bedeckt München 21°

Deutsche Bahn:Ein Tag im Leben eines ICE

ICE der Deutschen Bahn

Der Tag des ICE 402 018 beginnt 0:55 Uhr in München und endet 23:19 Uhr in Nürnberg.

(Foto: Getty Images)

Ein ausgeklügeltes Organisations-System soll den Schnellzug über eine 24-Stunden-Schicht fit halten - und den Fahrgästen eine angenehme Reise bescheren. Das gelingt nicht immer.

Etwa 740 Fernverkehrszüge rollen täglich durch Deutschland und befördern im Schnitt 380 000 Reisende. 4200 Zugbegleiter und 2400 Mitarbeiter in der Gastronomie sorgen dafür, dass der Betrieb läuft. Hinzu kommen zahllose weitere Stellen. Was alles rund um einen ICE geschieht, das zeigt eine Fahrt mit Zug 402 018 an einem ganz normalen Werktag.

0.55 Uhr, München. André Lindner ist zufrieden. Drei Stunden war Fahrzeug 402 018 im ICE-Werk in Laim. Ein Trupp hat die Innenräume gereinigt, ein anderer die Toiletten abgepumpt sowie die Frischwassertanks aufgefüllt. Größere Schäden hat die Instandhaltungsmannschaft um Fachwerksmeister Lindner, 42, nicht gefunden. Der lässt noch Sand nachfüllen und die Besandungsanlage einstellen, die für Brems- und Anfahrmanöver gebraucht wird, falls die Gleise rutschig sind. Dann meldet Lindner den Zug abfahrtsbereit.

Deutsche Bahn

Diese Menschen halten einen ICE in Bewegung

4.50 Uhr, Frankfurt. Auch in der Verkehrsleitung von DB Fernverkehr sind sie zufrieden. 402 018 kann wie geplant eingesetzt werden. Mehrere Disponenten überwachen hier rund um die Uhr den Fernverkehr - auch wenn gerade kein Zug fährt. Jeder Zug muss regelmäßig in die Wartung, bei Problemen müssen Ersatzzüge gestellt werden. All das koordinieren die Planer in der Zentrale in Frankfurt, außerdem gibt es bundesweit sechs regionale Leitstellen.

9.40 Uhr, München. Per Telefon erteilt der ICE-Disponent den Auftrag an Bereitstellungslokführer André Teumer: Bringe 402 018 in den Hauptbahnhof. Teumer, 36, fährt die Technik hoch, prüft Druckluft- und Magnetschienenbremse. Im Abteil des Zugchefs tippt er die die Ziffern 588 in ein Display. Nun ist der Zug "getauft". Kurz darauf zeigen die Anzeiger an den Türen die Fahrtziele an, über den Sitzen erscheinen die "Reserviert"-Markierungen.

Der Bereitstellungslokführer übergibt an den "Strecken-Lokki"

10.21 Uhr, München. Teumer steuert den Zug mit Tempo 25 in den Hauptbahnhof, Gleis 22. Dort steht bereits ein anderer ICE der Baureihe 402. Teumer kuppelt seinen Zug an; erst in Hannover werden die beiden Zugteile wieder getrennt. Einer fährt weiter nach Bremen, der andere nach Hamburg. Für Bereitstellungslokführer Teumer war's das. Ab jetzt übernimmt der "Strecken-Lokki". Ein langweiliger Job? "Nein", sagt Teumer. Er mag es, klar geregelte Schichten zu haben. Und: "Ohne uns würde kein Zug auf Strecke gehen."

10.25 Uhr, München. Bis zu 190 Artikel hat Ganeshalingam Sornalingam in seinen Containern - diverse Gerichte, Knabbereien, Kinderspielzeug. An diesem Morgen schiebt der gebürtige Sri Lanker etwa ein halbes Dutzend Container in den Speisewagen, dazu einen Kasten Bier und mehrere Kästen Wasser. Über das Kassensystem in den Zugrestaurants erfasst die Bahn, wie viele Portionen Rührei oder Erbsensuppe verkauft wurden; automatisch schickt das System Leute wie Sornalingam, 48, los, die Ware liefern. Allein am Münchner Hauptbahnhof werden täglich 90 Züge bestückt.

10.47 Uhr, München. Abfahrt: ICE 588 verlässt wie geplant den Hauptbahnhof.