bedeckt München

Der Linksverkehr und seine Geschichte:Linkssruck mit Peitschenhieb

So normal, wie wir heute denken, ist der uns vertraute Rechtsverkehr also gar nicht. Aber gibt und gab es denn überhaupt je schlüssige Gründe für ein bevorzugtes Rechts- oder eben Linksfahren? Die Forschung sagt nein. Der einzige einigermaßen erhellende Grund für einen Seitenentscheid ist die Mehrheit der Rechtshänder unter den Menschen. Und ihre dementsprechende Neigung im Verkehr - zumindest für Reiter und Kutschfahrer - war stets der Linksverkehr.

Ein Pferd bestieg man, so man als Rechtshänder sein Schwert links am Gürtel trug, im Mittelalter bevorzugt behinderungsfrei von der linken Seite. Aber auch ohne Schwert besteigen wir noch heute Pferde, aber auch Fahrräder und Motorräder lieber von links als von rechts - und wären damit nicht nur beim Aufsteigen, sondern auch beim ebenso üblichen Absteigen nach links am linken Straßenrand eigentlich sicherer aufgehoben, als wir es beim heutigen Rechtshalten sind.

Vom Ausholen der Peitsche

Kutscher, die als Rechtshänder die Peitsche schwangen, saßen bevorzugt auf der rechten Seite des Kutschbocks, um die hinter ihnen sitzenden Passagiere beim Ausholen der Peitsche nicht zu gefährden und bevorzugten als Rechts-Sitzer aus Gründen der Übersicht ebenfalls die linke Straßenseite.

Also ritten oder rollten die meisten eben jener unserer Vorfahren, die sich Pferde oder gar Kutschen leisten konnten, ganz selbstverständlich links. Wer ärmer und deshalb Fußgänger war, ging vorsichtigerweise auf der rechten Seite der Straßen, um nicht schlicht von hinten überrollt zu werden.