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Deutsche Umwelthilfe:Vorwürfe gegen Opel wegen Abgastest

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Wirklich so sauber wie versprochen? Wegen der Abgaswerte des Zafira 1.6 CDTI gibt es Streit zwischen Opel und der Deutschen Umwelthilfe.

(Foto: Getty Images)
  • Im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) führten Forscher der Berner Fachhochschule Abgasmessungen an einem Opel Zafira 1.6 CDTI ecoFLEX durch.
  • Das Ergebnis: War der Van auf einem 4-Rad-Rollenprüfstand unterwegs, überschritt er den zulässigen NOx-Grenzwert um den Faktor zwei bis drei.
  • Die DUH spricht nun von "Unstimmigkeiten bei der Abgasreinigung", Opel wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Erster einer neuen Zeit? Der 1.6 CDTI ecoFLEX sei der "sauberste Opel-Diesel aller Zeiten", wirbt die Marke mit dem Blitz. Neben dem "überaus genügsamen Kraftstoffbedarf" überzeuge er auch durch "äußerst niedrige Emissionswerte - vergleichbar dem Niveau eines Benzinmotors." Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht den Euro-6-Motor dagegen als Mogelpackung. Deshalb beauftragte sie die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule (AFHB) mit einem ausführlichen Abgastest. "Im 2-Rad-Antriebmodus erfüllte das Fahrzeug die NOx-Vorschriften", heißt es im Bericht über den 100 kW starken Dieseldirekteinspritzer. Doch dann ist Schluss mit der gemütlichen Testroutine im Berner Oberland: Mit vier bewegten Rädern fällt der neue Zafira Tourer durch den Standard-Abgastest (NEFZ).

Am 13. Oktober waren die Prüfstandsexperten zunächst skeptisch, als sie den schwarzen Zafira untersuchen sollten. Die Deutsche Umwelthilfe hatte die Schweizer mit umfangreichen Messungen beauftragt, "weil wir keinen Platz auf deutschen Prüfständen bekommen haben", sagt der DUH-Vorsitzende Jürgen Resch. Für den Van haben sie sich nach eigener Aussage entschieden, "weil wir zu diesem Fahrzeug besonders detaillierte Hinweise auf Unstimmigkeiten bei der Abgasreinigung erhalten haben".

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Aussage gegen Aussage

Die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule hat einen guten Ruf. Das eidgenössische Bundesamt für Strassen verlässt sich auch bei Typprüfungen auf die zertifizierten Motorleistungsmessungen, Abgas- und Rauchprüfungen der AFHB. Deshalb wiegt es schwer, wenn die Tester aus Nidau den Daumen senken. "Die Messresultate zeigen, dass das Fahrzeug sich anders verhält, wenn der Rollenprüfstand im 4- oder 2-Rad Modus betrieben wird", schreibt die AFHB im Prüfbericht.

Von expliziter Täuschung ist in den Unterlagen nicht die Rede ( hier die entsprechende Pressemitteilung der DUH). Das wäre angesichts des VW-Skandals wegen unerlaubter Abschalteinrichtungen zu brisant. Fakt ist, dass bei drei Schweizer Messungen im 4-Rad-Antriebmodus der zulässige NOx-Grenzwert um den Faktor zwei bis drei überschritten wurde. Selbst in der Standardmessung mit kaltem Motor stößt der Zafira Tourer 157 Milligramm NOx aus, erlaubt sind im NEFZ 80 mg/km. Erstaunlicherweise hält derselbe Wagen das Limit aber problemlos ein, wenn (wie gewöhnlich) nur zwei Räder auf der Rolle stehen. "Das Verhalten der SCR-Anlage scheint vom Prüfstandmodus abhängig zu sein, da die NOx-Verläufe in beiden Prüfstands-Betriebsarten unterschiedlich sind", bemängeln die AFHB-Gutachter.