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Autobranche:So wenig Diesel wie zuletzt 2009

EU-Staaten für schärfere CO2-Standards

Der Diesel ist mit dem Abgasskandal bei Volkswagen in Verruf geraten und wird immer unbeliebter.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Laut einer Analyse des Center Automotive Research in Duisburg kaufen immer weniger Fahrer Automobile mit Selbstzünder. Das liegt nicht nur am Boom der Elektroautos.

Von Frida Preuß

Der Diesel wird bei deutschen Autofahrern immer unbeliebter: Im Juli gab es hierzulande so wenige Diesel-Neuzulassungen wie seit der Abwrackprämie im Jahr 2009 nicht mehr. Das zeigt eine Analyse des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research in Duisburg. Im Juli 2020 kauften demnach 29,2 Prozent der Autofahrer einen neuen Diesel, vor einem Jahr waren es noch rund 34 Prozent gewesen. Selbst einschließlich der dieselbetriebenen Hybridfahrzeuge kam die Antriebsart nur noch auf 32,5 Prozent.

Für den bislang letzten großen Verkaufseinbruch war 2009 die Abwrackprämie verantwortlich: Verbraucher kauften mit der staatlichen Förderung überdurchschnittlich viele Kleinwagen, von denen die meisten Benziner waren. Der Diesel verlor zeitweise gravierend an Marktanteilen, am Tiefpunkt hatten nur noch 27,1 Prozent der neuzugelassenen Autos einen Dieselmotor. In den folgenden Jahren holten die Diesel-Motoren jedoch schnell wieder auf und stabilisierten sich bei einem Marktanteil von mehr als 45 Prozent.

Doch dann kam der VW-Abgasskandal und mit ihm das Diesel-Fahrverbot in vielen Innenstädten. Diesel-Motoren verloren erheblich an Image und Attraktivität - und wurden teurer. Die in der Folge des Skandals entstandenen hohen Kosten für die Abgasreinigung machten den Antrieb seitdem für viele Autofahrer uninteressant, sagt der Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer Dudenhöffer. "Für seine CO₂-Bilanz ist der Diesel einfach zu teuer geworden."

Weniger Diesel-Dienstwagen

Auch bei den Firmenwagen hat der Selbstzünder deutlich an Beliebtheit verloren. Seit Anfang 2015 hat sich der Anteil der Dieselautos unter den Dienstfahrzeugen von 77 Prozent auf 45 Prozent verringert. Anzeichen für eine Trendwende sieht Branchenexperte Dudenhöffer nicht. Im Gegenteil: Die CO₂-Steuer auf Treibstoff kommt im nächsten Jahr und soll bis 2025 auf 60 Euro pro Tonne steigen. Da der CO₂-Anteil bei Diesel höher ist, wird der Kraftstoff stärker besteuert - der bisherige Preisvorteil gegenüber Benzin wird also in Zukunft geringer.

Große Probleme macht dem Diesel nicht zuletzt der Trend zur Elektromobilität. Nach dem Abgasskandal haben VW, Honda, Nissan und viele andere Hersteller ihren Rückzug aus dem Diesel angekündigt, sie konzentrieren sich künftig auf Elektroautos. Dudenhöffer ist sich deshalb sicher, dass die Auslaufphase des Diesels begonnen hat.

© SZ vom 01.09.2020/reek
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