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Scheuers Motorrad-Pläne: "Eine gefährliche und praxisferne Idee"

Autofahrer sollen auch leichte Motorräder fahren dürfen

Wer einen Auto-Führerschein hat, soll künftig leichte Motorräder - 125er genannt - auch ohne zusätzlichen Motorradführerschein fahren dürfen. Darüber stimmt der Bundesrat am Freitag ab.

(Foto: dpa)

Der Bundesrat entscheidet, ob man mit dem Autoführerschein auch leichte Motorräder fahren darf. Experten hoffen, dass der Plan des Verkehrsministers scheitert.

Guido Jabusch erzählt gern davon, wie er sich als 15-Jähriger für 700 Mark sein erstes Mofa gekauft hat und damit ganz ohne Übungsstunden oder gar eine Führerschein-Prüfung fahren durfte. In den sechziger Jahren war das in Deutschland noch erlaubt. Passiert ist ihm damals nie etwas Ernstes - "war wohl auch ein bisschen Glück", sagt er. Heute ist Jabusch Polizist und Motorradtrainer bei der Bochumer Verkehrswacht. Spricht man mit ihm über den Plan von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Autofahrern ohne Prüfung mit nur ein paar Trainingsstunden eine Fahrererlaubnis für leichte Motorräder zu geben, hat er eine klare Meinung: "Ich halte das für eine gefährliche und praxisferne Idee."

Am Freitag stimmt der Bundesrat über den Entwurf des Verkehrsministers ab. Dieser sieht vor, dass man einem Autoführerschein künftig auch leichte Motorräder fahren darf - wenn man mindestens 25 Jahre alt ist und seine Fahrerlaubnis seit fünf Jahren hat. Es geht dabei um Krafträder der Klasse A1 mit einem Hubraum von bis zu 125ccm und einer Motorleistung von nicht mehr als 11 Kilowatt, also 15 PS. Damit dürfte man dann leichte Motorräder etwa der Marken Yamaha oder KTM oder schnellere Roller etwa von Piaggio, Honda oder Peugeot fahren. Diese Leichtkrafträder schaffen oft mehr als 100 km/h. Bisher war dafür ein separater Führerschein notwendig, der als Einstieg für schwere Motorräder gilt und bereits ab dem 16. Lebensjahr beantragt werden kann.

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Besonders umstritten ist bei der neuen Regelung, dass es zwar mindestens sechs Stunden Theorie und praktische Schulungen im Umfang von mindestens 7,5 Zeitstunden geben soll, am Ende aber keine Prüfung steht. In der Schulung sollen zudem laut Verordnungsentwurf in Theorie und Praxis nur "die wesentlichsten Grundlagen" des Motorradfahrens vermittelt werden. Dem Minister reicht es, wenn Fahrschüler ihr Können auf einem Übungsplatz zeigen und nicht im Straßenverkehr. Motorradtrainer Guido Jabusch sieht das anders: "Das reicht nicht. Man kann ein Auto nicht mit einem Zweirad vergleichen. Es bremst anders, gerade die 125er-Räder haben oft kein ABS, man muss lernen, wie man mit Seitenwinden umgeht." Richtig ernst werde es immer erst im realen Verkehr, so der Polizist - "und da zählt nichts mehr als praktische Fahrerfahrung." Für die reichen nach Ansicht des Motorradexperten übrigens nicht einmal die zwölf Fahrstunden, die für die bisherige 125er-Prüfung vorgesehen sind. Auch danach empfiehlt er besonders ungeübten Fahrern regelmäßige Sicherheitstrainings.

Auch die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände warnt: "Wir halten es für dringend geboten, die Kurvenkompetenz und das Fahren mit höheren Geschwindigkeiten zu schulen." Deshalb müsse es mindestens eine Fahrstunde auf Landstraßen geben, wo man mit 125er-Zweirädern bis zu 100 km/h fahren darf. Die Prüfgesellschaft Dekra spricht in einer Stellungnahme von einem "hohen Gefährdungspotenzial", wichtige Kompetenzen könnten in den wenigen Unterrichtseinheiten nicht vermittelt werden.

Der Verkehrsausschuss des Bundesrats lehnt den Vorschlag der Regierung ebenfalls ab - und warnt vor erhöhten Unfallzahlen. In Österreich, wo es bereits ähnliche Regelungen für 125er-Fahrer gibt, haben laut einer Stellungnahme der Bundesanstalt für Straßenwesen die Unfälle zugenommen. Auch für Praktiker Guido Jabusch steht fest: "Wenn das so beschlossen wird, bringen viele Menschen sich selbst und auch andere in Gefahr."

Ungeachtet der Kritik an seinen Plänen will Verkehrsminister Scheuer seinen Entwurf unverändert im Bundesrat durchsetzen. Unterstützung kommt nur aus wenigen Ecken. Der Innenausschuss hat sich für die Neuregelung ausgesprochen. Der ADAC rechnet damit, dass der Bundesrat den Entwurf ablehnen wird und bedauert das bereits im Vorfeld: "Durch eine Neuregelung hätten bereits erfahrene Autofahrer ihren Pkw-Führerschein relativ einfach und preiswert auf leichte Motorräder erweitern und sich damit eine zusätzliche Mobilitätsoption verschaffen können. Bedenken, dass dadurch die Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt würde, teilt der ADAC nicht."

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