Busse mit Elektroantrieb:Superkondensatoren für Spitzenleistungen

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Bei Siemens wurden als Speicher für kurzfristig abrufbare Spitzenleistungen Superkondensatoren entwickelt. Sie liefern über kurze Distanzen beachtliche Energie und fangen kurzfristige Stromausfälle oder Spitzen beim Hochfahren der Elektromotoren ab. Für längere Strecken sind sie jedoch ungeeignet. Seit etwa zwei Jahren sind hingegen Batterien auf dem Markt, die sowohl das kurzfristige Zwischenladen mit einem regelrechten Stromschock, als auch den Abruf hoher Leistungsspitzen vertragen, ohne nach wenigen Ladezyklen den Geist aufzugeben.

Städtische Verkehrsbetriebe, die bereits über ein Bus- oder Straßenbahnnetz verfügen, haben den unschlagbaren Vorteil, dass sie nicht erst ein eigenes Netz von Ladestationen aufbauen müssen. In Genf dienen das Oberleitungsnetz der Trolleybusse und schwungvoll gestaltete Docking-Stationen an den Endhaltestellen als Zapfsäulen. Sie speisen die Energie über einen robusten Stromabnehmer auf dem Dach des Busses ein. Der Vorgang dauert etwa drei bis vier Minuten.

Auf der Strecke ist der Gelenkbus völlig unabhängig von der Oberleitung unterwegs. Besonderer Gag ist, dass alle drei bis vier Haltestellen noch mal mit einer blitzartigen Ladung von rund 15 Sekunden Dauer nachgetankt wird. Somit konnte auch die Batterie mit 40 kWh Kapazität und kaum mehr als einer Tonne Eigengewicht relativ klein gehalten werden.

Strom ohne Kabel durch Induktion

Ebenfalls über eine Oberleitung - aber über den Fahrdraht der Straßenbahn - lädt Siemens zwölf Elektrobusse nach, die seit kurzem für die Wiener Linien in der österreichischen Hauptstadt unterwegs sind. Der 40 Passagiere fassende Midi-Bus, dessen Karosserie von dem italienischen Hersteller Rampini stammt, fährt jeweils an den Endstationen einen Stromabnehmer aus und lädt seine 96-kWh-Batterie am Netz der Tram auf. Vorteil: Der Bus fährt ohne Notwendigkeit weiterer Baumaßnahmen auf der Grundlage bereits vorhandener Infrastruktur.

Dauerhaft ohne Stecker oder Stromabnehmer kommt nur das Primove-System von Bombardier aus. Das unsichtbare Induktionsladen soll demnächst in Mannheim auf der Linie 63, aber auch in Braunschweig, Brügge und Berlin realisiert werden. Die einzige wirklich kontaktlose Form der Energieübertragung funktioniert wie ein Transformator mit wenigen Zentimetern Luftspalt zwischen der Sendespule in der Straße beziehungsweise an den Haltestellen sowie einer Empfangsspule auf der Unterseite der Busse. Auch hier können Zwischenladungen die Reichweite der E-Busse verlängern. Die Konkurrenz behauptet allerdings hartnäckig, dass es Schwierigkeiten bei Schnee und Eis, sowie mit der elektromagnetischen Verträglichkeit geben könnte.

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