das teilautomatisierte Fahren schon bald auf unseren Straßen erleben, das vollautomatisierte Fahren ist keine zehn Jahre mehr entfernt", jubelt Alexander Dobrindt. Allerdings weiß der Bundesverkehrsminister, dass der Weg dahin mit tiefen Gesetzeslücken gepflastert ist. Vor einem Jahr hat er Wissenschaftler, Juristen und Vertreter der Industrie an den runden Tisch "Automatisiertes Fahren" geholt. In Arbeitsgruppen werden zum Beispiel die haftungsrechtlichen Bedingungen geklärt, unter denen der Fahrzeugführer das Steuer an die Maschine abgeben darf.

Noch wird in dem Expertenkreis heftig diskutiert, aber bereits jetzt zeichnet sich ab, dass es ohne Datenschreiber im Auto nicht gehen wird. "Beim hoch automatisierten Fahren dürfen nicht unverhältnismäßig viele Daten gesammelt werden", sagt eine ADAC-Juristin, "aber klar ist auch, dass der Fahrer die Möglichkeit haben muss, sich zu entlasten, wenn die Technik versagt."

Datenschreiber im Auto? Das klingt nach dem "Großen Bruder" auf dem Beifahrersitz. Viele Autofahrer haben Angst, dass ihr Wagen im Zweifelsfall gegen sie aussagt: Ein Fahrzeugdatenspeicher könnte bei Polizei und Ordnungsbehörden Begehrlichkeiten wecken, diese Daten nicht nur bei einem Unfall, sondern auch bei Fahrzeugkontrollen auszuwerten und gegen den Fahrer zu verwenden.

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