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Die Zukunft der Automarke:Audi setzt Connectivity, Digitalisierung und autonomes Fahren

Rupert Stadler, der wieder mal einen Entwicklungsvorstand sucht ("Diesmal muss es hundertprozentig passen"), sieht den TT wie erwartet als unverzichtbare Markenikone, den R8 als Image-Zugpferd, den Q6 als Leuchtturmprojekt mit Signalwirkung. Doch was bleibt Audi, wenn Porsche in Zukunft für alle Sportwagen zuständig ist und VW für die Kompaktklasse?

Ein zum R6 umgemodelter Cayman-Nachfolger mit Fünfzylinder-Power kommt für den Herrn der Ringe ebenso wenig infrage wie eine Übernahme der durchgehend elektrifizierten Macan-II-Palette. Stattdessen setzt Audi voll auf Connectivity, Digitalisierung und autonomes Fahren. Zu diesem Zweck investiert das Unternehmen viel Geld in Spezialisten, Start-ups und strategische Allianzen. Schließlich will man sich in der E-Ära nicht zum Blechbieger und Komponenten-Zusammenbauer degradieren lassen, sondern als vielseitig talentierter Dienstleister brillieren. Im Fokus steht dabei der möglichst lückenlose Zugriff auf die gesamte Wertschöpfungskette vom Mehr-PS-Download bis zur Sonderprämie für die zeitlich begrenzte Nutzung von Wunschfahrzeugen.

Der Modellpalette fehlt der letzte Kick

Audi ist beim Plug-in-Hybrid aus heutiger Sicht besser aufgestellt als BMW und auf Augenhöhe mit Mercedes, doch wenn sich der PHEV als kurzlebige Zwischenlösung entpuppt und der Markt stattdessen schon vor 2020 verstärkt nach E-Autos ruft, wird es wieder eng für die Ingolstädter. Dann wird man sich in der puristisch eingerichteten Führungsetage zurückerinnern an die Jahre der vertanen Chancen: an das Nein zum E-Quattro, die zahllosen Fingerübungen zum Thema A2-Comeback, den genialen, aber von den Eignern abgelehnten A1 e-tron, die vielen tollen Studien von den Sport-Quattro-Entwürfen bis zum Urban Concept.

Im Vergleich zu diesen gescheiterten Kopfverdrehern fehlt der Modellpalette für die nächsten Jahre der letzte Kick. Die Zweitürer auf Basis A1 und A3 werden im Rahmen des Generationswechsels eingeschläfert, das neue A3 Sportcoupé macht ab 2019 mobil gegen den Mercedes CLA und das fünftürige BMW Zweier Gran Coupé mit Frontantrieb, der zwischen Q3 und Q5 positionierte Q4, dürfte zwar den Sprung in die Serie schaffen, allerdings nur als Verbrenner und nicht wie ursprünglich geplant auch als pfiffiger Elektro-SUV.

Viele Q-Modelle teilen sich einen umkämpften Markt

Auf der Strecke geblieben ist der Q1, ein fetziger Crossover mit den Erbanlagen des neuen A1. Die Begründung: zu wenig Premium, nicht rentabel genug, gefährlich dicht an den Schwestermodellen von VW, Škoda und Seat. Dass es trotzdem einen Q1 (e-tron) geben wird, verdankt Audi dem Wolfsburger MEB-Lego. Weil die Marke in China möglichst rasch eine eigene E-Auto-Fertigung hochziehen muss, soll der fünfsitzige CUV (das C steht wahlweise für Crossover oder Coupé) VW-Technik mit Audi-Design verschmelzen.

Während sich CUV, Q2, der nächste Q3 und der neue Q4 einen relativ kleinen und hart umkämpften Markt teilen müssen, hat Audi angedachte Oberklasse-Überflieger wie den Q9 Nobel-SUV in der Versenkung verschwinden lassen, den langen Q7 für Europa gestrichen und das Q8 Coupé auf Eis gelegt. Nicht mehr unter den Lebenden sind auch der RS7 Shooting Brake, der als viertüriges Luxus-Coupé konzipierte A9 und der im Millionengrab bestattete R8 e-tron.

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