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Boeing 747-8:Der Jumbo-Jet ist nicht mehr der Platzhirsch im Langstreckenverkehr

Dass sich dennoch die große Zeit der 747 als das weltweit führende Passagierflugzeug auf Langstrecken dem Ende zuneigt, verdeutlicht ein Blick auf den Auftragsbestand. Die Airlines haben zwar 108 Jets vom Typ 747-8 bestellt, aber nur 32 dieser Maschinen werden im Passagierverkehr eingesetzt. Hingegen wird der Jet mit einer Nutzlast von 140 Tonnen ein vielversprechender Frachter - für die Cargoversion gibt es 76 Bestellungen. Konsequenterweise also wird der Frachter zuerst gebaut; drei Prototypen werden bis Ende 2010 das auf fast 4000 Stunden angesetzte Testprogramm absolvieren. Wenn alles gutgeht und keine unerfreulichen Überraschungen auftauchen, dann soll Cargolux aus Luxemburg im vierten Quartal des Jahres die erste Maschine erhalten.

Kommerzieller Erfolg unsicher

Vor allem die Lufthansa hatte Boeing jahrelang aufgefordert, die alte 747 zu modernisieren und zu vergrößern. Chef-Flottenplaner Nico Buchholz flog häufig mit Präsentationen in der Tasche in die Boeing-Zentrale nach Seattle, um dem Hersteller zu zeigen, wie es seiner Ansicht nach gemacht werden sollte. Denn man war auf der Suche nach einem Flugzeug zwischen dem Airbus A340-600 mit 380 Sitzen und dem A380 mit gut 500 Sitzen. Das einzige, das dafür in Frage kam, war eine verlängerte 747.

Buchholz' Hartnäckigkeit zahlte sich 2005 aus, als Boeing das Programm offiziell begann. Im Gegenzug hielt sich Lufthansa an die Zusagen und bestellte 20 Maschinen. Lange Zeit war sie die einzige Passagierfluggesellschaft, die sich für die 747-8 entschied, denn reihenweise hagelte es Absagen - von British Airways, Air France-KLM und vielen anderen renommierten Kunden. Besonders uncharmant war die Begründung, die Qantas für die Ablehnung lieferte: Das Flugzeug sei im Grunde genommen 40 Jahre alt und komme deswegen nicht mehr in Frage. In der Folge wurde in der Branche spekuliert, ob Boeing das Vorhaben doch noch fallen lassen könnte.

Boeing blieb standhaft. Doch ob die 747-8 ein kommerzieller Erfolg wird, ist längst nicht sicher. Denn der Jumbojet ist schon lange nicht mehr der Platzhirsch im Langstreckenverkehr, sondern immer mehr in die Nische gerutscht. Große Airlines wie Lufthansa, Air France, Cathay oder Singapore Airlines konnten sich noch 747-Flotten leisten, weil sie aufkommensstarke Strecken haben. Doch immer mehr wurde das Flugzeug von der Boeing 777 oder dem Airbus A340 abgelöst. Und auf Rennstrecken wie Frankfurt-New York wird künftig eher der A380 unterwegs sein.

© SZ vom 01.02.2010/juwe

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