Der Konkurs der PanAm Mit dem Attentat von Lockerbie kam das Ende von PanAm

Eleganz von einst

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Im Cockpit regierten die Skygods (Himmelsgötter), wie die PanAm-Piloten genannt wurden. Die neigten allerdings zur Selbstherrlichkeit, und so verlor die Gesellschaft in der frühen Jet-Ära viele Flugzeuge. "Daraufhin hat PanAm 1962/63 die Zusammenarbeit im Cockpit erfunden, da wurde mehr Kritik erlaubt, das Crew Coordination Concept gibt es bis heute", sagt der Berliner Flugkapitän und PanAm-Experte Thomas Kärger.

Noch ganz andere Herausforderungen im Cockpit galt es im Berlin-Verkehr zu bewältigen: Vor dem Abschluss des Grundlagenvertrags mit der DDR 1972 waren ostdeutsche und sowjetische Störmanöver gegen die in ihren Korridoren fliegenden westlichen Passagierjets an der Tagesordnung. Mal wurden Stanniolstreifen abgeworfen, um die Radargeräte zu irritieren, oft belästigten östliche MiG-Bomber die Boeings im Reiseflug, beim nächtlichen Landeanflug über Ost-Berlin wurden die Piloten gezielt geblendet und mussten sich mit Sonnenbrillen schützen.

Bis auf den vermutlich versehentlichen Abschuss einer PanAm-Boeing-727 am 15. November 1966, die Post beförderte, flog die PanAm auf ihren Berlin-Strecken aber bis zum Ende am 30. Oktober 1991 insgesamt 67 Millionen Passagiere ohne einen größeren Unfall.

In den sechziger Jahren boomte das Geschäft bei PanAm mit einem jährlichen Passagierwachstum von 15 Prozent. Juan Trippe wagte einen neuen Coup: Am 13. April 1966 bestellte er bei Boeing in seiner vielleicht visionärsten Tat 25 Exemplare der 747, eines Flugzeugs von damals unvorstellbaren Ausmaßen, das bis zu 490 Passagiere befördern sollte und später als Jumbo-Jet bekannt wurde. Der Rest ist Geschichte: PanAm dominierte seit dem Ersteinsatz der 747 am 22. Januar 1970 mit später bis zu 65 Jumbos in der Flotte die siebziger Jahre.

In den Achtzigern ging es mit immer hektischeren Management-Wechseln und nachteiligen Fusionen dann jedoch stetig bergab, der Glamour an Bord verblasste zusehends. Das Ziel Trippes, Fliegen für die Massen erschwinglich zu machen, war mit der 747 erreicht, die glorreichen Zeiten der Luftfahrt als Luxusgut endgültig vorbei.

Doch dann kam der Bombenanschlag von Lockerbie, durch den am 21. Dezember 1988 in Schottland 270 Menschen in einer 747 und am Boden starben. Die Buchungen bleiben aus, am 4. Dezember 1991 musste PanAm endgültig Konkurs anmelden. "Man hatte stets noch Hoffnung, aber stufenweise ist immer etwas Neues passiert, trotzdem ist für mich der Untergang von PanAm immer noch ein Rätsel", sagt Joe Haselby, der 25 Jahre für PanAm flog und heute in Berlin lebt. Dort treffen sich die Veteranen immer noch zweimal im Jahr, genau wie in Amerika.

Der Mythos der Airline lebt weiter, auch 20 Jahre nach der Pleite.

Ein Leben in der Luft

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