Süddeutsche Zeitung

Dienstwagen nach Wahl:Darf's ein bisschen größer sein?

Fachkräfte verschiedenster Branchen werden inzwischen deutschlandweit händeringend gesucht. Personalchefs legen daher immer häufiger zum ordentlichen Einstiegsgehalt noch einen weiteren Köder aus: einen Dienstwagen der Extraklasse.

Susanne Kilimann

Dass Firmenwagen in vielen Unternehmen automobile Statussymbole sind, die den "Marktwert" des Mitarbeiters zum Ausdruck bringen, ist ja kein neues Phänomen. In zahlreichen mittelständischen und nahezu allen größeren Unternehmen gibt es eine Dienstwagenverordnung, die genau regelt, auf welcher Sprosse der Hierarchieleiter Anspruch auf ein auf Firmenkosten geleastes Fahrzeug besteht und wie groß und teuer dieses ausfallen darf.

In der Regel darf die Führungsmannschaft eines größeren Unternehmens aus der Modelpalette der deutschen Premiumhersteller wählen, während sich Angestellte ohne leitende Positionen zumeist mit einem Mittelklässler der Marken Volkswagen, Opel oder Ford zufrieden geben müssen.

Doch wenn es um die Rekrutierung gefragter Fachkräfte geht, geben sich Unternehmen zunehmend freigiebig, stellen Flottendienstleister allenthalben fest. Die dürfen einen prestigeträchtigen Firmenwagen fahren, auch wenn sie sich noch längst nicht in eine leitende Funktion hochgearbeitet haben.

"Wir beobachten diesen Trend in verschiedenen Branchen, zum Beispiel bei IT-Unternehmen, bei Beratungsfirmen, Wirtschaftsprüfern und Finanzdienstleistern, aber auch in der Pharma-Industrie", sagt Gunter Glück, Leiter der Kundenbetreuung beim Fuhrparkmanagementunternehmen LeasePlan Deutschland.

In diesen Branchen, weiß Glück, sind die Dienstwagenverordnungen ohnehin schon großzügiger als anderswo. Hier gibt es keinen standarisierten Fuhrpark, der ein bestimmtes Fabrikat vorgibt, weil das Unternehmen als Großabnehmer besonders günstige Rabatte bekommt. Hier dürfen Mitarbeiter aus einer breiten Automobil-Palette wählen und sich das Wunschauto - in gewissen Grenzen - individuell konfigurieren, wenn es um Marke, Motorleistung und Ausstattungsdetails geht.

Zumindest im Hinblick auf Marken hält sich die Individualität allerdings in Grenzen. Nach Importmodellen verlangen die wenigsten der privilegierten Arbeitnehmer. Zumeist richtet sich ihr Begehren auf ein Fahrzeug Ingolstädter, Münchner oder Stuttgarter Provenienz. "Gerade Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, geeignetes Fachpersonal zu rekrutieren, achten deshalb darauf, mindestens zwei deutsche Premiummarken zur Wahl zur stellen", so Fuhrparkprofi Glück.

Obwohl die Flottenkosten ständig steigen, ist ein Downsizing des Fuhrparks - zumindest bei einem Teil der Unternehmen - kein Thema, das die Dienstwagenverantwortlichen und die Controller umtreibt.

Firmen, die gezielt auf kleinere und besonders sparsame Fahrzeuge umsatteln, sind eher eine Randerscheinung, sagt Glück, hebt aber eine Ausnahme hervor. "Diese Entwicklung beobachten wir bei Unternehmen, die unmittelbar mit der Umweltthematik zu tun haben. Firmen, die an der Entwicklung umweltschonender Technologien teilhaben - Energieversorger zum Beispiel."

Etwas anders sieht man das beim Verkehrsclub Deutschland (VCD). Gemeinsam mit Umweltverbänden aus fünf EU-Ländern hat der Club 2009 eine Initiative gestartet, die Leasingunternehmen und andere Flottenbetreiber anspornen soll, ihren Fuhrpark auf besonders verbrauchsarme Fahrzeuge umzustellen.

Als Richtwert gilt das von der EU gesetzte CO2-Flottendurchschnittsziel von 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer, das bis 2020 anvisiert wird. Wer sich dieser Koordinate - durch entsprechenden Umbau der Firmenflotte - in besonders steilen Schritten nähert, darf sich mit einem "goldenen Fuhrpark-Logo" schmücken.

Rund 50 Unternehmen haben so einen "Cleaner Car Contract" bislang unterschrieben. In der Unterzeichnerliste finden sich dabei längst nicht nur Car-Sharing-Unternehmen und Pflegedienste, sondern unter anderem auch ein großer Sicherheitsdienstleister und ein international aufgestelltes Beratungsunternehmen, das global agierende Konzerne zu seinen Kunden zählt. "Das heißt allerdings nicht, dass dort auch die Chefetage besonders kleine Autos fährt", räumt Michael Müller-Grönert, Projektleiter beim VCD, ein. "In erster Linie betrifft das die große Menge der Servicefahrzeuge und weniger die Dienstwagen, die von einem bestimmten Mitarbeiter dienstlich und privat genutzt werden."

Eine gewisse CO2-Bremse gibt es in Regionen, die bislang nicht unbedingt mit Political Correctness bei der Dienstwagenwahl aufgefallen sind. "Wir beobachten diesen Trend vor allem bei sehr großen Unternehmen. Da gibt es immer häufiger die Situation, dass die Chefetage eben nicht mehr ein Fahrzeug mit CO2-Emissionen von 200 Gramm pro Kilometer oder auch deutlich mehr auswählen darf", so Kundenbetreuer Glück. "Dort hat man sich auch auf der höchsten Hierarchiestufe ein Limit von 180 Gramm gesetzt. Damit ist die Auswahl dann doch schon etwas eingeschränkt."

Um den Mitarbeitern das aber auch ein bisschen schmackhaft zu machen, gehen die ersten Firmen dazu über, "Bonus-Malus-Regelungen" anzubieten, berichtet der Fuhrpark-Profi. "Das heißt, wenn mir aufgrund meiner Hierarchiestufe eine CO2-Grenze von 150 g/km zusteht und ich unterschreite die, dann gewährt mir das Unternehmen einen größeren finanziellen Bewegungsspielraum bei der Ausstattung des Fahrzeugs. Und wenn ich meine CO2-Grenze überschreite, habe ich pro Gramm CO2 eine höhere monatliche Fahrerbeteiligung."

So werden hier und dort auch Mitarbeiter, die im Prinzip Auto-Wahlfreiheit haben, in umweltverträglichere Bahnen gelenkt. Wo leistungsstarke SUV und Sportwagen mit einem schwergewichtigen Malus behaftet sind, dürften auch die Vertreter der oberen Managementetagen Abstand von den Dickschiffen nehmen.

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