Die Auto-Jubiläen 2014:Von Trabi bis Testarossa

VW Golf I, Renault Espace oder Lamborghini Countach: Unter den Jubilaren des Autojahres 2014 befinden sich wahre Bestseller, echte Trendsetter und faszinierende Sportwagen. Eine Bildergalerie, die zum Träumen einlädt und in Erinnerungen schwelgen lässt.

Von Thomas Harloff

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Die Auto-Jubiläen 2014:40 Jahre VW Golf I

Der VW Golf I debütiert 1974.

Quelle: Volkswagen AG

Selten gibt es unter den Jubilaren eines Autojahres so viel Abwechslung wie 2014. Wahre Bestseller treffen auf echte Trendsetter und faszinierende Sportwagen. Eine Bildergalerie, die zum Träumen einlädt und in Erinnerungen schwelgen lässt.

In den frühen 70er Jahren ist Volkswagen zu einem Paradigmenwechsel gezwungen. Die bisherige Modellpalette ist veraltet, eine komplette Neuausrichtung muss dem Autobauer den Weg in die Zukunft weisen. Die Antwort der Wolfsburger ist eine Modelloffensive: Wie 1973 bereits der neue Passat und kurz zuvor der neue Scirocco bricht der VW Golf I 1974 mit den Konventionen. Im Gegensatz zu den bisherigen VW-Modellen, darunter auch der Käfer, setzt er auf moderne Vierzylinder-Reihenmotoren im Bug statt auf einen Boxermotor im Heck, treibt die Vorder- und nicht die Hinterräder an. Statt des rundlichen Käfer-Designs gibt es dank Designer Giorgio Giugiaro Ecken und Kanten.

Die Kunden honorieren den mutigen Schritt. Der erste VW Golf setzt die Erfolgsgeschichte des Käfers, der bis zum Modellwechsel immerhin fast zwölf Millionen Mal produziert worden ist, nahtlos fort. Mit weiteren Modellvarianten, darunter 1976 mit dem ersten GTI, der Saug- (1976) und der Turbodieselversion GTD (1982) sowie dem 1979 erschienenen Cabrio, hält Volkswagen das Kundeninteresse am ersten Golf hoch. Bis 1983 der Nachfolger debütiert, hat Volkswagen fast sieben Millionen Exemplare des Kompakten verkauft. Keine Frage: Die Fußstapfen des Käfers hat der Revoluzzer sehr gut gefüllt.

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Die Auto-Jubiläen 2014:50 Jahre Trabant P601

Trabant P601

Quelle: AFP

Das ostdeutsche Gegenstück zum VW Käfer und später zum Golf ist der Trabant. Nachdem sich die DDR-Autoindustrie mit dem 1957 vorgestellten P50 und dessen modellgepflegten Derivaten etablieren konnte, folgt 1964 der Trabant P601.

Als der P601 auf den Markt kommt, ist er in mancher Hinsicht schon antiquiert. Besonders beim Antrieb: Ein tuckernder und stinkender Zweizylinder-Zweitaktmotor mit anfangs 23 PS ist Mitte der 60er Jahre wahrlich keine technische Meisterleistung. Zudem rostet der Trabi gern am Blechgerippe unter der Duroplast-Karosserie und bietet weder komfortable Ausstattungsdetails noch so etwas wie aktive oder passive Sicherheitssysteme. Auf der Habenseite stehen jedoch die geräumige Karosserie sowie die anspruchslose und leicht zu reparierende Technik.

1964 ahnt noch niemand, dass dies der Startschuss für eine Karriere ist, die mehr als ein Vierteljahrhundert dauert. Obwohl die Ingenieure immer wieder Prototypen eines Nachfolgers entwickeln, wird der Trabi auf Geheiß der Regierung bis 1990 fast unverändert gebaut und erst kurz vor der Wiedervereinigung - nach mehr als drei Millionen gebauten Exemplaren - durch den Trabant 1.1 mit VW-Motor ersetzt.

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Die Auto-Jubiläen 2014:50 Jahre Ford Mustang

Ford Mustang von 1964

Quelle: Ford

Als der Ford Mustang 1964 auf den Markt kommt, begründet er die Fahrzeugklasse der "Pony Cars", die sich durch kompakte Abmessungen, leistungsstarke Motoren, ein recht sportliches Fahrverhalten und günstige Preise auszeichnen. Der Mustang, der auf den Limousinen Falcon und Fairlane basiert, trifft den Nerv der Zeit und verkauft sich so gut, dass das Werk mit der Produktion nicht nachkommt. Schon nach knapp zwei Jahren durchbrechen die Verkäufe die Zwei-Millionen-Marke. Ford will den Rückenwind nutzen und legt weitere Varianten nach. Es folgen ein Cabrio und die Fließheck-Version namens "Fastback" sowie die leistungsstarken Mach 1-, Boss- und Shelby-Varianten, die heute besonderen Kultstatus genießen.

Inzwischen hat Ford 9,2 Millionen Exemplare seines Imageträgers und von dessen Nachfolgern verkauft. Nicht einmal die tiefe Identitätskrise, die mit der Ölkrise in den frühen 70ern beginnt und bis nach der Jahrtausendwende reicht, kann den Erfolg des Sportwagens schmälern. Dabei muss der Mustang zeitweise sogar mit leistungsschwachen Vierzylindermotoren und fragwürdig gestalteten Blechkleidern Vorlieb nehmen. Erst ab der fünften Generation, die 2005 auf den Markt kommt und das Original aus den 60ern in vielen gestalterischen Details zitiert, werden Coupé und Cabrio wieder als echte Mustangs wahrgenommen. Angesichts dieser Historie hängt die Messlatte für den Nachfolger, der 2015 erscheint, sehr hoch. Dieser kommt erstmals auch offiziell nach Europa, wird sowohl von Vier- als auch Achtzylinder-Triebwerken (in den USA gibt es auch ein V6-Aggregat) angetrieben und verfügt endlich über ein modernes Fahrwerk mit Einzelradaufhängung.

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Die Auto-Jubiläen 2014:30 Jahre Renault Espace

Renault Espace 1984

Quelle: Renault

In seiner Firmengeschichte hatte Renault einige Trendsetter im Programm. Einer davon ist der Espace, der 1984 das bis dahin vor allem in Amerika beliebte Segment der Großraumlimousinen nach Europa bringt. Die Designer verwenden das "One-Box-Design", bei dem Motor-, Fahrgast- und Kofferraum zu einer Einheit verschmelzen. Dank seiner großzügigen Fensterflächen ist der Renault Espace zudem sehr übersichtlich.

Im französischen Van haben bis zu sieben Passagiere Platz. Der besondere Clou ist aber seine Variabilität. Die Einzelsitze lassen sich ausbauen, wenn sie nicht benötigt werden, und sogar drehen, was den Espace zu einem praktischen Familienfreund macht. Die Motoren leiht er sich von den Mittelklasse-Limousinen Renault 21 und 25. Allerdings reagiert die Kundschaft anfangs zögerlich auf den so ungewohnt geformten Neuling: Im ersten Verkaufsmonat gehen lediglich neun Bestellungen ein. Doch das Publikum gewöhnt sich schnell an das Aussehen des Raumwunders, sodass in sieben Jahren Bauzeit immerhin knapp 200 000 Exemplare den Weg in Kundenhände finden.

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Die Auto-Jubiläen 2014:60 Jahre Mercedes 300 SL

Mercedes 300 SL Flügeltürer

Quelle: mor; Daimler AG

Nachdem der Mercedes 300 SL bereits als Rennwagen erfolgreich war, debütiert im Februar 1954 die Straßenversion. Nicht von ungefähr findet die Weltpremiere in New York statt, denn der Sportwagen entsteht vor allem auf Wunsch amerikanischer Händler, die in den USA ein großes Marktpotenzial sehen. Die Prognosen bewahrheiten sich: Bis 1963 die Roadster-Version eingestellt wird, sind genau 51 Prozent aller Mercedes 300 SL in den Vereinigten Staaten verkauft worden.

Seine Motorsportherkunft macht der SL vor allem unter der bauchigen Karosserie deutlich. Wie bei einem Rennwagen bildet ein Gitterrohrrahmen die Basis. Dieses Konstruktionsmerkmal, das auf maximale Verwindungssteifigkeit abzielt, ist auch der Hauptgrund für die legendären Flügeltüren, die somit nicht vorrangig als gestalterischer Kniff gedacht sind. Überhaupt folgen beim Mercedes 300 SL fast alle Details in ihrer Form auch einer Funktion. Die Karosserie ist so windschnittig geformt, dass das Coupé für die damalige Zeit exzellente Fahrleistungen erreicht. Der 215 PS starke Dreiliter-Reihensechszylindermotor, mit einer Höchstdrehzahl von 6.400 Touren für die Epoche ein sehr drehfreudiges Triebwerk, beschleunigt den Sportwagen auf maximal 235 km/h.

Inzwischen ist der Mercedes 300 SL einer der begehrtesten Mercedes-Oldtimer überhaupt. Einst 29 000 Mark teuer, überschreiten einige Exemplare heute die Eine-Million-Euro-Marke.

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Die Auto-Jubiläen 2014:30 Jahre Mercedes W124

Der 1984 vorgestellte Mercedes W 124.

Quelle: Daimler AG

Nachdem 1979 der große W126 und 1982 der neu eingeführte 190er den Designwechsel bei Mercedes eingeläutet haben, führt der 1984 eingeführte W124 diese Entwicklung fort. Im Gegensatz zum Vorgänger W123 verzichtet Chefdesigner Bruno Sacco beim Neuzugang, der nun erstmals als mittlere Baureihe fungiert, auf Chrom-Zierrat und setzt stattdessen auf klare, schnörkellose Linien. Große Fensterflächen schaffen ein großzügiges Raumgefühl und eine gute Rundumsicht - Eigenschaften, die vor allem der 1985 erschienene Kombi namens T-Modell an den Tag legt.

Zahlreiche Vier-, Fünf-, Sechs- und sogar Achtzylindermotoren in Benziner- oder Dieselausführung decken ein breites Leistungsspektrum ab und legen eine fast schon legendäre Zuverlässigkeit an den Tag. Nicht umsonst wird der W124 als Reisewagen, Lastentier oder natürlich als Taxi geschätzt. Sportliche Fahrernaturen greifen eher zum 500 E mit 326 PS starkem Fünfliter-V8, der bei Porsche gebaut wird. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis des insgesamt mehr als 2,5 Millionen mal gebauten Mittelklässlers sind die zahlreichen verfügbaren Karosserievarianten: Neben Limousine und T-Modell gibt es ab 1987 das Coupé, ab 1990 die Limousine mit langem Radstand und ab 1992 auch ein Cabriolet.

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Die Auto-Jubiläen 2014:40 Jahre Lamborghini Countach

Der Lamborghini Countach in seiner Urform ohne Spoiler oder verbreiterte Kotflügel.

Quelle: Lamborghini

Als der Lamborghini Countach in den frühen 70er Jahren der Öffentlichkeit vorgestellt wird, scheint die Welt kurz still zu stehen. Seine kantige und aggressive, fast schon martialische Form lässt den Keil nicht wie ein Auto, sondern wie eine Raumkapsel auf vier Rädern wirken. Entsprechend begeistert sind die Reaktionen. Sie führen so weit, dass sie dem Sportwagen seinen Namen verleihen. Denn der Countach ist nicht, wie sonst bei Lamborghini üblich, nach einem Kampfstier benannt, sondern der Name bedeutet "fantastisch". Genau das soll nämlich Designer Giuseppe "Nuccio" Bertone ausgerufen haben, als ihm erstmals das fertige Design präsentiert wurde.

Der Countach prägt die Lamborghini-Formensprache bis heute. Das gilt auch für Details. Die nach oben öffnenden Scherentüren finden sich bis heute in Lamborghinis V12-Modellen wieder. Auch technisch beschreitet der Sportwagen ganz andere Wege als sein Vorgänger Miura. Beispiel Mittelmotor: Der Zwölfzylinder liegt nicht mehr quer, sondern längs zwischen Fahrgastzelle und Hinterachse.

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von knapp 300 km/h ist der Lamborghini Countach seinerzeit das schnellste Serienauto der Welt. Ein Titel, den es im Laufe der Jahre zu verteidigen gilt, weshalb Hubraum und Leistung des ursprünglich vier Liter großen und 375 PS starken Triebwerks im Zuge der Modellpflege auf 5,2 Liter und 445 PS anwachsen. Bis heute ist der Countach das am längsten gebaute Lamborghini-Modell überhaupt. Erst im Sommer 1990 verlässt das letzte Exemplar die Werkshallen in Sant´Agata Bolognese.

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Die Auto-Jubiläen 2014:30 Jahre Ferrari Testarossa

Ferrari Testarossa 1984

Quelle: Ferrari

Zum großen Gegenspieler des Lamborghini Countach avanciert 1984 der Ferrari Testarossa. Auch das Design dieses Zwölfzylinder-Mittelmotor-Coupés, natürlich entworfen im Studio des Ferrari-Hausdesigners Pininfarina, strotzt nur so vor charakteristischen Merkmalen. Allen voran das breite Heck, die markanten seitlichen Kühlrippen oder der fahrerseitige Außenspiegel, der wirkt, als sei er erst vergessen und nachträglich hinzugefügt worden. Doch jedes Detail folgt einer Funktion, und so ist das ganze Testarossa-Design darauf ausgelegt, auch ohne jeden Spoiler oder Flügel jene aerodynamische Effizienz zu erreichen, die bei einem Sportwagen benötigt wird.

Ein Sportwagen ist der Ferrari Testarossa mit jedem Quadratzentimeter. Die Karosserie aus Aluminium und Stahl spannt sich wie bei einem Rennwagen über einen Gitterrohrrahmen. Den namensgebenden Motor - er verfügt über rote Ventildeckel, und "testa rossa" bedeutet "roter Kopf" - platzieren die Ingenieure zwischen den Passagieren und der angetriebenen Hinterachse. In der bis 1991 produzierten Urversion leistet das Triebwerk 395 PS, die optisch nur geringfügig geänderten Nachfolger 512TR und 512M bringen es auf 428 bzw. 446 PS.

Außerdem darf der Ferrari Testarossa auf eine mehrjährige Fernsehkarriere zurückblicken. Während der letzten drei Staffeln dient ein weißes Exemplar als Dienstwagen von Miami-Vice-Ermittler Sonny Crockett.

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Die Auto-Jubiläen 2014:30 Jahre Audi Sport Quattro

Audi Sport Quatto.

Quelle: Audi

Mit dem Urquattro und dessen permanentem Allradantrieb revolutioniert Audi in den frühen 80er Jahren die Rallyewelt. Doch die Konkurrenz schlägt zurück und baut die allradgetriebene Mittelmotor-Rennwagen der "Gruppe B", die zwar mit Serienautos kaum noch etwas zu tun haben, aber Audi das Wasser abgraben. Um mit dem frisch verpflichteten Walter Röhrl den Anschluss zu halten, entwickeln sie den Sport Quattro S1. "Der Kurze", wie ihn nicht nur der zweifache Rallye-Weltmeister nennt, verfügt über einen im Vergleich zum Basisauto um 32 Zentimeter verkürzten Radstand. Das sollte das Auto handlicher machen. Doch der Versuch misslingt, die Audi-Fahrer beklagen immer wieder das schwierige Fahrverhalten des Rallyeautos. Bis die zu schnell gewordenen Gruppe-B-Boliden nach zahlreichen schweren Unfällen Ende 1986 verboten werden, gelingen Röhrl und Co. im S1 nicht mehr als Achtungserfolge.

Um das Rallyeauto einsetzen zu dürfen, muss Audi mindestens 200 straßenzugelassene Exemplare des Sport Quattro bauen. Mit 214 zwischen 1984 und 1985 produzierten Autos erfüllt der Hersteller die Vorgaben gerade so. Deren 2,1-Liter-Fünfzylinder-Turbomotor arbeitet mit doppelter Nockenwelle und Vierventiltechnik und leistet 306 PS. Die Karosserie besteht aus Aramid- und Glasfaserverstärktem Kunststoff sowie Carbon/Kevlar-Verbundstoffen - pure Hightech, die sich Audi teuer bezahlen lässt. Mit Grundpreisen zwischen 195 000 und 204 000 Mark ist er seinerzeit das teuerste deutsche Auto überhaupt und lange Zeit auch der teuerste Audi.

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Die Auto-Jubiläen 2014:40 Jahre Porsche 911 Turbo 3.0

Porsche 911 Turbo 3.0.

Quelle: Porsche

Heute sind Turbomotoren aus dem Automobilbau nicht mehr wegzudenken. In den frühen 70er Jahren sieht das noch ganz anders aus. Im Rennsport ist die Aufladung von Triebwerken bereits üblich, in Serienautos hat die Technologie jedoch Anlaufschwierigkeiten. Nach gescheiterten Versuchen anderer Hersteller, darunter BMW mit dem 2002 Turbo, führt Porsche das Aufladungs-Prinzip 1974 mit dem 911 Turbo auf Basis des G-Modell-Elfers zum Erfolg.

Dank Abgasturbolader erreicht der Dreilter-Sechszylinder-Boxermotor 260 PS, was den schnellen Schwaben auf eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h beschleunigt. Dabei ist der 911 Turbo keineswegs ein asketischer Rennwagen mit Straßenzulassung. Porsche versteht sein neues Topmodell eher als Luxus-Sportwagen und spendierte ihm ohne Aufpreis elektrische Fensterheber sowie ein Stereo-Kassettenradio. Von außen ist der Turbo wegen des ausladenden Heckflügels auch für Laien sofort zu erkennen.

Im Gegensatz zum BMW 2002 Turbo kann sich der Porsche 911 Turbo am Markt etablieren. Zusammengerechnet kommen der bis 1977 gebaute Dreiliter-Turbo und der modellgepflegte, 300 PS starke Turbo 3.3 bis zu ihrer Einstellung 1989 auf etwa 21.000 produzierte Einheiten. Porsche legt damit den Grundstein für eine ganze Ahnenreihe, denn bis heute gehört der Turbo zum festen Bestandteil jeder 911-Baureihe. Über die Leistungswerte von damals kann der aktuelle Nachfahre allerdings nur müde lächeln: Aus den 260 PS von einst sind beim aktuellen Porsche 911 Turbo S 560 PS geworden.

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Die Auto-Jubiläen 2014:30 Jahre Opel Kadett E

Opel Kadett E

Quelle: Adam Opel AG

Als der VW Golf den Automarkt im Sturm erobert, gerät Opel immer mehr ins Hintertreffen. Gegen den modernen Wolfsburger mit quer eingebautem Motor und Frontantrieb hat der Kadett C mit Längsmotor und Hinterradantrieb keine Chance mehr. 1979 nähert sich der Kadett D zwar optisch und technisch seinem großen niedersächsischen Rivalen an, trotzdem vermag er nicht, den verlorenen Boden gutzumachen. 1984 startet Opel mit dem Kadett E einen neuen Versuch. Der tritt inzwischen gegen den Golf II an und will mit sanften Rundungen und harmonischen Linien gegen den nach wie vor kantig gezeichneten Wolfsburger punkten. Außerdem sollen ihm zahlreiche Karosserievarianten einen Vorteil verschaffen.

Neben dem drei- und fünftürigen Fließheck-Modell gibt es den Kadett E als Kombi-Version namens "Caravan", eine Stufenheck-Variante, das Cabrio mit festem Überrollbügel und sogar den "Combo" genannten Lieferwagen. Vierzylinder-Benzinmotoren stellen den Löwenanteil der Motorenpalette, der Dieselanteil ist noch sehr überschaubar. Ein Statement ist jedoch das sportliche Topmodell GSi, das bis zur Ablösung des Kadett durch den Astra auf 150 PS erstarkt. Damit überflügelt er seinerzeit sogar den Golf GTI. Allerdings bleibt der Rivale aus Wolfsburg das erfolgreichere Auto. Während Opel etwa 4,4 Millionen Exemplare des Kadett E verkaufen kann, bringt VW rund 6,3 Millionen VW Golf II an den Mann.

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Die Auto-Jubiläen 2014:25 Jahre BMW Z1

Der BMW Z1 mit versenkten Türen.

Quelle: BMW

BMW hat sich lange Zeit gelassen, nach dem 507 aus den späten 50er Jahren wieder einen echten Roadster zu bauen. 1989 ist es soweit, und die Münchner geben sich viel Mühe mit ihrem neuen Prestigeobjekt namens Z1. Um die nötige Verwindungssteifigkeit zu gewährleisten, greifen die Techniker auf ein aus tragenden Stahlblechteilen gefertigtes Monocoque-Chassis zurück. Darüber spannt sich eine Kunststoffkarosserie, welche die üblichen Roadster-Proportionen präsentiert: lange Front, kurze Überhänge, knackiges Heck. Zudem verfügt der BMW Z1 über eine bis heute einzigartige Besonderheit: Die Türen lassen sich elektrisch im Schweller versenken - übrigens auch während der Fahrt, was bei Bedarf besonders viel Frischluft ins Wageninnere leitet.

Konventioneller geht BMW die Sache beim Antrieb an. Der direkt hinter der Vorderachse eingebaute 2,5-Liter-Reihensechszylinder leistet 170 PS und schickt seine Kraft über ein manuelles Fünfganggetriebe sowie ein Hinterachsdifferenzial Richtung Hinterräder. Von 0 auf 100 km/h geht es in knapp acht Sekunden, bei 225 km/h ist Schluss.

Obwohl sich BMW seinen Roadster mit mindestens 83.000 Mark teuer bezahlen lässt, greifen viele Frischluft-Fans zu. Bis zu seiner Einstellung 1991 verkauft BMW 8.000 Z1-Exemplare, der damit erfolgreich den Grundstein für spätere Z-Baureihen legt.

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Die Auto-Jubiläen 2014:25 Jahre Mazda MX-5

Der Mazda MX-5 der ersten Generation.

Quelle: Mazda

Doch nicht nur BMW sorgt für eine Wiederbelebung des Roadster-Segments. Etwas später als der Z1 rollt 1989 der Mazda MX-5 auf die Straßen und zeigt, dass jede Menge offener Fahrspaß auch mit recht simplen technischen Lösungen, vergleichweise kleinen Motoren und zu geringen Preisen möglich ist. Der kleine Japaner verzichtet auf überflüssigen technischen Schnickschnack und beschränkt sich auf das Wesentliche: Fahrvergnügen. Die beiden Passagiere sitzen in tiefen Höhlen, der Fahrer verwächst mit dem MX-5 dank der drei eng beieinader liegenden Pedale, des kleinen Lenkrads und des kurzen Schaltstocks schnurstracks zu einer Einheit. Dann noch schnell mit einem Handgriff in Sekundenschnelle das Dach zurückgeklappt, schon kann das Frischluft-Vergnügen beginnen.

Der Motor stammt aus dem biederen 323, zeigt sich aber in einigen Details überarbeitet. Aus 1,6 Litern Hubraum schöpft der Mazda MX-5 immerhin 110 PS. Das klingt nicht nach besonders viel, reicht angesichts des Leergewichts von lediglich 955 Kilogramm aber locker aus. Die Fahrleistungen (0 auf 100 km/h in 8,8 Sekunden, 195 km/h Höchstgeschwindigkeit) können sich sehen lassen. Hinzu kommt das mitteilsame und agile Wesen des Hecktrieblers. Macht in Summe ein Erfolgsmodell, das inzwischen in dritter Generation existiert und nicht mehr weit vom Titel "Millionenseller" entfernt ist. Die nächste MX-5-Generation steht übrigens schon in den Startlöchern.

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Die Auto-Jubiläen 2014:25 Jahre Mercedes SL R129

Caption orig.: Mercedes-Benz SL-Roadster der Baureihe 129

Quelle: Daimler AG

Nachdem es 1954 mit dem Flügeltürer elitär begann, entwickelt sich die SL-Baureihe zu einem Dauerbrenner und erreicht beachtliche Stückzahlen. Besonders in den USA bleibt sie beliebt, was vor allem für den insgesamt 18 Jahre gebauten und mehr als 237 000 Mal verkauften SL R107 gilt. Dessen Nachfolger R129 ist also zum Erfolg verdammt - und löst diese Aufgabe mit Bravour. Obwohl er "nur" zwölf Jahre gebaut wird, findet er mehr als 200 000 Käufer. Fast die Hälfte davon entscheidet sich für den SL 500, der mit souveräner V8-Power und Leistungswerten zwischen 306 und 326 PS perfekt zum Charakter des Luxusroadsters passt.

Mindestens ebenso beliebt ist die neue, klare Linienführung, die der damalige Chefdesigner Bruno Sacco dem offenen Zweisitzer verpasst hat. Zudem ist der SL R129 das erste Mercedes-Modell, von dem es offizielle AMG-Versionen gibt. Hier sticht vor allem der SL 73 AMG heraus: Dessen 7,3-Liter-V12-Motor leistet 525 PS und schickt ein maximales Drehmoment von 750 Nm Richtung Hinterachse. Obwohl der Bolide fast 340 000 Mark kostet, findet er immerhin 42 Käufer.

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Die Auto-Jubiläen 2014:40 Jahre VW Scirocco I

Der VW Scirocco I von 1974.

Quelle: Volkswagen AG

Wie der Käfer ist auch der VW Karmann-Ghia in den frühen 70er Jahren veraltet, untermotorisiert und nicht sicher genug. Vor allem in Bezug auf den amerikanischen Markt, wo das werksintern Typ 14 genannte Coupé aufgrund verstärkter Sicherheitsvorschriften vor dem Aus steht. Ein großes Problem für Volkswagen, schließlich exportieren die Niedersachsen einen Großteil des bei Karmann in Osnabrück gebauten Modells in die USA.

Wie beim Golf müssen auch hier große Änderungen her. Der Scirocco, der sogar noch vor dem Golf I auf den Markt kommt, präsentiert sich ähnlich revolutionär wie sein praktischerer Bruder. Kein Wunder, teilen sie sich doch die technische Basis. Auch optisch gehen die niedersächsischen Brüder auf Tuchfühlung, denn beide Entwürfe stammen aus der Feder Giorgio Giugiaros. Schließlich muss noch ein Name gefunden werden, und analog zu Passat und Golf fällt die Wahl auf eine Naturerscheinung: Scirocco, wie der heiße Wüstenwind, heißt das neue Coupé, das beim Publikum bestens Anklang findet. Bis zum Modellwechsel 1981 fertigt Karmann mehr als 500.000 Exemplare des Coupés mit Golf-Technik.

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Die Auto-Jubiläen 2014:40 Jahre Citroen CX

Citroen CX von 1974

Quelle: Citroen

Spätestens seit der DS, der 1955 erschienenen Göttin, steht die Marke Citroen für avantgardistische Automobilkunst. Der Nachfolger dieser Legende, die immerhin fast 1,5 Millionen Mal verkauft worden ist, hat es naturgemäß schwer. Er kann die Erwartungen nur erfüllen, wenn er noch fortschrittlicher ist - und genau das gelingt dem Citroen CX, als er 1974 das Licht der Welt erblickt. Er erregt zwar nicht so viel Aufsehen wie die DS fast 20 Jahre zuvor, aber dennoch staunen Fachwelt und Publikum über dieses Auto, das außen und innen so anders ist als alle anderen.

Die Karosserieform ergibt sich aus zahlreichen Windkanaltests. Auch der Name spielt auf die Windschlüpfrigkeit an, denn CX ist der französische Begriff für cW-Wert. Eigenwillig ist auch das Cockpit: Es gibt Lämpchen und Leuchtdioden in Hülle und Fülle, dazu das charakteristische Lenkrad mit nur einer (Doppel-)Speiche. Natürlich ist auch das hydropneumatische Fahrwerk an Bord, das dem Citroen CX das so markante schwebende Fahrverhalten verleiht. Ab 1984 gibt es sogar einen Turbomotor, dessen 168 PS den französischen Gleiter zu sportlichen Fahrleistungen befähigt.

Auch wenn er nicht ganz die Verkaufszahlen der DS erreicht, ist der CX dennoch ein Verkaufsschlager. Bis 1991 finden mehr als 1,17 Millionen Exemplare einen neuen Besitzer. Dazu gehört auch die DDR-Regierung, zu deren Fuhrpark mehrere CX mit verlängertem Radstand gehören. Erich Honecker soll den Fahrkomfort der französischen Limousine damals sehr geschätzt haben.

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Die Auto-Jubiläen 2014:25 Jahre BMW 8er

BMW 8er Coupé

Quelle: BMW

In den späten 80er Jahren ist es bei BMW vorbei mit der Bescheidenheit. Nachdem 1987 bereits der 750i mit dem ersten V12-Motor in einem deutschen Auto seit dem Zweiten Weltkrieg für Aufsehen gesorgt hat, rollt 1989 der BMW 8er an den Start. Und trumpft ebenfalls mit dicken Zahlen sowie einigen Hightech-Features auf. Das Triebwerk übernimmt das Coupé vom 750i: Der Zwölfzylinder-Frontmotor leistet 300 PS, beschleunigt den 8er in 6,8 Sekunden von Null auf Tempo 100 und schließlich auf maximal 250 km/h. Eine innovative Hinterachs-Lenkung soll den 1,8-Tonner zudem flott um Kurven zirkeln, was jedoch nur unzureichend gelingt.

Auch am Design scheiden sich die Geister. Die einen loben den 8er für seine zeitlos-elegante Form, die anderen sehen in ihm keinen typischen BMW. Letztlich sorgt aber der hohe Preis von 135 000 dafür, dass der Erfolg ausbleibt. Daran ändern auch die später nachgeschobenen anderen Motorvarianten - das Einstiegsmodell 840i mit 286 PS starkem V8-Motor und der 850 CSi mit 380 PS starkem V12 - nichts mehr. 1999 ist für den BMW 8er nach gerade einmal gut 30 000 verkauften Exemplaren Schluss. Ein großes Luxus-Coupé fehlt seitdem im BMW-Portfolio, wenn auch einige kürzlich vorgestellte Studien einen Nachfolger erwarten lassen.

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Die Auto-Jubiläen 2014:20 Jahre Toyota RAV4

Toyota RAV4 Dreitürer von 1994.

Quelle: Toyota

Das jüngste Auto in dieser Aufzählung ist der Toyota RAV4, der 1994 auf den Markt kommt. Schon fünf Jahre zuvor sorgt er für Aufsehen - in Form einer Konzeptstudie, die beim Publikum so gut ankommt, dass sich Toyota entschließt, das Auto zur Serienreife zu bringen. Ein mutiger Schritt, schließlich sind kompakte SUVs zu diesem Zeitpunkt - vom kommerziellen Flop VW Golf Country einmal abgesehen - nicht existent. Und so begründet der RAV4 ein Fahrzeugsegment, das heute boomt wie kein zweites.

Der Toyota RAV4 versteht sich zu keinem Zeitpunkt als waschechter Offroader, sondern stets als Grenzgänger zwischen Gelände- und Kompaktwagen. Es gibt ihn als Drei- und Fünftürer, ersteren später sogar mit Cabriodach. Permanenter Allradantrieb muss nicht sein, denn Toyota bietet auch eine 2WD-Variante seines Trendsetters an. Nur in puncto Motoren bleibt der Kundschaft keine Wahl, denn es gibt nur einen Zweiliter-Vierzylinder-Benziner mit 129 PS. Das tut dem Erfolg aber keinen Abbruch, der RAV4 avanciert zum Überraschungs-Bestseller. Seit dem vergangenen Jahr ist die vierte Generation auf dem Markt, und in 20 Jahren konnte Toyota mehr als fünf Millionen Exemplare verkaufen.

© SZ.de/hart
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