Kaufprämie für Elektroautos:Deutsche Autokäufer entscheiden sich gegen den Strom

BMW i3 mit Ladestecker

Der Ladestecker des BMW i3 liegt bereit. Doch wo gibt es die passenden Stromtankstellen?

(Foto: Jan Woitas/dpa-tmn)
  • Die staatliche Kaufprämie für Elektroautos ist schleppend gestartet. Bislang gingen nur 1791 Anträge bei der zuständigen Behörde ein.
  • Die Autoindustrie windet sich mit ihren Erklärungsversuchen, Marktexperten sprechen von einem Flop.
  • Für das eigentliche Problem, das mangelhaft ausgebaute Netz von Ladestationen, fühlt sich niemand zuständig.

Analyse von Karl-Heinz Büschemann

Es gibt Geld geschenkt, und kaum jemand greift zu. Bis zum 4. August holten sich nur 339 Käufer eines i3 BMW-Elektroautos die Kaufprämie ab, mit der Staat und Autohersteller den Verkauf von Stromautos ankurbeln wollen. Nur 84 Käufer ließen sich den Kauf eines elektrischen Mercedes bezuschussen und nur magere 44 Antragsteller den Erwerb eines elektrischen Golfs. Seit fünf Wochen gibt es die neue Kaufprämie für Elektrofahrzeuge, aber nur insgesamt 1791 Autokäufer stellten beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle den Antrag auf einen Zuschuss. In der Autobranche macht sich Enttäuschung breit.

"Die Kaufprämie ist ein Flop", ist das Urteil von Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg/Essen. Das Interesse der Käufer an Staatsgeld ist geringer als vor sieben Jahren bei der Abwrackprämie. Als die Bundesregierung 2009 nach der Finanzkrise den Kauf eines neuen Autos mit 2500 Euro bezuschusste, war der Andrang so groß, dass der Fördertopf nach wenigen Wochen leer war. Davon ist jetzt nichts zu sehen.

Halbgare Erklärungsversuche

Es läuft noch nicht rund mit dem verordneten Anreiz zum Kauf von E-Autos. Ein staatlicher Zuschuss wurde in Berlin lange diskutiert, um den schleppenden Absatz der Stromer zu beschleunigen. Am Ende einigten sich Bundesregierung und Hersteller auf einen Zuschuss von 4000 Euro. Für den Kauf eines Hybrid-Autos, das sowohl elektrisch als auch mit Verbrennungsmotor läuft, gibt es 3000 Euro. Staat und Hersteller teilen sich die Kosten. Die Prämie gilt für Käufe rückwirkend ab 18. Mai.

In der Autoindustrie sind nur gewundene Begründungen dafür zu hören, dass so wenige Autokäufer bereit sind, sich für ein elektrisch betriebenes Modell zu entscheiden. Es sei Ferienzeit, heißt es bei den Unternehmen. Ein anderer Erklärungsversuch ist, dass Behörden und Unternehmen länger für den Kauf eines Autos brauchen als Privatkunden. Überzeugen kann das kaum. Die Bundesregierung hatte die neue Kaufprämie schon Mitte Mai beschlossen. Potenzielle Käufer waren informiert. Matthias Wissmann, Präsident des Automobilverbandes VDA, sagt gequält, mit einem langsamen Anlauf der Anträge sei zu rechnen gewesen: Man müsse für ein Fazit "noch ein paar Monate abwarten". BMW-Chef Harald Krüger erkennt immerhin bei den Kunden ein "zunehmendes Interesse an unseren elektrifizierten Fahrzeugen". Begeisterung klingt anders.

Was in Deutschland noch fehlt? Stromtankstellen

Das langsame Anlaufen der Verkaufsprämie legt die Vorbehalte der Käufer gegen alternativ angetriebene Autos offen. Die Stromfahrzeuge sind teurer als konventionelle Fahrzeuge, und sie haben eine Reichweite, die weit unter denen von Benzin- oder Dieselfahrzeugen liegt. Verbandschef Wissmann sagt deshalb, was in Deutschland noch fehlt: Stromtankstellen.

"Ziel ist der Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur mit bundesweit 15 000 Ladesäulen." Bisher gibt es nur 5800 öffentliche Ladestationen. Zum Vergleich: Klassische Tankstellen gibt es doppelt so viele. Wo Zapfstellen zum Aufladen der Batterien fehlen, fürchten Autokäufer, auf der Strecke liegen zu bleiben.

Keiner fühlt sich für die Infrastruktur zuständig

Aber wer die Stromtankstellen bauen soll, ist nicht klar. Seit Jahren wird darum gestritten. Die großen Stromversorger wie RWE oder Eon halten sich mit solchen Investitionen zurück. Für sie ist die Zahl der E-Autos viel zu gering, um in Vorleistung zu gehen. Zudem haben sie genügend Sorgen, ihr eigenes Überleben zu sichern.

Die Autokonzerne haben keine Erfahrung mit einer Strominfrastruktur, und der Staat zeigt wenig Engagement beim Aufbau eines nationalen Ladenetzes. Auch der niedrige Öl- und Benzinpreis bremst das Elektroauto. Wo konventionelle Fahrzeuge so billig gefahren werden können wie schon lange nicht mehr, sind umweltfreundliche Alternativen kaum interessant. Die Folge ist: Die bundesdeutsche Realität liegt weit hinter dem Plan der Bundeskanzlerin zurück, die bis zum Jahr 2020 eine Million Stromautos auf der Straße haben will.

Massive Elektroauto-Förderung in China

Das Ziel ist längst Illusion: Anfang dieses Jahres waren in Deutschland nur 25 000 Batterieautos angemeldet. Dazu kamen 130 000 Hybrid-Fahrzeuge. Die deutschen Autobauer kennen sich besser mit Diesel- und Benzinmotoren aus. Für Stromautos zeigten sie bisher nur wenig Interesse. Echte Entschlossenheit, dem Elektroauto zum Erfolg zu verhelfen, hat bisher vor allem der amerikanische Hersteller Tesla gezeigt. Der wartet nicht, dass Staat oder Stromkonzerne die nötigen Tankstellen bauen. Der kalifornische Pionier hat auch in Deutschland inzwischen ein eigenes Versorgungsnetz entlang den Autobahnen aufgezogen.

Andere Länder sind entschlossener bei der Förderung der Elektromobilität, die als wesentlicher Beitrag gilt, die Klimabilanz des Straßenverkehrs zu verbessern. Vor allem China sorgt mit massiven staatlichen Hilfen für die Verbreitung von stromgetriebenen Fahrzeugen. In diesem Jahr sollen in dem großen Land nach den Vorstellungen des einheimischen Verbandes der Autohersteller schon 700 000 Stromautos verkauft werden. Das ist mehr als doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Schon im Jahr 2020, so die ehrgeizigen Pläne, sollen pro Jahr fünf Millionen E-Autos in China abgesetzt werden.

China setzt sich vom Rest der Welt ab

In China wird der Kauf eines Elektroautos mit mehr als 15 000 Euro vom Staat unterstützt. Zudem baut die Regierung die Ladeinfrastruktur für das Auto von morgen, an dem die Volksrepublik maßgeblich mitwirken will. Für die chinesische Regierung ist der heutige Verbrennungsmotor nur eine Übergangstechnologie, die langfristig von anderen Antrieben abgelöst werden soll. China setzt alles daran, mit ihrer eigenen Industrie beim Antrieb der Zukunft eine weltweit führende Rolle zu spielen.

Die Volksrepublik hat für viele Fachleute schon die USA, die mit Tesla und großen Internet-Konzernen zur führenden E-Auto-Nation geworden waren, als globalen Leitmarkt der Elektromobilität abgelöst. Jedes zweite in der Welt zugelassene Stromauto fährt nach den Informationen des chinesischen Autoherstellerverbandes in China. Das Land setzt sich mit massiven staatlichen Eingriffen zugunsten der Autoindustrie vom Rest der Welt bei der Elektromobilität ab. Der Abstand zu den klassischen Autoländern wächst. Auch für Deutschland, wo die Autoindustrie noch immer eine Schlüsselrolle hat, ist das keine gute Nachricht.

© SZ vom 08.08.2016/harl
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB