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Abgasmanipulation:Mercedes muss 60 000 Autos zurückrufen

Rückruf für 60 000 Mercedes-Diesel

Nach einem Rückruf des Kraftfahrtbundesamtes müssen 60 000 Mercedes GLK 220 CDI in die Werkstatt.

(Foto: dpa)
  • 60 000 Mercedes-Geländewagen müssen nach einem Rückruf des Kraftfahrtbundesamtes in die Werkstatt.
  • In den Fahrzeugen soll eine illegale Abschalteinrichtung verbaut worden sein.
  • Der Konzern bestreitet die Vorwürfe.

Der Dieselskandal ist für Daimler noch lange nicht ausgestanden. Am Freitag hat das Kraftfahrtbundesamt (KBA) angeordnet, dass 60 000 Mercedes-Diesel sofort zurück in die Werkstatt müssen. Der Grund: Sie sollen eine illegale Abschalteinrichtung verbaut haben, durch die sie auf dem Prüfstand weniger Schadstoffe ausstoßen als im realen Straßenverkehr. Betroffen sind Geländewagen des Modells GLK 220 CDI, die zwischen 2012 und 2015 gebaut wurden. Doch dabei könnte es nicht bleiben: Das KBA hat seine Untersuchungen bereits auf weitere Modelle ausgeweitet.

Daimler bestreitet die Vorwürfe. Das Unternehmen teilte mit, nach seiner Auffassung sei die infrage stehende Funktionalität zulässig. Man werde gegen den Bescheid Widerspruch einlegen, unabhängig davon aber den Rückruf des Kraftfahrtbundesamtes umsetzen.

Der Verdacht ist nicht neu. Schon im vergangenen Herbst hatte das Verkehrsministerium Daimler bei bestimmten Ausführungen des Geländewagens GLK und anderen Modellen illegale Abschalteinrichtungen vorgeworfen. Die Ermittler der Staatsanwaltschaft Stuttgart waren bei ihrer Prüfung auf insgesamt eine Million Verdachtsfälle gekommen, darunter der nun erneut ins Visier geratene Motor mit der Bezeichnung OM651. Konkret geht es um den Vierzylinder-Diesel mit der Abgasnorm Euro 5, den Daimler seit 2008 baut.

Der gesetzliche Grenzwert für giftige Stickoxide soll bei dem betroffenen Motor nur eingehalten worden sein, wenn eine spezielle Temperaturregelung aktiviert war. Der Kühlmittelkreislauf soll den Motor künstlich kälter gehalten haben, wodurch die Stickoxid-Werte im Labor unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte geblieben sind. Im Straßenbetrieb soll die Funktion dagegen deaktiviert und der Schadstoffausstoß pro Kilometer deutlich überschritten worden sein.

Das Bundesverkehrsministerium bestätigte, dass das KBA die Ermittlungen gegen Daimler ausgeweitet hat, weil sich die angebliche Betrugssoftware noch in vielen weiteren Modellen befinden könnte. Der jetzt vom Rückruf betroffene Dieselmotor kommt von der A-Klasse bis zur S-Klasse zum Einsatz und wird selbst bei leichten Nutzfahrzeugen verbaut. Daneben ist auch der Motor mit der Bezeichnung OM642 ins Visier der Ermittler geraten, der unter anderem in der C- und E-Klasse verbaut wurde. Sollte das KBA auch bei diesen Modellen fündig werden, droht Daimler ein Rückruf von mehreren hunderttausend Fahrzeugen.

Im April waren die neuen Ermittlungen gegen Daimler erstmals publik geworden. Besonders pikant sind die Vorwürfe, weil der Autobauer nach Angaben aus Behördenkreisen versucht haben soll, die Abschalteinrichtung diskret bei Software-Updates zu entfernen. Diese Wartungen standen sowieso an, weil der Konzern 750 000 Autos weltweit wegen manipulierter Software zurück in die Werkstätten beordern musste. Dem widerspricht der Konzern. Laut Daimler gehören die Updates zu einem früher angekündigten Maßnahmenpaket für mehr als drei Millionen Mercedes-Fahrzeuge.

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