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Diesel-Abgasskandal:VW unterstützt als erster Hersteller finanziell die Diesel-Nachrüstung für Wohnmobile

Neue Anklage im VW-Dieselskandal

VW will bei der Kostenübernahme für Nachrüstungen bei Wohnmobilen einen Sonderweg gehen.

(Foto: Sina Schuldt/dpa)

Wegen extrem hoher Stickoxid-Werte drohen dem VW California T5 und dem Fiat Ducato Fahrverbote. Die zwischen Bund und Konzernen vereinbarten Förderprogramme schließen die Kostenübernahme für Nachrüstungen bei Wohnmobilen bislang aus. VW geht nun einen Sonderweg.

Von Joachim Becker

Der Diesel-Abgasskandal weitet sich auf Wohnmobile aus. Wegen extrem hoher Stickoxid-Werte drohen beim VW California T5 und beim Fiat Ducato Fahrverbote oder eine kostspielige Hardware-Nachrüstung. Anders als bei Pkw-Dieselmodellen ist eine Kostenübernahme durch die Hersteller bei Wohnmobilen von der Bundesregierung aber nicht vorgesehen. Auch eine Bezuschussung im Rahmen des Nachrüstprogramms für Handwerker- und Lieferfahrzeuge ist nicht möglich, weil die wenigsten Familienautos mit Freizeit-Flair gewerblich zugelassen sind.

Nach SZ-Informationen will Volkswagen seine Nachrüstförderung jetzt auf Wohnmobile ausweiten. Ein Unternehmenssprecher erklärte auf Anfrage: "Fahrzeuge mit Sonderzulassung als Wohnmobil erhalten nach dem Konzept der Bundesregierung keine Bezuschussung. Sollte eine Nachrüstlösung verfügbar werden, wird Volkswagen im Sinne seiner Kunden eine solche Nachrüstlösung auch für VW-T5-California-Wohnmobile mit EU5-Motor bezuschussen, sofern sie die sonstigen Förderungsbedingungen erfüllen."

Bisher haben nur wenige Dieselfahrer ihre Pkws nachrüsten lassen. Bei Mercedes wurden knapp 1000 Euro-5-Fahrzeuge mit zusätzlichen Katalysatoren ausgestattet, VW hat nach eigenen Angaben 395 Nachrüstungen finanziell unterstützt. Ein Grund für die Zurückhaltung ist offensichtlich die Furcht vor Folgeschäden oder einem höheren Spritverbrauch. Entscheidender ist aber wohl der nachlassende Handlungsdruck: Aufgrund der abnehmenden Stickoxid-Belastung in den sogenannten Intensivstädten werden Fahrverbote vielerorts unwahrscheinlicher.

Das geringe Kundeninteresse hat die Nachrüstbranche schwer getroffen. Nach der Pleite des Nachrüsters Baumot gibt es in Deutschland nur noch zwei Spezialfirmen, die entsprechende Systeme für Pkws und leichte Nutzfahrzeuge entwickeln. Nachdem der Anbieter Dr Pley SCR Technology keine Systeme mehr für VW-Pkws anbietet, bereitet er nun die Zulassung einer entsprechenden Abgasreinigung für den VW T5 California und weitere Wohnmobile vor. In diesem Jahr will er eine Kleinserie von 120 Nachrüstsystemen anbieten, die erstmals von Volkswagen gefördert werden könnten. Die Firma Oberland Mangold hat ein ähnliches Projekt wegen unsicherer Nachfrage vorerst auf Eis gelegt.

"Wir werden bei Stützungsanfragen kundenfreundlich entscheiden und sowohl für als Pkws zugelassene Fahrzeuge, als auch für als Wohnmobil zugelassene Fahrzeuge die Unterstützung von bis zu 3000 Euro gewähren", erklärt der VW-Unternehmenssprecher. Anders als beim Pkw deckt die Unterstützung aber nicht alle Kosten. Dr Pley veranschlagt für die Nachrüstung mit zwei großen SCR-Katalysatoren beim T5 mehr als 5000 Euro. Beim Fiat Ducato, der als Plattformmodell für viele Wohnmobile dient, sollen die Nachrüstkosten etwa 6500 Euro betragen. Der italienische Pkw- und Nutzfahrzeug-Hersteller, der mittlerweile zum Stellantis-Konzern gehört, bietet seinen Kunden keine Unterstützung bei der Nachrüstung an.

© SZ/bica
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