Gotthard-Basistunnel Sissi und die wilden Beißer

"Der Berg ist groß und wir sind klein" - die Schweiz feiert den Durchbruch im Gotthard-Basistunnel mit ehrlicher Bewunderung und rhetorischen Glanzleistungen.

Von Thomas Kirchner

Man muss es Moritz Leuenberger abnehmen, dass ihm tatsächlich, wie er sagte, "das Augenwasser kommt" in diesem Moment. 15 Jahre lang hat der Sozialdemokrat und Schweizer Verkehrsminister gerungen um das Jahrhundertwerk, hat seinen Bürgern ein ums andere Mal geduldig erklärt, warum sie schon wieder ein paar Milliarden Franken drauflegen müssten (19 werden es am Ende wohl sein); wie sinnvoll es doch sei, möglichst viele Güter auf Schienen durch die Berge zu transportieren; dass es hier nicht zuletzt auch um Umweltschutz und alpine Lebensqualität gehe.

Durchstich im Gotthard-Basistunnel

Jubel in der Rekordröhre

Und dann fällt der Berg, endlich. Es war ja auch nur noch 1,50 Meter zu bewältigen. Um 14.17 Uhr stürzt der erste große Brocken aus der Wand, im selben Augenblick kommt Sissi zum Vorschein, die Tunnelbohrmaschine der badischen Firma Herrenknecht, deren 9,40 Meter großer Kopf sich mit gemächlichen Umdrehungen durch den Fels frisst.

Durchbruch im Gotthard-Basistunnel, dem mit 57 Kilometern längsten Tunnel der Welt. Fotografen drücken Knöpfe, die Grubenwehr spritzt Wasser gegen den Staub, ein Gejuchze kommt auf unter den 200 Anwesenden, unten im Bauch des Gebirges: sehr viele Mineure - der Durchstich ist traditionell ihr Tag -, Journalisten, Politiker.

Aus Luxemburg gratulieren die zugeschalteten EU-Verkehrsminister, dann schreitet als erster der österreichische Polier Hubert Bär durch die freigebohrte Öffnung, in den Händen eine Statue der Heiligen Barbara.

Aus den Reden, die das große Ereignis einleiten, spricht ehrliche Bewunderung für die Bergleute, die jahrelang neun Stunden täglich bei knapp 30 Grad und künstlichem Licht schufteten, geplagt von Felsstürzen und Wassereinbrüchen.

Gotthard-Basistunnel

Weiterer Durchbruch geschafft