Die Krise des ADAC:Eine Kultur des Richtigen

Compliance läuft darauf hinaus, dass Regelverstöße unter keinen Umständen akzeptiert werden. Demnach müssen Unternehmen Maßnahmen gegen Mitarbeiter ergreifen, die auffällig geworden sind. Jeder muss wissen, was das Richtige ist, und er muss in einer Firmenkultur arbeiten, die das Richtige erwartet und unterstützt.

Natürlich gab es schon vor der Krise beim ADAC Compliance-Richtlinien, aber die Struktur des Unternehmens, das stille Gegeneinander von Haupt- und Ehrenamt, das Miteinander von Samaritertum und hartem Geschäft, der Schizo der Gleichzeitigkeit von Verbraucherverein und Kommerzunternehmen - das alles hat die alte Compliance überfordert.

Auch der Präsident hat daran seinen Anteil. Ein komischer Präsident. Er macht Dienstflüge mit den Rettungshubschraubern und sagt dann, das werfe "ein schlechtes Licht auf den Verein". Am Sonntag konnte ihn die Republik bei Günther Jauch erleben, und da gab es einen Moment, in dem etliche ADAC-Mitarbeiter zusammengezuckt sein müssen: Da erklärte Meyer, der Verein selbst habe nichts von dem ADAC-Mitgliedervorteilsprogramm und sei daran "provisionsmäßig gar nicht" beteiligt.

Neue Offenheit, altes Problem

Wenn das die neue Offenheit ist, hat der Verein das alte Problem. Es wird getrickst. Denn es ist falsch, dass der ADAC nicht profitiert. Das Programm läuft so: Der ADAC vereinbart mit Firmen wie Best Western, Shell oder Kärcher, dass Mitglieder dort Vorteile bekommen. Mal sind es drei Prozent, mal zehn. Der Vorteil für die Firmen: mehr Kunden, mehr Umsatz. Auch wenn die Marge geringer ausfällt als bei anderen Kunden - es lohnt sich.

Es lohnt sich aber auch für den ADAC. Denn seine Partner geben häufig auch etwas zurück, und wenn man für ein Vermittlungsgeschäft etwas bekommt, nennt man das gemeinhin: Provision. Ein Sprecher des Hochdruckreinigerherstellers Kärcher erklärt es so: "Das ist ein Paket. Der Vorteil des ADAC liegt darin, dass wir im Gegenzug in der ADAC-Zeitschrift Motorwelt und im Internet ein bestimmtes Kontingent an Anzeigen buchen." Ein klassisches Kuppelgeschäft.

Kuppelgeschäfte, wohin man blickt

Ähnlich liegt der Fall beim Standheizungshersteller Webasto und dem Raststättenbetreiber Tank & Rast: Anzeigen gegen Teilnahme am Vorteilsprogramm. Die Hotelkette Best Western dagegen bezahlt für jedes ADAC-Mitglied, das über das Programm eine Übernachtung bucht, eine Provision, allerdings nicht an den ADAC direkt, sondern an "ARC-Europe" - den Dachverband der "acht führenden Automobil-Clubs in Europa". Darunter: der ADAC.

Tatsächlich profitiert der ADAC also sehr wohl vom Mitgliedervorteilsprogramm, und laut einem ehemaligen, hochrangigen Mitarbeiter ist das auch kein Zufall: "Deswegen haben wir das ja gemacht."

Nun könnte Meyer sich hinstellen und sagen, bei Jauch seien ihm Dinge durcheinandergeraten. Die Aufregung, all der Detailkram, wer soll das alles wissen. Aber es kommt nur eine dünne Stellungnahme: "Der ADAC kann und darf aus rechtlichen Gründen keinerlei Auskunft zu Vertragsinhalten mit Kooperationspartnern geben." Es können Dinge verrutschen in der Kommunikation. Schlimm ist es, wenn das dauernd passiert. Harte Compliance-Leute reagieren auf so was mit null Toleranz.

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