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Das neue Porsche-Museum:Ein Traum im Raum

Ende Januar eröffnet Porsche sein neues, 100 Millionen Euro teures Museum in Stuttgart-Zuffenhausen. Bewusst verzichtet der Autokonzern auf "eine inszenierte Erlebniswelt".

Unbaubar, lautete das Urteil. Fachleute, Ingenieure, erfahrene Tragwerksplaner schüttelten den Kopf, als sie vor knapp vier Jahren auf die mutigen Pläne des Wiener Architekturbüros Delugan Meissl schauten: So gehe das nicht. Viel zu kompliziert.

Ein Museum setzt zum Fliegen an: Porsche hat sich einen mutigen Entwurf ausgesucht.

(Foto: Foto: Uli Jooß)

Aus drei Soundduschen strömen die Klänge von 356, 911 und 917

Das war nur eines der Probleme. Ein anderes brannte schon länger. Es drehte sich rund um den Kreisverkehr der Schwieberdinger Straße, den Stuttgart in großer Geste Porscheplatz getauft hat. Was für ein Euphemismus für die leere Mitte zwischen dem betriebsamen Porsche-Werk, der blutarmen Fassade der Porsche-Niederlassung und einem wirr gewürfelten Gewerbe- und Industriegelände hintendran! Es ist ein Ort, an dem ehrlich geschafft wird. Hier strömt viel Verkehr. Doch mit dieser stadträumlichen Rumpelkammer architektonisch klarzukommen, ist nicht einfach. Was blieb, war ein eigenes Zeichen zu setzen.

Das gelingt dem neuen Museum. Hoch, dabei nicht graziös, reckt sich diese kantig gefaltete, brillantweiß belegte und spiegelnde Box. Nachhaltig dominiert der Bau die Beliebigkeit seines zerfaserten Umfelds. Der gewaltige Polyeder bietet 82 Autos auf 5600 Quadratmetern Platz. Doch seine große Last, 35.000 Tonnen sind es, darf er nur in drei Stützenpaare ableiten, was zu Spannweiten von bis zu 60 Metern führt - und zu spektakulären Überhängen: Rund 40 Meter weit kragt das Museum in seinem hinteren Teil aus. Hier verformt sich der Bau um bis zu acht Zentimeter. "Wir haben den konventionellen Hochbau verlassen", sagt Martin Josst, Partner im Büro Delugan Meissl, "und uns beim Brückenbau bedient." Letztlich hat es funktioniert, mit viel Nachdenken, Nachrechnen, Nachzahlen. 100 Millionen Euro, sagt Porsche, habe der Bau gekostet. Das ist rund doppelt so viel, wie ursprünglich gedacht.

"Das Schweben", sagt Elke Delugan-Meissl, "hat auch etwas mit der Marke zu tun." Für die Architektin ist im neuen Museum der gesamte Porsche-Kosmos zu Hause. Wer sich zu dessen Entdeckung aufmacht, taucht zunächst ab: Das tiefe, flach unter der großen Box lagernde Foyer lässt noch nichts vom Museum ahnen. Der Blick fällt zunächst in die große Werkstatt, wo künftig Spezialisten an Motorsport-Pretiosen schrauben sollen: Hier könnten sie, so Klaus Bischof, Ex-Rennmechaniker und Chef des Rollenden Museums, zum Beispiel einen 917/30 restaurieren.

Das neue Porsche-Museum

Ein Traum im Raum