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Defekte Airbags:Sicherheitssysteme haben versagt

Crashtest eines Honda CR-V

Crashtest eines Honda CR-V aus dem Jahr 2002. Honda ist von den Airbag-Problemen des Zulieferers Takata am stärksten betroffen.

(Foto: AP)
  • Weil Takata-Airbags explodierten und Metallsplitter in die Fahrgastkabine schossen, starben bereits mindestens fünf Menschen und wurden 30 verletzt.
  • Wie die New York Times berichtet, versuchte der Autozulieferer jahrelang, das Problem zu verschleiern. Nun muss er sich vor dem US-Senat verantworten.
  • Neben weiteren Massenrückrufen bei Autoherstellern, die Takata-Airbags verbauen, drohen Klagen gegen den Autozulieferer.
  • Takata verwendet besonders anfällige Zünder und wurde Opfer seines rasanten Wachstums.
  • Die Konzernleitung schweigt bislang zu den Vorwürfen.

Bei Takata dreht sich alles um die Sicherheit im Auto, das japanische Unternehmen stellt Sicherheitsgurte und Airbags her. Bei letzteren hält es 22 Prozent Weltmarktanteil. Doch beim größten Crash seiner Geschichte haben alle Sicherheitssysteme versagt. Und die Unternehmensführung macht alles noch schlimmer.

Mindestens fünf Menschen sind in den vergangenen Jahren von Takata-Airbags getötet worden, mehr als 30 wurden verletzt, weil die Zünder von Airbags explodierten und Metallsplitter in die Fahrgastkabine schossen. Anstatt Leben zu retten, ist der Airbag zur Splitterbombe geworden. Elf Autokonzerne müssen deshalb bis zu 17 Millionen Fahrzeuge zurückrufen.

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Es gab schon Tote, weil sich Airbags des japanischen Zulieferers Takata plötzlich entfalteten: Nun will die US-Verkehrsaufsicht NHTSA die Rückrufe auf das ganze Land ausweiten. Fünf Autohersteller sind betroffen - darunter ein deutscher.

In Florida haben die Angehörigen von Hien Tran, die im Oktober durch einen Airbag getötet wurde, Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Auch Sammelklagen werden vorbereitet. Die zuständige Kommission des US-Senats hat das Unternehmen für diesen Donnerstag vorgeladen.

Verschleierte Takata die Probleme?

Nach Recherchen der New York Times, die sich auf ehemalige Angestellte von Takata USA beruft, wusste das Unternehmen seit zehn Jahren, dass seine Airbags defekt sind. Nach dem ersten tödlichen Unfall in Alabama 2004 sollen Takata-Ingenieure in einem Labor des US-Hauptquartiers in Auburn Hills/Michigan 50 Airbags geprüft haben. Zwei der Zünderkapseln seien dabei explodiert. Das Management habe die Protokolle vernichten lassen, es alarmierte weder die US-Bundesbehörde für Sicherheit im Straßenverkehr NHTSA, noch die Kunden. Vier Jahre später behauptete Takata in amtlichen Papieren, diesen Airbag-Typ erst 2008 auf Probleme getestet zu haben.

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Der US-Hersteller General Motors kommt nicht zur Ruhe. Zum wiederholten Mal in diesem Jahr ruft der amerikanische Automobilkonzern Fahrzeuge zurück in die Werkstätten - diesmal auch wegen Problemen mit den Sicherheitsgurten.

Die Zünder der fehlerhaften Airbags sind mit Ammoniumnitrat-Kügelchen gefüllt, ein Triebmittel, das kein anderer Hersteller verwendet. Im Falle einer Kollision explodieren diese Kügelchen in Sekundenbruchteilen, das setzt den Stickstoff frei, der das Luftkissen aufpumpt. Diese Explosion sei zuweilen heftiger als geplant, insbesondere in feucht-heißem Klima, gibt Takata zu. Das habe die Stahlkapseln zum Bersten gebracht. Inzwischen sind allerdings auch Fälle in nördlichen US-Bundesstaaten aufgetreten. In Japan selbst sind erst vier Fälle bekannt, bei denen allerdings niemand verletzt wurde.

Besonders anfällig sind diese Zünder, wenn sie nicht korrekt verarbeitet wurden. Im Internet sind Aufnahmen von Sicherheitskameras aufgetaucht, die zeigen, wie in der Spedition eines Takata-Werks Kisten mit Zündern vom Hubstapler fallen, um dann wieder ungeprüft verladen zu werden.

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