Das U-Boot fürs Volk Gelb - die einzig wahre Farbe für ein U-Boot

Doch kaufen wollte das Gefährt kaum jemand, und schließlich verlor sogar der Erfinder selbst das Interesse. "So war mein Vater", sagt Sybille Meilinger. Otto Heinrich Graf Hagenburg, Sohn eines Prinzen zu Schaumburg-Lippe, war ein begnadeter Bastler, Autodidakt und immer unterwegs.

Flieger und Bastler: Otto Heinrich Graf Hagenburg

(Foto: SZ Photo)

1936 wurde der damals 35-Jährige Kunstflugweltmeister - ohne je eine Flugstunde genommen zu haben, das Fliegen brachte er sich selber bei. Später gründete er eine Autozulieferfirma, fuhr Autorennen und entwickelte einen Motor zusammen mit Felix Wankel, dem Erfinder des nach ihm benannten Kreiskolbenmotors.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete der adlige Hansdampf die Firma Graf Hagenburg KG in Geretsried. Nur Talent für Geschäfte hatte er nicht. Nachdem er seine Firma 1971 verkauft hatte, arbeitete er fast bis zu seinem Tod im Jahr 1993 weiter an Erfindungen; aber es gelang ihm nie, Investoren zu überzeugen.

All das ist inzwischen lange her. Im Wohnzimmer der Meilingers steht noch der Flügel, auf dem der Graf spielte. Es ist ein alter Steinway, ein schönes Instrument. Auf dem Deckel stehen Fotos von Pferden und lachenden Kindern, und eine kleine Lichtmühle. Wenn Licht auf die Glaskugel fällt, drehen sich vier Flügel in ihrem Innern - ein Erfinderspielzeug.

Auch Tassilo Kraus, der Nachbarsjunge aus Geretsried, ist erwachsen geworden. Er lebt inzwischen in Berlin, das U-Boot steht im Garten eines Bekannten in Brandenburg. "Ich wollte das Boot damals unbedingt haben", sagt Kraus, "ich mag es halt." Er hat es gelb angestrichen, die einzig wahre Farbe für ein U-Boot, findet er.

Als Sybille Meilinger das hört, muss sie lachen. Alles konnte er, der Tausendsassa Hagenburg, nur mit den Farben hatte er Probleme: Rot und Grün konnte er nicht auseinanderhalten. Die Testbilder für die Pilotenprüfung lernte er auswendig; sonst wäre er durchgefallen. Aber Gelb, das war seine Farbe.

Tassilo Kraus hätte prinzipiell nichts dagegen, das U-Boot an das Museum abzugeben - er will es mit Franz Rudolf besprechen, wenn er das nächste Mal seine Eltern in Geretsried besucht. Wenn dann 2011 oder 2012 das Heimatmuseum eröffnet wird, könnte im Hof das U-Boot stehen, neben all den anderen Dingen von früher.

Für Franz Rudolf und den Museumsverein wird das ein großer Tag, jahrelang haben sie dafür gearbeitet. Vielleicht wäre auch der Erfinder des U-Boots stolz, dass sein Werk gewürdigt wird. Obwohl er sich immer mehr für die Zukunft als für die Vergangenheit interessiert hat.

Klare Kante

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