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Cadillac Escalade im Fahrbericht:Der Hintern parkt mit

Cadillac Escalade SUV

Ein Schnäppchen ist der Cadillac Escalade nicht: Mindestens 96.500 Euro kostet das SUV.

(Foto: JWO)

Der Cadillac Escalade will alles anders machen als die deutsche SUV-Konkurrenz. Er ist größer, schwerer und verbraucht mehr Benzin. Und man kann ihn mit dem Po in die Parklücke manövrieren.

Zunächst sieht er gar nicht so groß aus. Ein SUV eben. Bullig, breit, aufgeblasen. Doch dann wandert der Blick zum neuen Opel Corsa direkt daneben. Er reicht dem Cadillac Escalade nicht einmal bis zur unteren Fensterkante. Die Motorhaube endet in Brusthöhe. Im Kofferraum ist so viel Platz, dass man darin ein Zelt aufschlagen könnte. Mit den Reifen des SUVs ließe sich auch ein 7,5-Tonner über die Alpen jagen. Selbst der Schalthebel für die Automatik ist so riesig, wie eine Fahrradpumpe, die man ins Lenkrad gerammt hat. Plötzlich realisiert man: Dieses Auto ist gewaltig. Ein Monstrum. Und es ist ganz wunderbar.

Fetter Luxus

Der gewaltige Schalthebel für die Automatik befindet sich rechts am Lenkrad.

(Foto: JWO)

Mit 2,26 Metern Breite, 5,70 Länge und einer Höhe von 1,90 Metern ist der Escalade tatsächlich ein Exot auf deutschen Straßen. Entworfen für die amerikanische Weite. Hier hat sich niemand Gedanken darüber gemacht, ob dieses Auto einen Sinn ergibt. Es wurde einfach gebaut. Im Wageninneren sitzt man wie auf einem Thron, hoch über der Straße. So müssen sich die Fahrer der ersten SUVs vor einigen Jahren gefühlt haben. Im X5, Q7 oder anderen Stadt-Geländewagen thront man längst auf einer Höhe mit seinesgleichen. Höher hinaus geht es nur im Escalade. Er ist die einzig passende Antwort auf den unsinnigen SUV-Trend: Wenn Größe mehr Überblick und Sicherheit bedeutet, bau ein Auto, das alle anderen überragt.

Hinzu kommt, dass die Amerikaner offensichtlich bewusst alles anders machen wollten als die deutsche Konkurrenz. Schon beim Einsteigen fährt eine Treppe aus - Bequemlichkeit geht vor. Die Rücklehnen der bis zu sieben Sitze klappen per Knopfdruck elektrisch nach vorn. Und wer nach einer langen Fahrt ein Ziehen im Rücken verspürt, aktiviert die Massagefunktion im Sitz. Sonderlich effektiv ist die allerdings nicht. Eher wie eine Luftmatratze im Rücken, die langsam aufgepumpt wird. Auch beim Einparken verzichtet man auf das gewohnte Piepen für näherkommende Hindernisse. Stattdessen vibriert der Sitz. Der Hintern parkt quasi mit. Allerdings benötigt man schon einen sehr empfindlichen Po, um aus den Morsesignalen des Escalade etwas Sinnvolles ableiten zu können.

2,8 Tonnen wollen bewegt werden

Ganz anders der Motor. Der brummt so sonor, wie es nur ein Achtzylinder kann. Mit sechs Litern Hubraum und 426 PS ist er auf deutschen Straßen ein Relikt aus einer anderen Zeit. Sparsamkeit ist für ihn ein Fremdwort. Im Testmix aus Landstraße und Stadt kam der Escalade tatsächlich auf einen Schnitt von 17 Litern auf 100 Kilometer, bei durchaus moderater Fahrweise. Denn ein Sprinter ist das SUV nicht. 2,8 Tonnen wollen bewegt werden. Da nützt selbst ein gewaltiger V8 nichts. Aber zumindest gaukelt der nicht mit einem Hybrid-Antrieb vor, er wäre öko. Der Cadillac Escalade ist eine ehrliche Haut. Obszön und rückständig, aber eben kein Blender: Ich bin so, wie ich bin. Was ihr von mir denkt, ist mir scheißegal. Als hätte sich Jeremy Clarkson in ein SUV verwandelt.

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Nur, was nützt so viel Ehrlichkeit, wenn man sie niemandem zeigen kann? Denn sobald man mit dem Cadillac in die Stadt kommt, wird es schwierig. Sind schon Standard-SUVs im dichten Verkehrsgedränge überfordert, braucht man es mit dem Escalade erst gar nicht zu versuchen. Passende Parklücken gibt es so gut wie keine. In den meisten Garagen dürfte es auch eng werden. Und auf der Straße abgestellt, ragt das SUV immer großzügig auf die Fahrbahn. Es fährt sich ganz ordentlich im Cadillac - nur ihn zu parken ist eine fast unlösbare Aufgabe.

Aber auch das hat Vorteile: Wer Cadillac Escalade fährt, verbringt mehr Zeit mit der Familie. Denn er muss jeden Tag seinen Arbeitsplatz mindestens ein bis zwei Stunden früher verlassen, um einen Parkplatz zu finden. Und er schont die Umwelt. Denn wenn die Parkplatzsuche mal wieder länger dauert, lässt man das Auto lieber gleich stehen. Welches andere Auto kann das schon von sich behaupten?

Technische Daten Cadillac Escalade:

V8-Benzinmotor mit 6,0 Litern Hubraum; Gesamtleistung: 313 kW (426 PS); max. Drehmoment: 610 Nm; Leergewicht: 2751 kg; Kofferraum: 431 - 2668 l; 0 - 100 km/h: 6,7 s; Vmax: 180km/h; Testverbrauch: 17 l / 100 km (lt. Werk: 13; CO₂-Ausstoß: 302g/km); Euro 6; Grundpreis: 96 500 Euro

Das Testfahrzeug wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.