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CO2-Ausstoß von Autos:Eine Pressemeldung mit Geschichte

Das Bundesamt in Flensburg ändert nachträglich einen Text über den CO2-Ausstoß von Autos.

Buch zu führen ist eine zentrale Aufgabe des Kraftfahrtbundesamtes - nicht nur über die bei Verkehrsvergehen verhängten Punkte, sondern auch über die in Deutschland zugelassenen Autos. Darum hat seine Pressestelle am 23. Februar eine Statistik über den Kohlendioxid-Ausstoß der Wagen veröffentlicht, die 2006 neu zugelassen wurden. Am 2. März hat die Behörde die Meldung geändert, was ihr scharfe Kritik eingetragen hat.

Die eigentlichen Zahlen blieben unverändert: 172,5 Gramm CO2 pro Kilometer hatten Neuwagen im Durchschnitt freigesetzt, Benziner etwas weniger, Dieselfahrzeuge etwas mehr. Bei diesen steigt der Ausstoß auch seit 2001 wieder, was die Behörde damit begründet, dass ,,leistungsstarke, schwere Pkw vorzugsweise mit Selbstzündern ausgestattet sind''. In der Ursprungsfassung aber standen noch zwei Sätze der Einordnung: ,,Die von der Automobilindustrie selbst auferlegte Zielsetzung (140g/km bis 2008) erscheint kaum mehr realisierbar. Nun soll laut EU-Beschluss mit vereinten Kräften bis 2012 eine Minderung auf durchschnittlich 130g/km erreicht werden.''

Diese Sätze wurden am 2. März um 8.24 Uhr gestrichen, wie in einer weiterhin angebotenen Textdatei der Meldung zu erkennen ist. Auch eine Grafik wurde entsprechend geändert. Wolfgang Lohbeck von der Umweltorganisation Greenpeace bezeichnet die Änderung als Versuch, eine unangenehme Wahrheit zu vertuschen. ,,Es wäre interessant zu wissen, wer in den hohen Etagen der Automobilindustrie, des Verkehrsministeriums oder des Kanzleramtes in Flensburg angerufen hat.''

Stephan Immen, Pressesprecher des Kraftfahrtbundesamtes, hingegen sagt: ,,Wir haben es als Fehler angesehen, die Zahlen so zu vermischen.'' Die Selbstverpflichtung der Automobilindustrie gelte für den Durchschnitt in Europa, sie könne auch erfüllt werden, wenn Autos in Deutschland zwar mehr, dafür aber Fahrzeuge in anderen Ländern weniger CO2 ausstoßen. ,,Es ist doch auch nicht notwendig, dass eine Behörde den nationalen Wert zwangsläufig in Relation setzt.''

Den genauen Ablauf, wie die Erklärung entstanden und verändert worden ist, wollte Immen nicht erläutern. ,,Ich bin der Pressesprecher, solche Texte stammen in der Regel von mir'', sagt er. Eine Runde von Mitarbeitern der Behörde habe beschlossen, die Meldung zu ändern. Den Vorwurf der Vertuschung weist Immen zurück. Und auf die Frage nach einer möglichen Einflussnahme aus Industrie und Politik sagt er: ,,Darauf werde ich Ihnen keine Antwort geben können.''

Um in der Pressemitteilung die Veränderungen zu sehen: In Word unter "Extras: Änderungen verfolgen" ein Häkchen setzen unter "Änderungen hervorheben".