Die Organisationsstruktur des ADAC:Vertrauenskrise von nicht gekanntem Ausmaß

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Doch nun hat das Fälschen von Abstimmungsergebnissen für die Wahl des beliebtesten Autos den ganzen Klub in eine Vertrauenskrise von einem bisher nicht gekannten Ausmaß gestürzt. So ziemlich alles wird bezweifelt, der Autoklub steht auf dem Prüfstand. Erste Stimmen werden laut: Die Mitglieder dürfen nicht länger Verfügungsmasse für eine abgehobene Männerkaste sein, die es nicht wahrnimmt, wenn eine Veranstaltung wie der Gelbe Engel zum Egotrip eines machtbewussten Managers gerät.

Die Ironie dabei: Man braucht die Hochaltarfeier in der säkularisierten Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz überhaupt nicht, um zu erfahren, dass der VW Golf das beliebteste Auto der Deutschen ist . Dafür genügt ein Blick in die Statistiken der Zulassungsbehörden. Die sind nicht gefälscht, davon ist auszugehen.

ADAC-Rebellen im Norden

ADAC-Präsident Peter Meyer

ADAC-Präsident Peter Meyer hat derzeit wenig zu lachen.

(Foto: dpa)

Es ist also Zeit für eine grundsätzliche Neuorientierung beim ADAC. Ob der Präsident Meyer oder Müller heißt, wird dabei weniger entscheidend sein. Peter Meyer, 64, ist voriges Jahr gerade für vier Jahre wiedergewählt worden. Seine vierte Amtsperiode dürfte die schwierigste werden. Davon, dass einer, der den ADAC seit 2001 leitet, noch als großer Reformer überraschen kann, sind wenige überzeugt.

Die Erneuerung wird von unten kommen müssen, meinen Insider, am ehesten wohl aus dem Kreis der norddeutschen Regionalklubs, die das Treiben in der Zentrale bereits seit Längerem kritisch begleiten. Den ADAC-Rebellen im Norden ist vor allem der wirtschaftliche Expansionskurs verdächtig, für den Meyer steht. Der ADAC ist an 31 Firmen beteiligt. Er verkauft Versicherungen, Bücher und Reisen, vermietet Autos, neuerdings schickt er mit dem Staatsunternehmen gelbe Postbusse auf die Autobahnen. Große unter sich: Als Reiseveranstalter kooperiert der ADAC mit dem Handelskonzern Rewe, Rabatt für Mitglieder gibt es an Tankstellen von Shell.

Der im Jahr 1903 als Motorradfahrer-Vereinigung gegründete Klub ist längst auch ein Wirtschaftskonzern. Die Beiträge der Mitglieder wie auch der Umsatz der Unternehmen liegen bei jährlich jeweils einer Milliarde Euro. Die Erträge sollen den Klub unabhängig machen. Dabei hilft die Trennung von Pannenhilfe und wirtschaftlichen Aktivitäten. Bis zur Affäre um den Publikumspreis beim Gelben Engel genoss der Klub das höchste Vertrauen in Deutschland - noch vor Greenpeace, dem Roten Kreuz, dem Verfassungsgericht und den Kirchen.

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