Carsharing:Ein geteiltes Auto ersetzt 15 Privatwagen

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Ein Auto benötigt im Schnitt drei Parkplätze: Zu Hause, an der Arbeitsstelle und dort, wo Einkauf und Unterhaltung stattfinden. Dabei kann schon ein Stellplatz in Metropolen locker so viel kosten, wie der Unterhalt des Fahrzeugs. Folglich werden Privatautos in urbanen Zentren immer unattraktiver: In Berlin haben 46 Prozent der Bewohner kein Auto, in Tokyo sind es 48 und in New York 56 Prozent.

Kein Wunder, dass New York auch die Welthauptstadt des Carsharings ist - knapp gefolgt von London mit seiner teuren City-Maut. Ein geteiltes Auto ersetzt 15 Privatwagen, hat die Unternehmensberatung Frost & Sullivan aktuell ermittelt.

Zudem reduziert das kollektive Individualverkehrsmittel die Pkw-Kilometer um rund ein Drittel: Mitglieder des Mietclubs fahren nicht nur weniger Auto als Pkw-Besitzer. Sie nutzen auch die öffentlichen Verkehrsmittel um fast 50 Prozent häufiger und radeln öfter.

Der Verzicht auf ein eigenes Auto spart nicht nur CO2, sondern auch bares Geld. Laut Frost & Sullivan haben Carsharer rund 1700 Euro pro Jahr mehr in der Kasse als Autobesitzer. Warum also ein Auto kaufen, wenn man Dutzende haben kann, die an jeder Straßenecke stehen?

"Nutzen ohne Nachzudenken", nennt Robert Henrich, Geschäftsführer von Car2go, die Freiheit der Kurzzeitmiete. Ein Fahrzeug im Voraus zu reservieren, ist genauso unnötig wie der Gang zur Vermietstation. Stattdessen lässt sich jeder freie Smart im Vorbeigehen mieten.

60 Prozent der Kunden gehören zur Generation der 18- bis 35-Jährigen, die mit Computer und Smartphone aufgewachsen sind. Für sie ist es kinderleicht, das nächste freie Fahrzeug online zu orten oder zu buchen. Der aufgeklebte Mikrochip auf dem Führerschein öffnet die Tür, ein Zahlencode im Infotainmentsystem schaltet die Zündung frei. Die Kommunikation 2.0 ist also die Basis für eine Mobilität 2.0 ohne Komfortverzicht.

Carsharing könnte ein nachhaltiger Trend werden - im wahrsten Wortsinne. Frost & Sullivan sehen bis 2016 ein Potential von 5,5 Millionen Clubmitgliedern in Europa. Dafür soll eine Flotte von 77.000 geteilten Autos unterwegs sein. Jeder dritte Carsharing-Neuwagen könnte dann ein Elektrofahrzeug sein, schätzen die Berater.

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