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Boeing 747-8:Der Jumbo hat das Fliegen demokratisiert

Nicht alle waren über diesen Sprung zur 747 begeistert. Vor 40 Jahren musste das der deutsche Ferienflieger Condor ausbaden, der als erste Charter-Airline der Welt die beiden Jumbos "Max" und "Moritz" mit je 490 Sitzen zu klassischen Urlaubszielen ans Mittelmeer und auf die Kanaren einsetzte - und die Flughäfen dort völlig überforderte. Die damals nötigen Passkontrollen fanden daher an Bord statt, das Gepäck stand zur Abholung auf Paletten bereit. Am Ende erwies sich die 747 als zu groß für Pauschalreisen, 1979 wurden sie verkauft.

Dem Weltluftverkehr hat die Boeing 747 dennoch wie kein anderes Flugzeug ihren Stempel aufgedrückt. Bis heute gilt sie vielen weiterhin als die wahre Königin der Lüfte. Vor allem hat sie mit ihren Dimensionen das Fliegen demokratisiert, durch das große Platzangebot sanken in den siebziger Jahren die Flugpreise radikal.

Etwa beim amerikanischen Billigflieger PeoplExpress, der 1983 begann, mit der Boeing 747 über den Atlantik zu fliegen - zu Preisen ab 149 Dollar pro Strecke. Das war damals unvorstellbar günstig. Binnen 24 Stunden waren oft alle angebotenen Plätze auf Monate hinaus ausverkauft, die Bilder der nächtelang vor den Stadtbüros der Gesellschaft in London campierenden Reisewilligen sind heute Legende.

Nach Boeing-Angaben haben alle bisher ausgelieferten 1428 Jumbos zusammen mehr als 80 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Das entspricht etwa 102.000 Reisen von der Erde zum Mond und zurück. Dabei wurden weit mehr als 3,5 Milliarden Menschen befördert, über die Hälfte der Weltbevölkerung ist rechnerisch damit schon in einem Jumbo geflogen.

Daran lässt sich auch ermessen, wie sicher die 747 ist: Insgesamt gab es seit 1970 gerade 49 Totalverluste durch Unfälle mit 2852 Toten. Der erste tödliche Vorfall ereignete sich tragischerweise bei Lufthansa, als am 20.November 1974 während des Starts in Nairobi die "Hessen" wegen nicht ausgefahrener Vorflügelklappen abstürzte und 59 Insassen starben. Die betreffenden Cockpit-Systeme wurden danach modifiziert.

Auch die schwersten Unfälle der Luftfahrtgeschichte waren 747-Unfälle, auf Teneriffa stießen 1977 zwei Jumbos zusammen (insgesamt 583 Tote), in Japan verunglückte 1985 eine JAL-747 auf einem Inlandsflug (520 Opfer).

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