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Die Zukunft von Daimler:Dieter Zetsche beschwört den Wandel der Autobranche

Mercedes-Benz auf dem Pariser Autosalon 2016

Betont lässig: Daimler-Chef Dieter Zetsche brach in Paris mit den Traditionen der Autobranche. Er führte Freizeitmode vor und verkündete das neue Leitbild einer agilen Organisation.

(Foto: Daimler)

Dabei bremste Daimler bislang bei den alternativen Antrieben. Auch die jüngste Elektroauto-Studie geriet mutlos. Gelingt dennoch die Transformation zum Tech-Konzern?

Die Schuhe sind Teil der Inszenierung: Wenn der 63-jährige Chef eines Weltunternehmens mit Jeans und Turnschuhen rumläuft, dann befindet er sich für gewöhnlich im Urlaub oder in der Midlife-Crisis. Dieter Zetsche will augenscheinlich nicht zum alten Eisen gehören. Doch sein Problem ist weniger privater als unternehmerischer Natur: Der Daimler-Boss will das Flaggschiff der deutschen Autoindustrie zur Tech-Company umbauen.

Vor einer Gründerzeit im Neckar-Valley muss er einige Altlasten bewältigen. Zum Beispiel den Erfolg des bewährten Geschäftsmodells: Trotz Rekordabsatzzahlen fordert Zetsche ein radikales Umdenken seiner Mitarbeiter. Statt sprudelnde Erlöse zu feiern, sollen sie sich an einer Revolution beteiligen. Ausgang offen.

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Bisher stand Mercedes auf der Bremse

Was Zetsche auf dem Pariser Autosalon verkündet, ist eine Revolution von oben: "Wir wollen nicht nur die Verwandlung unserer Produkte vorantreiben, sondern auch die Verwandlung unserer Organisation signifikant beschleunigen." Bisher standen die Stuttgarter nicht nur bei alternativen Antrieben auf der Bremse. Kurz nach einer Welttournee mit Wasserstofffahrzeugen wurde 2013 die angekündigte Serienproduktion abgesagt. Im selben Jahr überließ man BMW i die Vorfahrt bei komplett neuen Elektroautos. Die ersten E-Smarts mit Hochtemperaturzellen hatten 2007 bloß Forschungscharakter. Später half Tesla auch bei der Mercedes-B-Klasse-e-cell mit Batterien nach. Trotzdem oder gerade deshalb zögerte der Elektroingenieur Zetsche, Milliarden auf eine ungewisse Elektro-Zukunft zu wetten.

Zetsche ist kein junger Wilder wie Elon Musk, der als New-Age-Guru einer emissionsfreien Zukunft auftritt. Der Erfolg von Tesla und vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich das Start-up weiterentwickelt, sorgen im Daimler-Vorstand allerdings für Stirnrunzeln. Der Elektro-Pionier punktet mit Software-Updates, die neue Funktionen ins Auto bringen. Trotz gravierender Rückschläge wie beim Autopiloten will Tesla das erste autonome Auto auf den Markt bringen.

Die Serienversion des Generation EQ kommt 2018

Bei dem halsbrecherischen Technologietempo gibt es eine Reihe von Unwägbarkeiten: "Unser Zielkorridor für den Elektroabsatz im Jahr 2025 liegt zwischen 15 und 25 Prozent. Genauer können wir es einfach nicht prognostizieren", gesteht Mercedes-Vertriebsvorstand Ola Källenius. Trotzdem legt Daimler jetzt den Schalter für die neue Elektro-Submarke EQ um. Die Serienversion des Pariser Showcars "Generation EQ" wird ab 2018 zum Preis eines "vernünftig ausgestatteten Mercedes GLC" (also für rund 60 000 Euro) angeboten. Mindestens neun weitere reine E-Mobile vom Kompaktauto bis zum Supersportler sollen bis 2025 folgen.

Mercedes will bis 2025 Tesla als Marktführer bei Premium-Elektrofahrzeugen ablösen. Die leistungsstarken Stromer werden aber schon Ende dieses Jahrzehnts Standard sein - als Unterscheidungsmerkmal einer Marke taugen sie dann nicht mehr. Deshalb stürzen sich die Blechbieger in weitere Abenteuer: "Viele Autohersteller wollen heute Mobilitätsanbieter werden. Das ist schön und gut. Aber die Transformation der Branche ist noch viel grundlegender", warnt der Daimler-Boss.