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Die grüne IAA:Das Auto - eine Schnecke

Dass der Übergang vom Benzin- zum Elektrozeitalter zwangsläufig ist, bezweifelt bei den Automobilherstellern niemand mehr. Doch auch diese IAA zeigt: Bis der Paradigmenwechsel wirklich kommt, dauert es noch lange.

Es ist gut 100 Tage her, da sah die Autoindustrie im Südwesten schon den Weltuntergang nahen: Im Autoland Baden-Württemberg war ein Grüner zum Ministerpräsidenten gewählt worden - und schnell zusammengebastelte Teams bei Daimler und Porsche, so brodelte die Gerüchteküche, würden bereits die ersten Horrorszenarien entwickeln, inklusive Alternativen zum Handeln.

Opel Ampera

Blitzstart in die Zukunft

Nun, Baden-Württemberg fährt noch, die Premium-Hersteller in und um Stuttgart fahren höhere Gewinne ein denn je - und der grüne Ministerpräsident machte seine ersten Antrittsbesuche bei Daimler und Porsche. Fazit: Keine Panik, alles halb so schlimm.

Inzwischen klingen die Verlautbarungen aus den Chefetagen der Autoindustrie fast schon grüner als die aus dem Stuttgarter Regierungssitz Villa Reizenstein. Wer am Tag vor der Eröffnung der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) beim Daimler-Konzernabend die Zukunftsvisionen erlebte, die Daimler-Chef Dieter Zetsche für die nächsten Jahre und Jahrzehnte entwarf, der fühlte sich zeitweise wie auf einem Grünen-Parteitag.

"Selbst optimierte Diesel- und Benzinmotoren", so Zetsche etwa, "können nur eine Durchgangsstation sein." Verbrennungsmotoren könnten nun mal nie völlig ohne Abgase funktionieren. Nötig sei, so Zetsche weiter, "ein Paradigmenwechsel". Auch dem reinen Elektromotor gehöre allenfalls in Ballungsgebieten die Zukunft - und das auch nur zum Teil: Zu geringe Reichweiten, zu lange Ladezeiten, für lange Strecken ungeeignet.

Am Ende der Entwicklung, da ist sich Zetsche inzwischen sicher, stehe die Brennstoffzelle, die von Wasserstoff befeuert wird. "Wasserstoff ist der Stoff, aus dem die Sterne sind," geriet der Daimler-Chef ins Schwärmen: "Ich finde, das passt."

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Elektrofloh für die Stadt