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Der Linksverkehr und seine Geschichte:Linkssruck mit Peitschenhieb

Er ist mehr als eine Skurrilität, die bei Rechtsfahrern Schweißausbrüche erzeugt: der Linksverkehr. Noch immer fährt weltweit ein Drittel der mobilen Menschheit auf der falschen Straßenseite.

Kaum etwas kann einen deutschen Autofahrer mehr aus dem seelischen Gleichgewicht bringen und ihn in seinem Trott torpedieren, als von Bord der Fähre oder aus dem Eurotunnel-Zug auf britischen Asphalt zu rollen. Denn trotz allen Wissens um den bevorstehenden Spurwechsel werden die meisten dann das panische Gefühl nicht los, dass die Welt auf dem Kopf steht - schließlich fahren die Engländer auf der falschen Seite.

Linksverkehr, Umstellung auf Rechtsverkehr, Schweden 1967, Kampagne

Richtig geblickt? Als Schweden 1967 auf Rechtsverkehr umstellte, wurde das ganze Land mit Kampagnen wie dieser auf die völlige Umstellung alter Gewohnheiten vorbereitet.

(Foto: Foto: Archiv)

Für uns Festlandeuropäer ist dieser Linksverkehr kaum mehr als eine britische Skurrilität, über die wir nach jedem Besuch auf der Insel kopfschüttelnd berichten, wenn auch manchmal mit noch schweißnasser Stirn.

Tatsächlich aber sind es nicht nur die Briten - sozusagen falsch fährt man auch in Indien und Indonesien; genau wie in Australien und auf Antigua, auf den Bahamas und den Bermudas, auf Trinidad und auf Tonga, in Thailand und Tansania, in Südafrika und auf den Seychellen, in Mosambik und auf Mauritius, auf Jamaica und in Japan.

Der Linksverkehr ist also mitnichten eine britische Marotte. In immerhin 58 der 221 selbständigen Staaten und Gebieten der Erde gibt es die Linksfahrordnung - und mit Bevölkerungsgiganten wie Indien gilt das für rund ein Drittel der verkehrsteilnehmenden Menschheit. Und schon in den Anfängen des Straßenverkehrs scheint das Linksfahren weltweit üblicher gewesen zu sein als sein gespiegeltes Gegenteil.