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Bugatti 100P:Und sie fliegt doch

Die Replika der Bugatti 100P

Nach fast 80 Jahren soll zumindest die Replika der Bugatti 100P endlich abheben.

(Foto: Mark Myers)

Der Luxushersteller Bugatti baute ein einziges Flugzeug. Doch geflogen ist es nie. Nach fast 80 Jahren soll sich das jetzt ändern.

Bugatti. Bei diesem Namen bekommen Auto-Enthusiasten große Augen. Die Sportwagen aus dem Elsass gelten für die Zeit zwischen 1909 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges als die besten und exklusivsten Automobile der Welt. Nur die wenigsten wissen, dass Firmengründer Ettore Bugatti damals auch ein Flugzeug bauen ließ: die 100P, genannt "Le Rêve Bleu", "der blaue Traum". Doch vom Boden hob sie nie ab.

Mitte der 1930er-Jahre erklärte Bugatti dem belgischen Designer Louis de Monge seine Idee: Er solle ein Flugzeug um zwei seiner Rennmotoren herum konstruieren, die jeweils acht Zylinder, 4,9 Liter Hubraum und 450 PS hatten. Das Ergebnis, die 100P, sollte natürlich nicht irgendein Flugzeug werden, sondern das schnellste der Welt. 500 Meilen pro Stunde strebte Bugatti mit der 100P an, umgerechnet etwa 800 km/h.

Bugatti 100P

Der Blaue Traum im Detail

Um das zu erreichen, verwendeten die beiden Balsaholz, das besonders leicht ist. Zwischen zwei Lagen härterem Holz wurde es im Sandwichverfahren eingesetzt. Die Motoren lagen hinter dem Piloten und trieben zwei in entgegengesetzter Richtung rotierende Propeller an. Spektakulär war aber besonders die perfekte Form des Flugzeugs. Die 100P wirkte wie aus einem Guss, mit Tragflächen, die sich leicht in Flugrichtung wölbten. Ein Art-Deco-Traum im traditionellen Bugatti-Blau.

Der Firmengründer setzte den Flugzeugentwurf aber nicht nur aus reiner Rekordgier um. Der angestrebte Bestwert war nur Mittel im Zweck, der Prototyp sollte zeigen, dass Bugatti auch im Flugzeugbau anderen Marken überlegen war und sich so für die Massenproduktion empfehlen. Den passenden Abnehmer hatte Bugatti bereits gefunden: die französische Luftwaffe.

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Die Nazis beenden den Traum vom Rekord

Doch kurz bevor die 100P fertiggestellt werden konnte, besetzten die Nazis Paris. Bugatti fürchtete, dass seine Technik den Deutschen in die Hände fallen könnte. Er ließ das Flugzeug deshalb heimlich aus dem zweiten Stock des Pariser Möbelhauses, in dem die Ingenieure an dem Prototypen arbeiteten, ins Umland transportieren. Dort blieb es bis nach Kriegsende unentdeckt. Ettore Bugatti stirbt 1947, Louis de Monge wanderte in die USA aus. Bis zu seinem Tod 1977 entwarf er kein weiteres Flugzeug mehr. Die 100P blieb bis Ende der 1960er Jahre in einem Schuppen in der Nähe von Paris. Ohne, dass sie jemals vom Boden abgehoben wäre.

Dort entdeckte dann sie ein amerikanischer Bugatti-Enthusiast. Er verschiffte sie in seine Heimat, die beiden Motoren wurden ausgebaut und in Autos des italienischen Edelherstellers eingesetzt. Mehrmals wechselte die 100P den Besitzer, die Maschine wurde restauriert und landete schließlich im Air Venture Museum in Oshkosh, Wisconsin. Da die Maschine äußerst fragil ist, darf sie nicht transportiert werden. Und schon gar nicht geflogen.

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